Die Armen und die Mittelschicht zahlen Steuern, die Reichen bezahlen Steuerberater, die Superreichen bezahlen Anwälte – und die Ultrareichen bezahlen Politiker. Das ist keine originelle Feststellung, aber sie muss so lange wiederholt werden, bis jeder sie gehört hat.
Je mehr Geld Milliardäre anhäufen, desto größer wird ihr Einfluss auf das politische System – was bedeutet, dass sie weniger Steuern zahlen, was wiederum bedeutet, dass sie noch mehr anhäufen, was wiederum bedeutet, dass ihr Einfluss weiter zunimmt.
Sie gestalten die Welt nach ihren Vorstellungen um. Eines der Symptome der als „Milliardärsgehirn“ bekannten Pathologie ist die Unfähigkeit, über den eigenen kurzfristigen Gewinn hinauszublicken. Milliardäre würden den Planeten plündern, um noch ein bisschen mehr zu akkumulieren. Und wir sehen dabei zu.
Kürzlich erreichte uns die bislang größte Nachricht des Jahres, vielleicht sogar die größte Nachricht des Jahrhunderts. Doch Milliardäre besitzen den Großteil der Medien, und die meisten Menschen haben diese Neuigkeit kaum vernommen. Obwohl wir uns in einem zivilisationszerstörenden Ereignis wiederfinden könnten.
Die Nachricht lautet, dass der Zustand eines entscheidenden ozeanischen Zirkulationssystems von Wissenschaftlern neu bewertet wurde. Einige glauben nun, dass es aufgrund des Klimawandels, der die Temperatur und den Salzgehalt des Meerwassers verändert, eher wahrscheinlich als unwahrscheinlich ist, dass dieses System zusammenbricht. Dieses System – bekannt als Atlantische Meridionale Umwälzströmung, kurz AMOC – transportiert Wärme aus den Tropen in den Nordatlantik.
Was, wenn das Ökosystem im Regenwald zusammenbricht?
Jüngsten Forschungsergebnissen zufolge bringt ein Stillstand dieses Systems sowohl arktische Winter in Nordeuropa, als auch drastische Veränderungen im Wasserkreislauf des Amazonasgebiets. Eine Folge davon könnte der Zusammenbruch des Ökosystems im Regenwald sein, der wiederum diverse weitere Katastrophen auslösen würde.
Ein Stillstand des AMOC dürfte zudem zu einem beschleunigten Anstieg des Meeresspiegels an der US-Ostküste führen und die Küstenstädte überschwemmen. Die Temperaturen in der Antarktis würden um etwa sechs Grad steigen. Dadurch würde eine riesige Menge an Kohlenstoff freigesetzt, die derzeit im Südlichen Ozean gespeichert ist – was die Klimakatastrophe noch beschleunigen würde.
Selbst wenn man die gegenläufigen Effekte der allgemeinen globalen Erwärmung berücksichtigt, würden Nordeuropa extreme Kälteperioden treffen. Extremwettereignisse, bei denen die Temperaturen in London auf minus 19 Grad, in Oslo auf minus 48 Grad fallen würden.
Die arktische Eisdecke würde sich im Winter bis tief in die Nordsee ausdehnen. Unser Klima würde sich drastisch verändern. Mit der Wahrscheinlichkeit weitaus größerer Extreme, wie beispielsweise massiver Winterstürme. Dazu würde der regenbewässerte Ackerbau fast überall im Norden Europas unmöglich werden.
Die Wahrscheinlichkeit liegt bei über 50 Prozent, dass AMOC kollabiert
Diese Veränderung wäre, gemessen an jeder realistischen menschlichen Zeitskala, unumkehrbar. Ihre Geschwindigkeit dürfte unsere Anpassungsfähigkeit übersteigen. AMOC-Stillstände, ausgelöst durch natürliche Klimaschwankungen, gab es schon früher. Aber nicht im Zeitalter der menschlichen Zivilisation. Die erste wissenschaftliche Arbeit, in der die Hypothese aufgestellt wurde, dass die AMOC einen „Ein“- und einen „Aus“-Zustand haben könnte, erschien 1961.
Seitdem haben zahlreiche Studien diese Erkenntnis bestätigt und mögliche Auslöser sowie wahrscheinliche Folgen untersucht. Bis vor Kurzem wurde ein durch menschliche Aktivitäten verursachter Zusammenbruch der AMOC als Ereignis mit „hoher Auswirkung und geringer Wahrscheinlichkeit“ eingestuft – verheerend, falls es eintritt, aber eher unwahrscheinlich.
Forschungsergebnisse der letzten Jahre führten jedoch zu einer Neubewertung: Stefan Rahmstorf vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung schätzt, dass die Wahrscheinlichkeit eines Zusammenbruchs des AMOC bei „mehr als 50 Prozent“ liege. Wir könnten den Wendepunkt, so sagt er, „Mitte dieses Jahrhunderts“ überschreiten.
Oligarchen propagieren eine Welt, die für sie funktioniert
Warum ist das also nicht in allen Nachrichten? Warum hat es nicht oberste Priorität für die Regierungen, die behaupten, uns vor Schaden zu bewahren? Nun, zum großen Teil, weil die Oligarchen eine Version der Klimaauswirkungen propagieren, die wenig mit der Realität zu tun hat: Das heißt, sie haben eine Hypothese darüber, wie die Welt funktioniert, die völlig losgelöst von wissenschaftlichen Erkenntnissen ist. Diese Version ist Grund für die Reaktionen auf die Klimakrise aus Politik und Wirtschaft.
Es begann mit der Arbeit des Ökonomen William Nordhaus, der versuchte, die wirtschaftlichen Auswirkungen der globalen Erwärmung zu bewerten. Seine Modellierung legt nahe, dass ein „sozial optimales“ Erwärmungsniveau zwischen 3,5 Grad und 4 Grad liegt.
Die meisten Klimaforscher betrachten einen solchen Temperaturanstieg als katastrophal. Selbst eine Erwärmung um 6 Grad würde laut Nordhaus lediglich einen Verlust von 8,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) verursachen. Die Klimawissenschaft geht jedoch davon aus, dass dies eher das Ende der Zivilisation bedeuten würde.
Wie die renommierten Ökonomen Nicholas Stern, Joseph Stiglitz und Charlotte Taylor argumentiert haben, sind die milden Auswirkungen, die Nordhaus prognostiziert, in seinem Modell eingeplant. So geht seine Modellierung beispielsweise davon aus, dass katastrophale Risiken nicht existieren und dass die Klimaauswirkungen linear mit der Temperatur steigen. Es gibt kein Klimamodell, das einen solchen Trend nahelegt. Stattdessen prognostiziert die Klimawissenschaft nichtlineare Auswirkungen und ein stark eskalierendes Risiko.
Minimale Reaktionen auf die Klimakrise, gesponsert von Milliardären wie Bill Gates
Zu den wahrscheinlichen Auswirkungen einer starken Erwärmung gehören die Überflutung großer Städte und die Schließung der menschlichen Klima-Nische (der Bedingungen, die menschliches Leben ermöglichen) in weiten Teilen der Welt. So würde das globale Nahrungsmittelsystem zusammenbrechen.
Durch abrupte Übergänge in den Ökosystemen würden natürliche Kohlenstoffspeicher freigesetzt, was möglicherweise zu einer „Treibhaus-Erde“ führen wird, in der nur sehr wenige überleben. Von ein paar Prozentpunkten weniger beim BIP ganz zu schweigen: Es gäbe keine Messmöglichkeiten mehr und kaum noch eine Wirtschaft, die man messen könnte.
Erschreckenderweise werden zukünftige Generationen im Modell durch Diskontierung weniger hoch bewertet, als aktuelle. Mit anderen Worten: Verwendet wird eine Methode, die zur Berechnung von Kapitalrenditen dient, hier jedoch auf Menschen übertragen. Wie die drei Ökonomen betonen, „ist es moralphilosophisch sehr schwer, dafür eine Rechtfertigung zu finden“. Darüber hinaus treffen die Auswirkungen des Klimawandels die Armen unverhältnismäßig stark – doch in diesen Modellen wird auch ihrem Leben ein geringerer Wert beigemessen.
Es überrascht nicht, dass Modelle dieser Art, wie Stern, Stiglitz und Taylor anmerken, von „Interessengruppen“ wie der fossilen Brennstoffindustrie aufgegriffen wurden, um für minimale Reaktionen auf die Klimakrise zu plädieren. Und es sind nicht nur die Ölkonzerne.
Bill Gates, der behauptet, den Planeten schützen zu wollen, hat 3,5 Millionen Dollar (etwa drei Millionen Euro) an einen von Bjørn Lomborg geleiteten „Junktank“ gespendet. Dieser hatte seine Karriere darauf aufgebaut, Nordhaus’ Modell zu propagieren und so dazu beizutragen, die Notwendigkeit von Klimaschutzmaßnahmen herunterzuspielen.
Nordhaus wurde für seinen schädlichen Unsinn mit dem Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften ausgezeichnet – sein Modell ist Teil der Entscheidungsfindung von Regierungen.
Ein Milliardärs-Todeskult hat seine Finger um die Kehle der Menschheit gelegt. Er verursacht unsere existenzielle Krise und spielt sie zugleich herunter. Die Oligarchen sind nicht nur ein Klassenfeind, sondern, wie schon immer, ein gesellschaftlicher Feind: Ein paar Tausend Menschen können Zivilisationen zerstören. Es ist ein Kampf der Milliarden gegen die Milliardäre, und der Einsatz könnte unmöglich höher sein.
gehirn“ bekannten Pathologie ist die Unfähigkeit, über den eigenen kurzfristigen Gewinn hinauszublicken. Milliardäre würden den Planeten plündern, um noch ein bisschen mehr zu akkumulieren. Und wir sehen dabei zu.Kürzlich erreichte uns die bislang größte Nachricht des Jahres, vielleicht sogar die größte Nachricht des Jahrhunderts. Doch Milliardäre besitzen den Großteil der Medien, und die meisten Menschen haben diese Neuigkeit kaum vernommen. Obwohl wir uns in einem zivilisationszerstörenden Ereignis wiederfinden könnten.Die Nachricht lautet, dass der Zustand eines entscheidenden ozeanischen Zirkulationssystems von Wissenschaftlern neu bewertet wurde. Einige glauben nun, dass es aufgrund des Klimawandels, der die Temperatur und den Salzgehalt des Meerwassers verändert, eher wahrscheinlich als unwahrscheinlich ist, dass dieses System zusammenbricht. Dieses System – bekannt als Atlantische Meridionale Umwälzströmung, kurz AMOC – transportiert Wärme aus den Tropen in den Nordatlantik.Was, wenn das Ökosystem im Regenwald zusammenbricht?Jüngsten Forschungsergebnissen zufolge bringt ein Stillstand dieses Systems sowohl arktische Winter in Nordeuropa, als auch drastische Veränderungen im Wasserkreislauf des Amazonasgebiets. Eine Folge davon könnte der Zusammenbruch des Ökosystems im Regenwald sein, der wiederum diverse weitere Katastrophen auslösen würde.Ein Stillstand des AMOC dürfte zudem zu einem beschleunigten Anstieg des Meeresspiegels an der US-Ostküste führen und die Küstenstädte überschwemmen. Die Temperaturen in der Antarktis würden um etwa sechs Grad steigen. Dadurch würde eine riesige Menge an Kohlenstoff freigesetzt, die derzeit im Südlichen Ozean gespeichert ist – was die Klimakatastrophe noch beschleunigen würde.Selbst wenn man die gegenläufigen Effekte der allgemeinen globalen Erwärmung berücksichtigt, würden Nordeuropa extreme Kälteperioden treffen. Extremwettereignisse, bei denen die Temperaturen in London auf minus 19 Grad, in Oslo auf minus 48 Grad fallen würden.Die arktische Eisdecke würde sich im Winter bis tief in die Nordsee ausdehnen. Unser Klima würde sich drastisch verändern. Mit der Wahrscheinlichkeit weitaus größerer Extreme, wie beispielsweise massiver Winterstürme. Dazu würde der regenbewässerte Ackerbau fast überall im Norden Europas unmöglich werden.Die Wahrscheinlichkeit liegt bei über 50 Prozent, dass AMOC kollabiertDiese Veränderung wäre, gemessen an jeder realistischen menschlichen Zeitskala, unumkehrbar. Ihre Geschwindigkeit dürfte unsere Anpassungsfähigkeit übersteigen. AMOC-Stillstände, ausgelöst durch natürliche Klimaschwankungen, gab es schon früher. Aber nicht im Zeitalter der menschlichen Zivilisation. Die erste wissenschaftliche Arbeit, in der die Hypothese aufgestellt wurde, dass die AMOC einen „Ein“- und einen „Aus“-Zustand haben könnte, erschien 1961.Seitdem haben zahlreiche Studien diese Erkenntnis bestätigt und mögliche Auslöser sowie wahrscheinliche Folgen untersucht. Bis vor Kurzem wurde ein durch menschliche Aktivitäten verursachter Zusammenbruch der AMOC als Ereignis mit „hoher Auswirkung und geringer Wahrscheinlichkeit“ eingestuft – verheerend, falls es eintritt, aber eher unwahrscheinlich.Forschungsergebnisse der letzten Jahre führten jedoch zu einer Neubewertung: Stefan Rahmstorf vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung schätzt, dass die Wahrscheinlichkeit eines Zusammenbruchs des AMOC bei „mehr als 50 Prozent“ liege. Wir könnten den Wendepunkt, so sagt er, „Mitte dieses Jahrhunderts“ überschreiten.Oligarchen propagieren eine Welt, die für sie funktioniertWarum ist das also nicht in allen Nachrichten? Warum hat es nicht oberste Priorität für die Regierungen, die behaupten, uns vor Schaden zu bewahren? Nun, zum großen Teil, weil die Oligarchen eine Version der Klimaauswirkungen propagieren, die wenig mit der Realität zu tun hat: Das heißt, sie haben eine Hypothese darüber, wie die Welt funktioniert, die völlig losgelöst von wissenschaftlichen Erkenntnissen ist. Diese Version ist Grund für die Reaktionen auf die Klimakrise aus Politik und Wirtschaft.Es begann mit der Arbeit des Ökonomen William Nordhaus, der versuchte, die wirtschaftlichen Auswirkungen der globalen Erwärmung zu bewerten. Seine Modellierung legt nahe, dass ein „sozial optimales“ Erwärmungsniveau zwischen 3,5 Grad und 4 Grad liegt.Die meisten Klimaforscher betrachten einen solchen Temperaturanstieg als katastrophal. Selbst eine Erwärmung um 6 Grad würde laut Nordhaus lediglich einen Verlust von 8,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) verursachen. Die Klimawissenschaft geht jedoch davon aus, dass dies eher das Ende der Zivilisation bedeuten würde.Wie die renommierten Ökonomen Nicholas Stern, Joseph Stiglitz und Charlotte Taylor argumentiert haben, sind die milden Auswirkungen, die Nordhaus prognostiziert, in seinem Modell eingeplant. So geht seine Modellierung beispielsweise davon aus, dass katastrophale Risiken nicht existieren und dass die Klimaauswirkungen linear mit der Temperatur steigen. Es gibt kein Klimamodell, das einen solchen Trend nahelegt. Stattdessen prognostiziert die Klimawissenschaft nichtlineare Auswirkungen und ein stark eskalierendes Risiko.Minimale Reaktionen auf die Klimakrise, gesponsert von Milliardären wie Bill GatesZu den wahrscheinlichen Auswirkungen einer starken Erwärmung gehören die Überflutung großer Städte und die Schließung der menschlichen Klima-Nische (der Bedingungen, die menschliches Leben ermöglichen) in weiten Teilen der Welt. So würde das globale Nahrungsmittelsystem zusammenbrechen.Durch abrupte Übergänge in den Ökosystemen würden natürliche Kohlenstoffspeicher freigesetzt, was möglicherweise zu einer „Treibhaus-Erde“ führen wird, in der nur sehr wenige überleben. Von ein paar Prozentpunkten weniger beim BIP ganz zu schweigen: Es gäbe keine Messmöglichkeiten mehr und kaum noch eine Wirtschaft, die man messen könnte.Erschreckenderweise werden zukünftige Generationen im Modell durch Diskontierung weniger hoch bewertet, als aktuelle. Mit anderen Worten: Verwendet wird eine Methode, die zur Berechnung von Kapitalrenditen dient, hier jedoch auf Menschen übertragen. Wie die drei Ökonomen betonen, „ist es moralphilosophisch sehr schwer, dafür eine Rechtfertigung zu finden“. Darüber hinaus treffen die Auswirkungen des Klimawandels die Armen unverhältnismäßig stark – doch in diesen Modellen wird auch ihrem Leben ein geringerer Wert beigemessen.Es überrascht nicht, dass Modelle dieser Art, wie Stern, Stiglitz und Taylor anmerken, von „Interessengruppen“ wie der fossilen Brennstoffindustrie aufgegriffen wurden, um für minimale Reaktionen auf die Klimakrise zu plädieren. Und es sind nicht nur die Ölkonzerne.Bill Gates, der behauptet, den Planeten schützen zu wollen, hat 3,5 Millionen Dollar (etwa drei Millionen Euro) an einen von Bjørn Lomborg geleiteten „Junktank“ gespendet. Dieser hatte seine Karriere darauf aufgebaut, Nordhaus’ Modell zu propagieren und so dazu beizutragen, die Notwendigkeit von Klimaschutzmaßnahmen herunterzuspielen.Nordhaus wurde für seinen schädlichen Unsinn mit dem Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften ausgezeichnet – sein Modell ist Teil der Entscheidungsfindung von Regierungen.Ein Milliardärs-Todeskult hat seine Finger um die Kehle der Menschheit gelegt. Er verursacht unsere existenzielle Krise und spielt sie zugleich herunter. Die Oligarchen sind nicht nur ein Klassenfeind, sondern, wie schon immer, ein gesellschaftlicher Feind: Ein paar Tausend Menschen können Zivilisationen zerstören. Es ist ein Kampf der Milliarden gegen die Milliardäre, und der Einsatz könnte unmöglich höher sein.