Wir befinden uns im Übergang vom industriellen zum kybernetischen Zeitalter. Doch der Wandel kommt weder von selbst noch ohne Widerstand – es bedarf Katastrophen und Schocks dazu. Die Corona-Krise wird als solch ein beschleunigendes Element politisch genutzt, schreibt die Wirtschaftshistorikerin Andrea Komlosy in ihrem neuem Buch „Zeitenwende“, aus dem wir nachfolgend Auszüge veröffentlichen.

von Andrea Komlosy

Klaus Schwab ordnet die neuen Entwicklungen der Kybernetischen Revolution in seinem Buch über „Die vierte industrielle Revolution“ drei Megatrends zu. Unter den physischen Megatrends fasst er Robotik, neue Materialqualitäten, 3D-Druck und selbstfahrende Kraftfahrzeuge zusammen. Dem digitalen Megatrend ordnet er das Internet der Dinge, die Verknüpfungen zwischen materieller und virtueller Welt über Sensoren sowie die Nachvollziehbarkeit der Datentransaktionen durch Blockchains oder „digitale Hauptbücher“ zu.

In der Praxis sieht er alle Daseinsbereiche, von Bekleidung und Wohnen über Kommunikation, Mobilität und Energieversorgung bis zu Fertigung, Handel, öffentlicher und Unternehmensverwaltung durch Datenbanken miteinander vernetzt. Angeblich sind diese „geteilt“, ein vom englischen „shared“ abgeleiteter Neusprech für Transparenz und allgemeine Einsehbarkeit, „verschlüsselt“ und „zuverlässig“.

Der dritte Megatrend liegt im biotechnischen Bereich, der über Veränderungen der DNA Lebewesen schaffen, modellieren, Lebensführung und Heilungsprozesse optimierend begleiten und über Gen-Editierung Eigenschaften, Körperteile oder überhaupt den Nachwuchs von Tier, Pflanze und Mensch nach Wunsch gestalten kann. Auch hier erweist sich die körperliche Optimierung als gemeinsamer Nenner der Schwab’schen Megatrends.

Schwab verspricht das Blaue vom Himmel

Dabei geht die Phantasie der technischen Machbarkeit wohl mit dem Autor durch und das Blaue, das hier vom Himmel herunter versprochen wird, soll die Leser in seinen Bann ziehen. Zwar fügt Schwab der Aufzählung der Megatrends im Anhang eine Liste hinzu, die für jede Neuerung eine Bewertung und Terminisierung ihrer Verwirklichungschancen vornimmt, was einige der Bilder doch stark relativiert. Damit keine Zweifel aufkommen, werden die Prinzipien, die den Trends zugrunde liegen, auch auf einer gesellschaftspolitischen Ebene erläutert.

Hier ähnelt Schwab stark den Visionen von Jeremy Rifkin, der aufgrund früherer Analysen, zum Beispiel zur Gen- und Reproduktionstechnik oder zur Veränderung der Arbeit durch Digitalisierung, als kritische Autorität des gesellschaftlichen Wandels anerkannt ist. Anders als Schwab steht Rifkin nicht im Verdacht, als verlängertes Sprachrohr der neuen Wachstumssektoren zu fungieren. De facto verschmilzt Schwabs „vierte industrielle Revolution“ jedoch mit Rifkins starker auf Energiewende und einen neuen grünen – angeblich nicht-kapitalistischen – Kapitalismus orientiertem globalen Green-New-Deal-Programm.

„Alles, was nötig ist, ist ein Smartphone“

Im gleichnamigen Buch erweist sich Rifkin genauso suggestiv wie Schwab. In beider programmatischen Skizzen, in welche Richtung sich das Heil der Menschheit zu bewegen habe, geht es im Wesentlichen darum, über das Sharing-Prinzip ein neues Besitzverständnis (Stakeholder statt Shareholder, Nutzen statt Besitzen, Zugang statt Eigentum), eine neue Work-Life-Balance (Flexibilisierung und Verkürzung der Erwerbsarbeitszeit durch das Zusammenspiel von Mensch und Maschine) sowie ein neues Politikverständnis (Politikgestaltung durch datenbasierte Expertise von Unternehmen, Regionen und Zivilgesellschaft statt nationalstaatliche demokratische Strukturen) einzuführen.

Rifkin führt für die neuen glokalisierten Beziehungen jenseits verfassungsmäßig geregelter staatlicher Strukturen den Begriff „verteilt“ ein. Er begreift „verteilt“ als deutschsprachige Entsprechung von „distributed“ oder „decentralized“ und verbindet dies mit offenem Zugang und Transparenz zum Beinahe-Nulltarif : „Alles, was dazu (das heißt zu „verteilter“ Governance) nötig ist, ist ein Smartphone und eine Internetverbindung, um den augenblicklichen Kontakt zu Big Data und einem globalen Netzwerk aus Millionen von Geschäften und Websites zu erhalten.“

Die Verheißungen der „Disruption“

Schwab und Rifkin sind sich bewusst, dass der Wandel nicht von selbst und nicht ohne Widerspruch vonstatten gehen kann. Es bedarf Schocks, um alte Strukturen und Gepflogenheiten zu durchbrechen. Soweit bedienen sie sich der Metapher von Naomi Klein, für die kapitalistische Modernisierung niemals ohne Schock und Desaster realisierbar ist.

Wahrend Klein dies jedoch kritisch sieht und dafür plädiert, dass sich die Menschen gegen Schocks verwehren, die ihnen die kapitalistische Krisenstrategie auferlegt, und vor ihren Folgen schützen, messen Schwab und Rifkin Krisen und Katastrophen (disaster) positive Wirkung zu. Schwab spricht von „Disruption“, wenn zunehmende Digitalisierung Gewinn und Beschäftigung nach unten treibt; Rifkin sieht die Chance auf revolutionären Wandel im „großen Bruch“. Erst dieser mache den Weg frei für das, was er „dritte industrielle Revolution“ nennt, also ein „digitales neuronales Netz über die gesamte Weltwirtschaft“ legt, das alle „Ströme und Aktivitäten über Big Data und Sensoren in jedem Gerät steuert, koordiniert und überwacht“, Mensch, Maschinen und Gerate verbindet und so die Voraussetzung für Produktivitätswachstum und Effizienzsteigerung schafft.

Sharing-Ökonomie: Zugang statt Eigentum

Da aufgrund des geringen Kapitaleinsatzes in der digitalen Sphäre die Grenzkosten zur Herstellung von Waren gegen Null tendieren, stünden viele Güter für alle kostenlos zur Verfügung. Die von Rifkin nicht so bezeichnete, aber im Grunde so gemeinte sozialistische Verheißung wird wahr: Märkte eignen sich nicht mehr als Steuerungsinstrument, werden irrelevant und machen einer Sharing-Ökonomie Platz, einer Kreislaufwirtschaft, die von gemeinschaftlichem Konsum, offenen Commons (Gemeingütern) und der gleichberechtigten Zusammenarbeit oder gar dem Aufgehen von ProduzentInnen und KonsumentInnen in Provider-User-Netzwerken geprägt ist.

Bezeichnend ist, dass die Beispiele für das „geteilte“ Eigentum und der „verteilte“ Zugang zu den kostenlosen Gemeingütern dann nicht über die – immer wieder aufs Podest gehobene – Transportplattform Uber und die Wohnungsvermittlungsplattform AirBnB, den Online-Händler Amazon und den Internetprovider Google hinausgehen, die ihre „revolutionäre“ Kinderzimmerphase längst hinter sich gelassen haben und zu harten, lukrativen Business-Modellen aufgestiegen sind, die Branchenkonkurrenten durch Prekarisierung der Beschäftigung, Unterlaufen von Qualitäts- und Sicherheitsstandards und aktive Steuerflucht aus dem Feld schlagen.

Utopie, die kaum von Dystopie zu unterscheiden ist

Der kybernetische Übergang bringt ein Wirtschafts- und Gesellschaftssystem hervor, dem utopische und dystopische Visionen zugrunde liegen. In den Gesamtentwürfen, die unter „Kybernetische Revolution“, „Dritte“ oder „Vierte Industrielle Revolution“, „Disruption“, „New Green Deal“ oder „Great Reset“ kursieren, ist das Utopische vom Dystopischen jedoch nur schwer unterscheidbar.

Technologische Machbarkeitsvorstellungen paaren sich einerseits mit der Einschätzung von der Unvermeidlichkeit technischer Entwicklungen, andererseits mit deren Propagierung als Rettungsanker zum Überleben im Angesicht von ökonomischer Krise und ökologischer Katastrophe sowie als Schritt zu einer besseren, inklusiven, partizipativen und solidarischen Zukunft der Menschheit. Durch soviel ideologische Überfrachtung bleibt dem und der Einzelnen kein Spielraum zur selbstständigen Überprüfung der Versprechungen. Diese werden in rosigen Farben von Schönheit, Gesundheit, Langlebigkeit, „Verteiltheit“, offenem Zugang, Erneuerbarkeit, Nachhaltigkeit und Egalisierung gemalt, sodass kein vernünftiger Mensch sich diesen universellen Werten entgegenstellen mag. Doch was steht hinter diesen Floskeln? (…)

Der Zugriff auf den Körper

Körper haben im kybernetischen Zeitalter zwei neue Aufgaben. Sie sind erstens der Ursprung der Verhaltensdaten, die in digitalen Anwendungen übermittelt werden. Aus den hinterlassenen Spuren lassen sich – zugeschnitten auf die jeweilige Kaufkraft – Wünsche, Begierden, Erwartungen, Konsumverhalten und Qualitätsansprüche ablesen.

Gleichzeitig geht es darum, die Körper entlang der Erfordernisse des Marktes zu gestalten. Körper werden dabei zweitens in einem bisher nie da gewesenen Maße zum Objekt der Bearbeitung. Die Techniken knüpfen an vorhandene Formen der Körper-, Hygiene- und Gesundheitspflege an. Dabei verwandeln sie die alten Standards der Medikalisierung und Körperpflege, die sich an die genormte Nachfrage der Industriegesellschaft wandten, in neue Standards für den maßgeschneiderten Menschen. Der Schlüssel zum Erfolg von Biohealth-Konzepten ist die Verfügbarkeit von Daten, die über die individuelle sowie die ubiquitäre Nutzung des Internets in immer größerer Menge geschaffen werden.

Die Verknüpfung der Nutzer-Signale mit Produktempfehlungen nahm Adrian Lobe zum Anlass für seine These des „Datengefängnisses“. Dieses verbindet jeden User und jede Userin über die „elektronische Fußfessel“ mit IT-Konzern und Werbekunden: Ähnlich wie in dem Panoptikum Benthams können ihre Begierden von diesen eingesehen werden, während sie selbst nur auf die Oberfläche ihrer digitalen Endgeräte starren und die dahinter verborgenen Geschäftsprozesse nicht erkennen können. (…)

Big Data für Big Pharma

Die IT-Konzerne haben erkannt, dass das maßgeschneiderte Angebot von Heilung, Gesundung und Vervollkommnung einen Zukunftsmarkt darstellt. Der Zugang zu diesem Markt verläuft über die Verfügbarkeit von Daten: der menschliche Körper als Datenschatz. IT-Konzerne weiten ihre Geschäftsbereiche über den Informations- und Kommunikationssektor hinaus aus. Sie übernehmen die Verwaltung von Krankenakten und Versicherungsmanagement und setzen die Test- und Contact-Tracing-Anwendungen von Regierungen und privaten Anbietern operativ um.

Seit neuestem steigen sie selbst ins Pharma-, Gesundheits- und Fitnessgeschäft ein. Zum Beispiel Google-Alphabet, das mit „Verily Life Science“ über ein eigenes Biotech-Unternehmen verfügt, das mit US-amerikanischen Universitäten Human Health Maps entwickelt. Mit Novartis und Pfizer arbeitet Verily an Künstlicher Intelligenz für medizinische Anwendungen. Über das Joint Venture Onduo kooperiert Google mit Sanofi, um mit Big Data die Behandlung von Diabetes-Patienten zu organisieren. Google ist auch am Fitness-Tracker-Hersteller Fitbit beteiligt und hat so Zugriff auf die Daten der Nutzer.

Apple wiederum hat Zugang zu Apple-Watch-Nutzern. Diagnose-Apps zeichnen die Vitalfunktionen der Nutzer auf. Mit Apple’s ResearchKit führen namhafte medizinische Forschungsinstitute in den USA und Israel klinische Studien über das iPhone durch. Samsung ist über die Tochterunternehmen „Samsung Biologics“ und „Samsung Bioepics“ in Kooperation mit Merck auf den Pharmamarkt vorgedrungen. Amazon wiederum ist mit „Amazon Pharmacy“ in den globalen Online-Handel mit Medikamenten eingestiegen. Der Konzern hat sich in ein Unternehmen für Symptomkontrolle und Triage eingekauft. Für den britischen Gesundheitsdienst National Health Service (NHS) adaptiert Amazon den Alexa-Sprachassistenten für Online-Beratungsdienste und arbeitet an Sprachverarbeitungsprogrammen für medizinische Konversationen.

Last but not least sei der Wortführer der globalen Impfkampagne, Microsoft-Gründer Bill Gates, erwähnt. Die Bill-&-Melinda-Gates-Stiftung investierte 2015 in das Tübinger Pharma-Unternehmen Curevac, das Impfstoffe gegen Malaria und Grippe herstellt, und 2019 in die Mainzer Firma BioNTech 50 Mio. Euro zwecks HIV- und Tuberkulose-Forschung. Damals war BioNTech noch ein unbedeutendes Unternehmen, das im zweiten Quartal 2019 25,8 Mio. Euro Umsatz schrieb und mit 50 Mio. Euro im Gewinnminus lag. Im ersten Quartal 2022 war der Umsatz auf 6,37 Mrd. US-Dollar angewachsen, der Gewinn auf 4,75 Mrd.

Lukrativer Wechsel in die Gesundheitsbranche

Diese Kooperationen und Verschmelzungen zwischen Big Data und Big Pharma zeigen den Bedeutungsgewinn der MANBRIC-Sektoren auf, die mit dem Corona-Moment einen ungeahnten Auftrieb erfahren haben. Einen ähnlichen Strategiewechsel können wir auch bei Erzeugern klassischer Haushaltselektronik beobachten, die in Big Pharma einsteigen. Dabei dienen die Mikroprozessoren, die im smarten Haushaltsgerät stecken, als Sammelstelle und Transmissionsriemen für den Datentransfer.

Das Beispiel des niederländischen Philips-Konzerns zeigt allerdings, dass der Wechsel auf die Gesundheitsbranche noch lukrativer zu sein verspricht. Philips trennt sich von den Produkten, die den Konzern bekannt gemacht haben, wie Rasierapparate, elektrische Zahnbürsten, Kaffee- oder Bügelmaschinen. „Wir dürfen nicht an der Vergangenheit kleben bleiben und setzen einen weiteren Schritt in der Transformation von Philips zu einem Medizin-Konzern“, so Vorstandschef Frans van Houten zum geplanten Verkauf der elektronischen Konsumgüter-Sparte. Die neue Konzernstrategie setzt auf MRI- und CT-Scanner für Krankenhäuser, Home-Monitoring-Computer-Verbindungen für Online-Konsultationen zwischen Patient und Arzt oder auf medizinische Beatmungsgeräte, die in der Corona-Zeit stark nachgefragt waren.

Im April 2021 hat die Frankfurter Siemens-Tochter „Siemens-Healthineers“ mit einer Produktionsstätte in Shenzhen den US-Medizintechnik-Konzern Varian übernommen. Die Liquidität resultierte nicht zuletzt aus dem Verkauf von Covid-19-Schnelltests in Deutschland, die 2020/21 die Kassen mit 750 Mio. Euro gefüllt haben. Mit der Übernahme des auf personalisierte KI-datenbasierte Diagnose und Krebsbehandlung spezialisierten Unternehmens soll ein Upgrading in eine höhere Wertschöpfungsklasse erzielt werden; das nicht so lukrative Ultraschallgeschäft wird dann abgestoßen werden oder in anderen Worten: „Wir optimieren das Set-up der Sparte“, so Siemens-Healthineers-Vorstandschef Bernd Montag.

Eine durch und durch kriegerische Rhetorik verwendet Novartis, um die Umgestaltung des Pharmariesen auf medizinische Spitzentechnologie zu beschreiben. Diese soll durch den Verkauf der Generika-Sparte und die Übernahme weiterer Anteile von „Alnylam Pharmaceuticals“, bekannt für sein Nobelpreis-ausgezeichnetes Programm zur gentechnischen Behandlung seltener genetischer Erkrankungen, erzielt werden – mit dem erklärten Ziel, die „Kriegskasse“ anschwellen zu lassen. „Das ist es, was die Investoren wollen. Nicht diese ganzen Nebenkriegsschauplätze.“ Es gelte, so der Novartis-Chef Vas Narasimhan, „Medizin neu zu denken.“ Diese Ausdrucksweise spiegelt die Verachtung (der Investoren) für die Breitenmedizin wider. Das Augenmerk liegt auf körperlichen Eingriffen, die als Anwendungs- und Experimentierfeld für Gentechnik und Künstliche Intelligenz dienen, weil damit am meisten verdient werden kann. (…)

Erneuerungskapitalisten wollen alles ändern

Die Vertreter des Erneuerungskapitalismus versprechen eine „schöne neue Welt“. Dabei wollen sie nicht nur mit dem Industrialismus Schluss machen, sondern auch mit der bürgerlichen Demokratie, der politischen Mitbestimmung, der staatlichen Umverteilung und der internationalen Ordnung der Staaten. Angesagt ist ein Neustart unter der Führung der globalen Think-Tanks, NGOs und innovative Unternehmensgruppen, die die Märkte beherrschen und mit diesen den Regierungen den Weg weisen. Im Vertrauen auf das kybernetische Prinzip, die Optimierung sämtlicher Prozesse durch Big Data und Künstliche Intelligenz, setzen sie der Ausbeutung der lebendigen Arbeit mit der Aneignung der Erfahrung und der Körper der User ein weiteres Element der Entfremdung drauf.

Wer die Welt des digitalen Kapitalismus nicht verinnerlicht hat, mag sich abgestoßen fühlen. Wer das analoge Leben mit seinen unkontrollierbaren Freiräumen, Selbstverantwortung, Vertrauen und Verbindlichkeit zu schätzen weiß, traut den Versprechungen von Individualisierung, Flexibilisierung, Optimierung und Freiheitsgewinn durch digitale Allgegenwart der Datenspuren nicht.

Menschen, die als Digital Natives und Digital Nomads überall und gleichzeitig nirgends auf der Welt zu Hause sind, nehmen die Digitalisierung für gegeben hin wie die Generationen vor ihnen beispielsweise den Takt der Maschine, den wir uns über die Uhr vergegenwärtigen können. Wir haben vergessen, dass dieser Takt der Maschine uns in Zeit- und Bewegungskoordination, in die Unterscheidung zwischen Arbeitszeit und Freizeit, in Pünktlichkeit und Ordnung des Tagesablaufs eingewiesen hat. Diese Kultur- und Arbeitstechniken der industriellen Zivilisation, die uns heute so selbstverständlich erscheinen, mussten erst mühsam gegen Widerstände angelernt und eingebläut werden wie uns Heutigen die permanente Fesselung an und durch Smartphones, Apps und digitale Programme. Vor allem aufstrebende Generationen in den Schwellenländern und Emerging Markets im Globalen Süden finden daran nichts Anstößiges.

Wie die neue, in Formierung befindliche Welt aussehen wird, steht noch nicht fest. Viele Menschen stehen dem digital durchgetakteten Lebensstil skeptisch gegenüber, andere sind der Verdatung und der damit verbundenen Verfolgung und Kontrolle der Kontakte und der Bewegung überdrüssig. Neue Aussteiger- und Parallelgesellschaften bilden sich heraus. Man könnte versuchen, der Allmacht des Digitalen entgegenzuwirken, sich dieser persönlich und kollektiv zu entziehen. Man könnte aber auch beginnen, die Möglichkeiten der kybernetischen Zukunft nicht den Konzernen, Welt- und Staatenlenkern zu überlassen, sondern sich das Internet als basisdemokratisches Instrument anzueignen.





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Von Veritatis

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