Folgende Aufgabe wird Ihnen gestellt: 10 verschiedene Anordnungen zeigen Stäbchen unterschiedlicher Länge, von denen das rechte Stäbchen seine Entsprechung in Länge in einem der drei links abgesonderten Stäbchen findet. Ihre Aufgabe: Das Stäbchen herauszudeuten, das in Länge dem linken Stäbchen entspricht.
Franzen & Mader (2023).
Easy Peasy und offenkundig, und doch diskutabel, wie wir seit 1955 wissen. 1955 hat Solomon E. Asch Ergebnisse eines Experiments mit solchen Stäbchenbildern veröffentlicht, die ihn so schockiert haben, dass er gesagt haben soll: „That intelligent, well-meaning young people are willing to call white black is a matter of concern“ [Dass intelligente, bemühte junge Menschen bereit sind, weiß als schwarz auszugeben, ist besorgniserregend].
Was war geschehen?
Asch hat 123 Testpersonen vom Swarthmore College in der Nähe von Philadelphia, Pennsylvania, alle im Alter von 17 bis 25 Jahren Stäbchentests wie oben abgebildet vorgelegt, gemeinsam mit 6 bis 8 anderen fanden sie sich in einem Raum wieder und sollten angeben, welches Stäbchen auf der rechten Seite in seiner Länge demjenigen auf der linken Seite entspricht. Was die Testpersonen nicht wussten: Die anderen fünf bzw. sieben Personen im Raum waren verschworen, in acht von 12 Fällen eine falsche Antwort zu geben. Antworten wurden in Reihenfolge und laut gegeben, wobei Testpersonen immer an fünfter Stelle zu Wort gekommen sind. Was Asch wissen wollte: Wie viele seiner Testpersonen, würden sich der vermeintlichen Mehrheitsmeinung anschließen und WIDER ihre Wahrnehmung und WIDER ihr eigenes Urteilsvermögen, als Fünfte in der jeweiligen Reihe WIDER beseres Wissen eine falsche Antwort geben?
Asch, Solomon E. (1955). Opinions and social pressure. Scientific American 193(5): 31-35.
Das Ergebnis ist, was Asch erschreckt hat: 36,8% der Testpersonen haben sich konsequent der Mehrheitsmeinung angeschlossen, 75% wider besseres Wissen mindestens einmal eine falsche Antwort gegeben. Als Asch seine Testpersonen nach dem Experiment befragte, warum sie wider besseres Wissen eine falsche Antwort gegeben haben, sagte die Mehrzahl, sie wollten nicht alleine oder dumm dastehen, Asch hat dies als „normativen Einfluss“ gewertet, Gruppendruck, wenn man so will. Andere Befragte sagten von sich, sie seien, aufgrund der abweichenden Mehrheitsmeinung, in Zweifel verfallen und hätten ihrer eigenen Wahrnehmung misstraut, informativer Einfluss, in den Worten von Asch.
Seither wurde dieses Experiment viele Male wiederholt. Das Ergebnis war – mit geringen Schwankungen – immer dasselbe, meist 25% der Testpersonen vertrauten konstant der eigenen Wahrnehmung und widersetzten sich dem Gruppendruck. Alle anderen gaben miindestens einmal der Mehrheitsmeinung nach.
Nachzulesen z.B. bei:
In einer aktuellen Studie haben Franzen und Mader die Ergebnisse von Asch nicht nur repliziert, sie haben sie erweitert und zwar auf politische Aussagen. Fünf Aussagen, die mit Ja oder Nein zu beantworten waren, haben Franzen und Mader ihren 202 Testpersonen gestellt, in jedem Fall ging es darum ob der Schweizer Regierung, den Gewerkschaften oder den Arbeigeberverbänden mehr Einfluss gegeben werden sollte oder ob Bürger oder Unternehmen mit mehr Freiheiten ausgestattet werden sollten. In jedem Fall wussten die Befragten, wie die Mehrheit der Gruppe antworten würde, so dass die nachfolgende Messung eine Form der Compliance Messung – schon aufgrund der ideologisch weit voneinander abweichenden Vorgaben – darstellt.
Man muss etwas um die Ecke denken, um diese Abbildung zu verstehen. Dargestellt sind „Ja“ Antworten, die Testpersonen gegeben haben, und deren Abweichung, wenn die Mitglieder der Gruppe mehrheitlich „nein“ gesagt haben. Wie man sieht, geht die Antwort derjenigen, die „Ja“ sagen, dann, wenn die Gruppe „nein“ sagt, in die Knie, rund 38% der Befragten sind generell um Übereinstimmung mit der Gruppe bemüht. Mit anderen Worten: Die von Befragten geäußerte „politische Meinung“ ist von der Mehrheitsmeinung abhängig, ein Grund dafür, dass Linke so gerne behaupten, sie seien mehr, seien in der Mehrheit, denn sie rechnen mit dem Sykophantenfaktor, also denjenigen, die ihre Meinung an der Mehrheit ausrichten, also überhaupt keine eigene Meinung haben.
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