Vielleicht lag es am schöneren Wetter und den höheren Temperaturen, dass viele Verantwortliche in der deutschen Wirtschaft im Sommer wieder etwas zuversichtlicher in die Zukunft schauten. Die erste Panik vor dem im Februar ausgebrochenen Krieg in der Ukraine war gewichen und eine bessere Stimmung beherrschte das Bild.

Von ihr ist in der Zwischenzeit nicht mehr viel geblieben, auch wenn das Statistische Bundesamt für das letzte Quartal überraschend noch einmal einen Anstieg des deutschen Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 0,2 Prozent vermelden konnte. Die von zahlreichen Konjunkturbeobachtern erwartete Rezession hatte sich damit zunächst noch nicht eingestellt.

Die Betonung liegt dabei allerdings auf dem Wort „zunächst“, denn inzwischen stellt sich die Lage schon wieder ganz anders dar. Das gilt in einem ganz besonderen Maß für Deutschlands Schlüsselindustrie: die Automobilindustrie und ihre vielen Zulieferer. Sie erfreute sich in den letzten Monaten noch des erhöhten Auftragsbestands, der in den Jahren der Pandemie nicht vollständig hatte abgearbeitet werden können.

Aus einem Angebotsproblem wird ein Nachfrageproblem

Unterbrochene Lieferkette und fehlende Vorprodukte und Ersatzteile bestimmten auch im Jahr 2022 über lange Zeit das Bild. Inzwischen wandelt sich die Lage. Zwar arbeitet die Automobilindustrie noch immer die liegengebliebenen Aufträge aus den Vormonaten ab, doch Sorgen bereitet der Blick auf die Händler.

Auf ihren Höfen stauen sich immer mehr Fahrzeuge, denn die Nachfrage nach neuen Fahrzeugen ist so schwach wie schon lange nicht mehr. Private Käufer wie auch die Unternehmen halten sich zurück. Ein Mix aus anhaltend hoher Inflation, Krieg in der Ukraine und starker Verunsicherung lässt die privaten Käufer wie auch die Firmenkunden die Höfe der Autohändler immer seltener betreten.

Verwundern kann diese Beobachtung nicht, denn die meisten während der Corona-Lockdowns gebildeten Rücklagen wurden angesichts der massiven Inflation schon wieder verbraucht. Und selbst die Kunden, die noch über genügend Geld zum Kauf eines neuen Autos verfügen, sind total darüber verunsichert, was für ein Auto sie sich denn nun kaufen sollen.

Hält diese Entwicklung an – eine Einschätzung, die angesichts der allgemeinen Lage nicht unplausibel ist – könnten die deutschen Automobilhersteller und ihre Zulieferer schon bald vor einer handfesten Rezession stehen. Allerdings einer klassischen Rezession, die primär von einer zu schwächen Nachfrage der Konsumenten bestimmt ist.





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Von Veritatis

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