Hier ist die Frage diskutiert worden, ob die „Entwicklung unserer Medien und insbesondere des Fernsehens“ etwas mit der in der Silvesternacht aufbrechenden Gewalt zu tun haben könnte. Albrecht Müller weist u.a. auf „eine Art Urknall für die totale Fernseh- und Medien-Berieselung“ hin: Die Programmvermehrung und damit verbunden die Kommerzialisierung des Fernsehens, die 1984 durchgesetzt worden sei. Gegenwärtig würden wir „unentwegt mit der Bewunderung und Förderung militärischer Gewalt berieselt“. Die elementare Gewaltbereitschaft Berliner Jugendlicher sei „sozusagen Ausdruck und Spiegelbild des gesellschaftlichen Gesamtkunstwerks“. Danke für die zahlreichen und ausgesprochen interessanten Leserbriefe. Es folgt nun eine Auswahl. Christian Reimann hat sie zusammengestellt.


1. Leserbrief

Lieber Herr Müller,

vielen Dank für Ihren Artikel zur Gewaltverherrlichung im Fernsehen und dessen Zusammenhang mit der zurückliegenden Silvestergewalt!

Ich bin genau Ihrer Meinung und habe schon die ganze Zeit darauf gewartet, dass dieser offensichtliche Zusammenhang irgendwo in den Medien von Radio und TV zur Sprache kommt. 

Sie waren der Erste, der diese Zusammenhang beleuchtet hat… 

Militärische Hightech-Geräte werden in den Medien dargestellt wie tolles Spielzeug, mit denen z.B. den Russen endlich der Garaus gemacht werden kann. 

Tagtäglich wird davon berichtet, ohne sich dabei allerdings zu überlegen, wie eine solche Darstellung auf junge, nicht nur labile, Menschen wirkt, deren Hoffnung und Zuversicht durch Corona-Einschränkungen, durch Stress in der Familie, durch die Schule oder die Ausbildung zum großen Teil schon in Trümmern liegt…

Es ist doch sehr verständlich, wenn in dem Freiraum einer Silvesternacht sich diese, meist jungen, Menschen Luft verschaffen und über die geltenden Vorschriften hinwegsetzen und damit nach HILFE schreien?

Und wo sollte angesetzt werden, um deren Lebenssituation zu verbessern? In der Schule? Durch Gespräche? Durch Sozialarbeiter? Durch Anklagen? Ja, das könnte ein Stück weit helfen… 

Meines Erachtens sind es insbesondere aber auch die TV-Medien, die ihrer sozialen Verantwortung durch die Bilder der Kriegsverherrlichung besser gerecht werden sollten!

Danke für Ihre wichtige Fragestellung und mit guten und hoffnungsvollen Wünschen für das neue Jahr,
Rupert Schulte


2. Leserbrief

Sehr geehrte NDS Redaktion,

Ich möchte ihnen eine wichtige Ergänzung zum Artikel bieten.

Der Artikel lässt sich zusammenfassen als: Der Zusammenhang zwischen innerer und äusserer Gewalt und die Rolle die Medien darin Spielen.

Es gibt dazu ein Paradebeispiel: die USA.

Innere Gewalt: 18000 Tote pro Jahr durch Schusswaffengebrauch in den USA.

Äussere Gewalt, Dauerkrieg der USA seit tag 1 ihres entstehens.

Ich biete ihnen eine dritte Position:

Eine latent anwesende steigende Spannung in der Bevölkerung, oder Teilen davon durch die Lebenssituation wie sie sich in den letzten über 20 Jahren aufgebaut hat. Das reicht von Armut, Chancenungleichheit, Corona Lockdown, Vernachlässigung der Bevölkerung durch die Regierung, Folgen Hartz IV etc etc bis zu Ukraine Krieg.

Gewalt in den Medien ist dann nicht Ursache sondern nur der Zünder der die anwesende Spannung zur Entladung bringt.

Nicht vergessen darf man die Wirkung der Kriegspropaganda auf den Menschen der extrem zusammengefasst zu beschreiben ist als Ausschaltung jeden vernünftigen denkens.

Hier begeben wir uns allerdings auf das komplizierte Gebiet der Massenpsychologie.

Ich werfe hier mal einfach folgenden Frage  in den Raum:

Lassen sich die Silvester Ausschreitungen vergleichen mit den Ausschreitungen nach einem Fussballspiel wo eine Menschenmasse in einer Anonymsituation wie eine wild gewordene Herde zur Gewalt greift?

Mit freundlicgem Gruß
Patrick Janssens


3. Leserbrief

Sehr geehrter Herr Müller,

Sie greifen ein wichtiges Problem in der “modernen” Gesellschaft auf. Eigentlich gehört die Problematik noch allgemeiner gefasst, nämlich als Problem der Wechselwirkung zwischen Gewalt in den Medien und Gewalt im täglichen Leben.

Ich meine, dass die Wirkung der Gewalt in den Medien auf die Gesellschaft maßgeblich von der Gewalttätigkeit der Gesellschaft selbst abhängt. Es handelt sich also eigentlich um einen sich selbst verstärkenden Wirkungskreis. Gewalttätige Gesellschaften neigen dazu, Gewalt in den Medien darzustellen und in einer in sich gewalttätigen Gesellschaft verstärkt die Mediengewalt die Gewalt in der Gesellschaft.

“Unsere” Gesellschaft ist fundamental gewalttätig, insofern, als sie der großen Mehrheit ihrer Mitglieder ein einigermaßen akzeptables Leben nur erlaubt, fall diese bereit und in der Lage sind, einen wesentlichen Teil ihrer Arbeit unentgeltlich dem so genannten Arbeitgeber zu überlassen. Dabei ist es nicht gerade selten so, dass jemand zwar arbeitswillig ist, aber trotzdem keine Arbeit finden kann. Diese Personen sind dann einerseits eine Produktionsreserve und andererseits eine Warnung an die, welche Arbeit haben, wie man so sagt, sich dem Arbeitgeber nicht nur abstrakt zu unterwerfen, sondern auch die Teilnahme an politischen und gewerkschaftlichen Aktionen zu unterlassen.

Gewalt gebiert Gewalt. Dieser Kreislauf beginnt nicht in den Medien, sondern in der Gesellschaft. Wer die Gewalttätigkeit “unserer” Gesellschaft wesentlich verringern will, muss sich für eine wesentlich andere Gesellschaft einsetzen. Natürlich ist das nichts neues. Es ist aber vielleicht richtig, immer mal wieder daran zu erinnern.

Freundliche Grüße.
Roland Kaschek


4. Leserbrief

Guten Tag,

Ich freue mich, endlich mit den NachDenkSeiten Zugang zu kritischen Meinungen gefunden zu haben.

Die ZDF-Sendung mit dem so schön wendigen Panzer, von Herrn Masala als Wissenschaftler (damit will man Authentizität belegen) zur möglichst raschen Auslieferung an die Ukraine empfohlen, konnte ich nicht bis zum Ende ertragen.

Unsere jüngere Generation hat offensichtlich keine Erinnerung mehr an die Schrecken des 2. Weltkriegs und lässt sich daher leicht für Kriegspropaganda einnehmen. Das wird mit dem Begriff Gerechtigkeit und westliche Werte über die Mainstream Medien verbreitet, unterstützt mit Gewaltkrimis, Videospielen, mit eingängigen Sprüchen der Grünen wie „mit Waffen Frieden schaffen“, Westernfilme, Sciencefictionfilmen usw.

Es scheint mir auch eine Wohlstandsursache zu haben. Materielle Not spüren die Wenigsten, Langeweile und das Verlangen nach Abenteuern nimmt zu. Die einen sehen Ihre Ziele in Kriegen, die anderen in Gewalt für vermeintliche Klimaziele (siehe die letzte Generation).

Ich hoffe noch auf viele Beiträge Ihrerseits zur Aufklärung und Wahrheitsfindung in unserer Gesellschaft

Mit freundlichen Grüßen
Peter Eberhard


5. Leserbrief

Der Artikel ist schlüssig, die Ursachen liegen aber woanders. Offensichtlich ist doch, die Menschen, die da randaliert haben, gucken doch ganz bestimmt nicht ARD und ZDF! Es waren junge Menschen ohne Perspektive, teilweise mit Migrationshintergrund. Perspektivlosigkeit ist der Faktor, dazu kommt das Gefühl, nicht dazu zu gehören, nicht Teil der Gesellschaft zu sein. Ohne Aussicht, den bourgeoisen Lebensstil, den die Medien transportieren, jemals haben zu können. Auch zum Krieg haben die Unzufriedenen keine Verbindung. Krieg war einst Klebstoff für Gesellschaften, der Ukrainekonflikt heute dürfte bei diesen Menschen eher das Gefühl der Entfremdung befördern, man gehört nicht dazu. Ist mit keiner Seite identifiziert, hat kein eigenes Interesse, außer dass man weiß, wie viel Geld das alles kostet. Gewiss gibt es eine Kulturveränderung, ihr gehen Jahrzehnte des Social Engineering voraus. Mich erinnern die Szenen aber eher an Sportereignisse und Filme, Berichte aus andern Ländern, als an das traurige Krimiprogramm. Das Fernsehen zeigt das Gegenteil, Vater Staat, der alles richtet, das ist Krimi. Wir haben es nicht mit profaner Gewalt zu tun, da war Revolution, es ging gegen Staat und Ordnung.

Marco Höfer


6. Leserbrief

Lieber Herr Müller,
 
vorab ein frohes neues Jahr für Sie und die Redaktion der NDS!
 
Bezüglich Ihres o.g. Artikels sehe ich persönlich keinen unmittelbaren Zusammenhang zwischen der tagtäglich gezeigten Gewalt in (deutschen) Medien und speziell den Vorfällen von Gewalt (in Berlin) an Silvester. Warum? Die Bereitschaft, an Gewalt nicht nur zu denken, sondern diese auch auszuüben, gab es ja schon immer. Schon lange, bevor diese in den Medien “kommerzialisiert” und damit quasi “salonfähig” gemacht wurde. Sonst hätte es keine Kriege und Angriffe auf Minderheiten in früheren Zeiten gegeben, wo es noch keine Medienpräsenz wie heutzutage gab. Nein, die “Verherrlichung” von allem Militärischen via Medien ist für mich ein Indiz dafür, dem (noch kriegsmüden) Volk den (kommenden?) Krieg schmackhaft zu machen. Er kommt quasi per Medienpräsenz auf leisen Sohlen daher! Steter (Kriegs-)Tropfen unterhöhlt die (Kriegs-)Müdigkeit. Dazu passt die kürzlich auf einem privaten TV-Sender (Kabel 1 war es, glaube ich) gezeigte mehrteilige “tolle Lebenserfahrung-Serie”  bei der Truppe, sprich Bundeswehr. (Anmerkung: ich habe die Serie nicht gesehen, die Ankündigung aber in meiner TV-Zeitschrift gelesen). Nachtigall, ick hör’ dir trapsen! Propaganda durch die Hintertür, um junge Leute anzulocken, damit diese schlussendlich aus ihrer wohlstandsverwöhnten Komfortzone ausbrechen, um mit fliegenden Fahnen an die nächste (Ost-)Front zu rennen?

Das andere Thema, nämlich die Gewaltbereitschaft von (jungen) Leuten zeigt sich ja nicht nur jährlich an Silvester. Ich erinnere mich da explizit an die ausufernde Gewalt beim G20-Gipfel 2017 in Hamburg mit brennenden Autos, demolierten Supermärkten usw. Da bot sich -genau wie jetzt zu Silvester- eine reale Plattform für Krawall. Gespeist aus Langeweile, Frust, Perspektivlosigkeit und sicher spielt auch der Konsum von Gewalt verherrlichenden PC-Spielen eine nicht unwichtige Rolle. Das Gefühl der Ohnmacht, (von der Gesellschaft) nicht anerkannt zu sein und den eigenen Wert nicht “besser verkaufen” zu können als durch Gewaltbereitschaft, ist für mich der ausschlaggebende Grund für solche Exzesse. Eine Leiche zum Dessert in einem “Tatort” ist für diese Klientel “Kokolores”.
 
Beste Grüße
Claudia L.


7. Leserbrief

Sehr geehrte Damen und Herren,
 
zunächst wünsche ich Ihnen einen guten Start in das neue Jahr und für dieses einen friedlichen, gesunden und erfolgreichen Verlauf.
 
Mit Interesse habe ich gerade den Artikel von Herrn Müller gelesen. Die „Achtung“ vor Herrn Müller und seinem Text – ein wesentliches Thema meiner diesjährigen Neujahrswünsche – lässt mich an einige Bemühungen von mir erinnern.

  • Während meiner Zeit im Hauptvorstand des BITKOM habe ich u.a. Im Arbeitskreis Bildung mitgearbeitet. Im Zusammenhang mit der Frage, wie der BITKOM dort besser hineinwirken könnte, schlug ich mal vor, zusammen mit den Medien zu organisieren, dass deren Sender einmal in der Woche eine Stunde Standbild senden. Eine Stunde – damit Eltern feststellen, dass sie Kinder haben, ein Buch in die Hand nehmen, … . Kein Chance: Man war mehr interessiert, mit einigen Professoren Fördermittel abzuschöpfen.
  • Seit Anfang 2021 gehe ich mit der Idee schwanger, dass die ARD den gesamten Unterricht aller Klassenstufen entlang der Lehrpläne mit den besten dafür geeigneten Lehrern digitalisiert und in der Mediathek zur Verfügung stellt, doch mache ich ähnliche Erfahrungen wie in der NSA-Affäre. Aktuelle Erfahrungen im Zusammenhang mit der „Magdeburger Erklärung“ – einem Brandbrief Magdeburger Honoratioren im Zusammenhang mit dem Bildungsnotstand in Sachsen-Anhalt beschreibe ich in den Neujahrswünschen.

Mein Vorschlag wäre geeignet, der zunehmend sinnentleerten Vergeudung der Rundfunkbeiträge für Tittytainment entgegenzutreten, den öffentlich-rechtlichen Medien eine sinnvoll Perspektive zu geben und den Substanzwert des Innovationslands Deutschlands zu stärken.
 
Hinsichtlich der Moral verweise ich auf Johann Wolfgang von Goethe und mich – 1, 2, 3. Das bedeutet konkret, dass das im Artikel von Herrn Müller enthaltene Potential sich erst zu einem Wert entwickelt, wenn der beschriebene Tatbestand nicht einfach hingenommen wird, sondern sich in einer Folge von Schritten aus dem gedachten Raum in den realen Raum materialisiert – am Anfang steht dafür die „Achtung“. Wir müssen raus aus der konsequenzlosen Konsumierung von Informationen, weil sonst die Geschichte über uns zusammenschlägt – 1, 2.
 
Mit freundlichen Grüßen
Bernd Liske


8. Leserbrief

Sehr geehrter Herr Müller, 

so sehr ich Ihre Einschätzungen normalerweise schätze, denke ich, liegen Sie hier falsch. Die Vorkommnisse der Silvesternacht auf das TV-Programm zu schieben ist unrealistisch.

Zum einen spielt TV für junge Menschen keine Rolle mehr, sie konsumieren Internet (also YouTube, Tiktok, Netflix usw.) und zum anderen steht hier ein Elefant im Raum der leider auch von Ihnen nicht angesprochen wird. Es waren hauptsächlich Migranten und es ereignete sich in den entsprechenden Stadtteilen.

Es ist zu befürchten, dass wir ähnliche Entwicklungen bekommen wie Frankreich mit seinen Banlieues.

Indem man diesen Elefanten totschweigt, hilft man niemandem außer vielleicht der AFD und man wird nicht zu den tatsächlichen Ursachen kommen. Ich vermute, dass es hier auch nicht nur eine Ursache gibt sondern ein Gemisch aus Perspektivlosigkeit, Frustration, gesellschaftlicher Heuchelei, Ausbeutung und wirtschaftlicher Unsicherheit. Kurz, die soziale Frage spielt auch hier die Hauptrolle. 

Was Ihre Beobachtungen hinsichtlich der zunehmenden Darstellung von Gewalt im TV angeht, stimme ich Ihnen zu. Dieses Programm hat aber eine andere Zielgruppe und mit den konkreten Silvesterausschreitungen nichts zu tun. 

Mit freundlichen Grüßen 
Th. Sacher

Anmerkungen Albrecht Müller:

Zum ersten ist anzumerken, dass unter den Gewalttätern der Silvesternacht (zumindest in Berlin) auch ein hoher Anteil Einheimischer war. Es ist also nicht richtig zu behaupten, es seien „hauptsächlich“ Migranten gewesen.

Zum zweiten – und diese Anmerkung gilt auch für andere Leserbriefe: ich wollte nicht behaupten und habe nicht behauptet, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen dem Konsum gewalttätiger Fernsehsendungen und der Gewalt in der Silvesternacht gibt. Ich habe ja explizit den historischen Prozess der Kommerzialisierung und des Einzugs von noch mehr Gewalt auf unseren Bildschirmen geschildert und behauptet, das zeitige Folgen.

Den Anmerkungen zu den sonstigen Ursachen ist nichts hinzuzufügen.


9. Leserbrief

Sehr geehrter Herr Müller,
 
knapp 82 Jahre nach dem Beginn des von Anfang an von Nazideutschland geplanten Vernichtungskrieges gegen die damalige Sowjetunion, der mehr als 27 Millionen russischer Bürger das Leben kostete, verkündet Kanzler Olaf Scholz die Lieferung von Panzern an die Ukraine, auf dass sie letztlich wieder  gen Russland   rollen. Ein fatales nichts Gutes verheißendes Signal! Doch statt kritischer Berichterstattung liefern die Nachrichten-Flaggschiffe von ARD und ZDF, Tagesschau und Heute-Journal, im wahrsten Sinne des Wortes eine Verherrlichung des Kriegsgerätes und damit die Verherrlichung militärischer Gewalt! Spätestens seit der Ankündigung von Scholz dürfte Deutschland auch im völkerrechtlichen Sinne zur Kriegspartei avanciert sein mit unkalkulierbaren weitreichenden und letztlich auch unkontrollierbaren Folgen. Doch  wo bleibt, in dieser hochsensiblen Situation, das Parlament, der eigentliche Souverän des Deutschen Volkes in dieser möglicherweise über Sein oder Nicht-Sein entscheidende Frage? Und was ist mit dem Gebot aus der Präambel des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland, verkündet am 23. Mai 1949: „Im Bewußtsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen, von dem Willen beseelt, als gleichberechtigtes Glied in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen, hat sich das Deutsche Volk kraft seiner verfassungsgebenden Gewalt dieses Grundgesetz gegeben“? Ich bleibe rat- und hoffnungslos zurück. Schon einmal in der deutschen Geschichte, im Vorfeld des Ersten Weltkrieges im Sommer 1914, taumelte die Gesellschaft siegestrunken – wir sind Weihnachten wieder zu Hause – in einen Weltenbrand,  der millionenfaches Sterben, Verelendung und Zerstörung brachte. Heute wird – auf dem Rücken der Ukraine – ein Stellvertreterkrieg zwischen dem vermeintlich „wertebasierten Westen (USA/NATO )“ und Russland geführt. Regime Change, jetzt auch mit deutschen Panzern! Die politischen und medialen Akteure sind – vor unser aller Augen – mit Inbrunst – „Wir werden Russland ruinieren“, Bundesaußenministerin Annalena Baerbock – dabei, die Zukunft der Generationen unserer Kinder und Kindeskinder zu zerstören!
 
Wilfried Böckmann


10. Leserbrief

Hallo Herr Müller

Hier einige Worte zu Ihren Artikel: „Über den Zusammenhang von Silvester-Gewalt und der Verherrlichung militärischer Gewalt durch ARD, ZDF und Konsorten“

Wie entsteht das Bedürfnis, Gewalt anzuwenden?

Von Kindheit an erfahren wir, dass die Anwendung von Gewalt, sowohl in der Familie, wie in der Schule, auf dem Spielplatz  und alltäglich in der Gesellschaft, ein probates Mittel sein kann, seine Interessen durchzusetzen. Wir verinnerlichen jene Gewalt, die schon die Eltern an uns ausüben, denn jedes Gebot und jedes Verbot (gar „Bildung“ oder „Liebe“ genannt) beruht auf Gewalt, die durch die Macht der Eltern an den Kindern ausgeübt wird, auch wenn diese Gewalt nicht so offensichtlich auftritt. So entsteht, im Laufe des Erziehungsprozesses ein Aggressionspotential, das sich bei gegebener Gelegenheit, z.B. im Krieg oder bei Silvesterballerei, entlädt, ein lange in Schach gehaltener Groll gegen bestimmte Autoritäten (wie Feuerwehr und Polizei), oder gegen ein, mittels Politik und Medien, konstruiertes Feindbild (wie z.B. Putin). Die Gewaltdarstellungen in den Medien dienen dann den Gewaltanwendern als empfehlenswerte  Modelle, denen nachzueifern sich lohnt.

Herzliche Grüße H. Roehe


11. Leserbrief

Hallo Team NachDenkSeiten,,
 
in diesem Artikel von Herrn Müller…
 
Über den Zusammenhang von Silvester-Gewalt und der Verherrlichung militärischer Gewalt durch ARD, ZDF und Konsorten (nachdenkseiten.de)
 
..beschreibt er eingangs die verherrlichende Berichterstattung von ARD und ZDF zum Thema Panzerlieferungen. Was mir noch aufgefallen ist:
 
Wo sind die Stimmern der Opposition – falls es die überhaupt noch gibt?

Ehrlich meinende Vertreterinnen wären doch z. B. Sevem Dagdalen und Sahra Wagenknecht. Aber anstatt diesen von uns gewählten Abgeordneten im mit unseren Gebühren bezahltem öffentlich-rechtlichen Fernsehen Redezeit einzuräumen, bekommt diese ein von uns nicht gewählter US-Amerikanischer Thinktank:

Jana Puglierin – European Council on Foreign Relations (ecfr.eu)

Oppositionsvertreter des deutschen Parlaments bei der ARD also gleich null.

Anmerkungen: Ich beziehe mich hier ausdrücklich nicht auf die Christdemokraten, sie sind beim Thema Waffenlieferungen keine Opposition sondern im Gegenteil, Protagonisten derselben. Christen befürworten Waffenlieferungen??
 
Und beim ZDF? Ditto!!
 
Die Sorge, übrigens, von Olaf Scholz, dass die NATO als Kriegspartei wahrgenommen, werden könnte, ist berechtigt wenn auch überflüssiges Theater. Die NATO ist bereits Kriegspartei, man muss das nur endlich einmal zur Kenntnis nehmen. Wie gefährlich das wirklich ist, wurde mir beim Kramen in alten Berichten klar. So sagte der stellvertretende NATO-Generalsekretär Klaus-Peter Klaiber am 26. April 1999, dass die NATO ein neues strategisches Konzept mit neuer Ausrichtung VERABSCHIEDET hat: ..bei Krisen außerhalb des Bündnisgebietes eingreifen zu können, ob mit oder ohne Mandat der Vereinten Nationen.
 
Zur Erinnerung: Zum Zeitpunkt dieses Interview hatte die NATO das bereits  getan, was sie sich im Nachhinein selbst genehmigte. Wer will sie also heute ernsthaft daran hindern, das heute nicht wieder zu tun, wenn sie es will und nicht wenn es der UN-Sicherheitsrat mandatiert? Für mich gibt’s da nur eine Antwort: Die russischen Nuklearwaffen! Hätte Russland diese nicht, wäre es mit dieser NATO-Doktrin als souveräner Staat aus den heutigen Weltkarten bereits getilgt.
Daher: NATO – Raus aus Deutschland. Deutschland – raus aus de NATO! 
 
Mit nachdenklichen Grüßen
Peter Biebel


12. Leserbrief

Lieber Herr Müller,
 
Ihre kritische Thematisierung von Gewaltdarstellungen verschiedenster Form in unseren Fernsehprogrammen ist mehr als berechtigt. Die “Kriminalisierung” des Programmangebots, wie ich die Entwicklung mal nennen möchte, hat ein Ausmaß angenommen, das sich der von Ihnen zitierte damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt in seinen 1978 formulierten Überlegungen zu “Fernsehen und Gewalt” sicher nicht hätte träumen lassen. Im deutschen Fernsehen wird – zur besten Sendezeit – fast nur noch “ermittelt”, die entsprechenden Kommissare erlangen “Kultstatus”, und sogar an christlichen Feiertagen wollen die Öffentlich-Rechtlichen (von den Privaten kann man eh nichts anderes erwarten) nicht darauf verzichten, am Abend den “Tatort” auszustrahlen. Ich habe die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) in einem “Protestruf” auf diesen evidenten Widerspruch – morgens Kirchgang mit der Erinnerung an Christi Geburt, abends gewalttätige “Crime Time”-Unterhaltung – hingewiesen, denn immerhin sind die Kirchen in den Kontrollgremien der öffentlich-rechtlichen Sender vertreten. Doch außer ein paar wohlmeinenden Worten von Verantwortlichen ist hier nichts weiter passiert. Muss ich annehmen, dass die Kirchen es sich in Zeiten massenhafter Austritte ihrer Mitglieder mit den “Tatort”-Konsumenten nicht verderben wollen, weil man ja „schließlich mit der Zeit gehen“ und nicht als altmodisch gelten will?
 
Auch wenn die Auswirkungen medial gezeigter Gewalt auf die Gesellschaft und ihre Individuen nicht abschließend geklärt sind, scheint eine Frage sehr naheliegend zu sein: Was macht die Krimiflut mit uns? Und warum sind die (hoch bezahlten) öffentlich-rechtlichen Programm-Macher nicht in der Lage, uns ein qualitätvolles, kreativitätgeleitetes und von Verantwortung getragenes Programm zu liefern, das auf die fast tägliche Aneinanderreihung von Gewaltdarstellungen und “Ermittlungen” verzichtet? Ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung aus dem Jahr 2019, der das Thema scharfsinnig analysiert (Frank Zeller: “TV-Krimis – Der tägliche Tod”), hat dafür eine beschämende Erklärung: “Im Kampf um hohe Einschaltquoten, die sie aus unerfindlichen Gründen für ihre Existenzberechtigung halten, setzen öffentliche Sender unablässig auf die Spannungsdramaturgie der Krimiformate.“
 
Die im Zuge des Ukraine-Kriegs zunehmend feststellbare Militarisierung unserer Gesellschaft, einhergehend mit einer Verächtlichmachung des Pazifismus, zeigt sich – worauf Sie, Herr Müller, zu Recht hinweisen – auch in der TV-Berichterstattung. Plötzlich stehen Ex- und aktuelle Bundeswehrgeneräle sowie Bundeswehr-Hochschulprofessoren hoch im Kurs, bei denen man natürlich schon vorher weiß, wohin die Reise geht – was die artigen Fragen der Moderatoren auch nicht in Frage stellen. Ich kann mich nicht erinnern, an prominenten Sendeplätzen Interviews von Politologen und Friedensforschern gesehen zu haben, die sich zum Kontext des Ukraine-Kriegs und möglichen Friedenslösungen äußern. Es scheint nicht erwünscht – und der Niedergang des Journalismus im öffentlich-rechtlich Fernsehen unaufhaltsam.
 
Freundliche Grüße
Arndt Krödel


13. Leserbrief

Was Albrecht Müller über die Gewaltverherrlichung in den Medien schreibt, ist richtig. Auf jeden Fall tragen die von ihm erwähnten Beispiele zur Militarisierung der Gesellschaft bei. Ob aber die Angriffe jugendlicher Rowdies auf Polizei und Feuerwehr möglicherweise von der Gewaltdarstellung in den öffentlichen Medien beeinflusst sind, ist mehr als zweifelhaft. Eher könnten noch die sog. sozialen Medien und Videospiele dafür verantwortlich gemacht werden. Ob Gewaltdarstellungen Gewaltausübung fördern, ist in der Sozialpsychologie umstritten. Auf die richtige Spur zur Erklärung von Gewaltbereitschaft führt dagegen die Untersuchung der jeweiligen Lebensverhältnisse und der damit verbundenen Herausforderungen und Zwänge. Generell bietet die Art der Vergesellschaftung im Kapitalismus eine plausible Erklärung für die zunehmende Aggressivität und Rücksichtslosigkeit. Man kann beides schon im Alltag beobachten. Fast jeden Tag kann man in der Zeitung von Messerangriffen und anderen Attacken lesen, oft auf Unbekannte und oft ohne klares Motiv. Wer einwendet, die Erklärung mit dem Kapitalismus sei zu pauschal, früher habe es so etwas doch auch nicht gegeben, den muss man an den Faschismus erinnern, der das Gewaltpotential in der Gesellschaft nutzte und vielen einen Raum bot, ihre Aggressivität auszuleben. Aber im Übrigen waren früher Konkurrenzdenken und Ellbogengebrauch noch zivilisatorisch gezähmt. Erst als mit der neoliberalen Agenda die Politik die Kontrolle über die Ökonomie verlor, als die Marktkräfte entfesselt und soziale Sicherheiten abgebaut wurden, wuchsen Angst und Aggressivität im Alltag.

Ein spezifisches Gewaltpotential birgt die Migration im Kapitalismus. Denn das System ist nicht in der Lage, alle zu integrieren, die migriert sind, weil ihnen aufgrund ungesteuerten Strukturwandels die Erwerbsmöglichkeiten genommen wurden, weil sie unter einem neokolonialen Regime zu leiden hatten, zu Opfern militärischer Interventionen oder der Klimakrise wurden. Die Ursachen der Migration sind ebenso im System zu suchen wie das Versagen bei der gesellschaftlichen Integration der Vertriebenen. Erwerbslosigkeit aufgrund einer von außen diktierten Entwicklung in den Ländern der Peripherie ist wie Unterdrückung und Krieg systemspezifisch. Auch die Klimakrise als Folge anarchischen wirtschaftlichen Wachstums ist es. Sehen wir einmal davon ab, dass viele Geflüchtete von klein auf in ihrem Umfeld Gewalt erlebt haben und traumatisiert sind. Vor allem haben viele hier so wenig eine Perspektive wie in ihrem Herkunftsland. Denn nur einige können sich eine neue Existenz aufbauen, weil strukturelle Benachteiligung systemimmanent ist. Auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt hat nicht jeder eine Chance, und wer gemäß der herrschenden Zugehörigkeitsordnung als fremd gilt, hat geringere Chancen. Sozialwissenschaftler:innen sprechen von „strukturellem Rassismus“. In Deutschland wird dieser noch durch die extreme Selektivität des mehrgliedrigen Schulsystems verschärft. Kinder mit Migrationsgeschichte landen überdurchschnittlich häufig auf der Hauptschule, oder wie immer dieser Schulzweig heute genannt wird, wenn sie nicht gar auf eine „Förderschule“ überwiesen werden. Und mancherorts sind die Jugendlichen aus Migrantenfamilien auf der Hauptschule fast unter sich. Mit so einem Abschluss sind die beruflichen Perspektiven eher bescheiden. Nach der Berufsausbildung zum Bäcker oder zur Einzelhandelskauffrau findet man oft keinen Job oder wird schnell wieder erwerbslos. Wenn Jugendliche mit solchen Erfahrungen auch noch häufig erleben, dass sie von der Polizei als erste verdächtigt werden und schnell auf der Wache landen, dann staut sich da eine Wut auf, die sich dann bei einer rauschhaften Fete wie an Silvester entlädt. Rasch wird die Fete zur Randale. Racial Profiling mag übrigens auch bei der Festnahme der Berliner Jugendlichen mitgespielt haben, die als gewalttätig verdächtigt wurden. Daher ist das Ansinnen der Berliner CDU, die Verwaltung solle die Vornamen der auf Verdacht Festgenommenen herausrücken, nicht nur unsinnig, sondern rassistisch, weil blind für gesellschaftliche Strukturbedingungen.
 
Georg Auernheimer


14. Leserbrief

Liebe Redaktion der NachDenkenSeiten, lieber Albrecht Müller,

leider ist Gewaltbereitschaft ein in den Genen des Menschen und fast allen Säugetieren (und nicht nur dort) festgelegtes Verhaltenspotential, und die Diskussion, in wie weit dies durch gesellschaftlicher Prägung zu beeinflussen ist, war schon in meiner Jugend in den 1960iger Jahren ein Thema. Eine wirklich zufriedenstellende Antwort hat man bis heute nicht darauf gefunden. Der unter dem Link aufzurufende Artikel zeigt ganz gut, dass es nicht nur ein gesellschaftliches Problem ist, sondern dass auch sehr individuelle Einflüsse eine Rolle spielen. Nicht jeder, der einen Krimi sieht, wird zum Mörder.

Trotzdem stimme ich Ihnen ausdrücklich zu, dass gerade die frühkindliche Prägung eine große Rolle spielt. Dies wird in gewaltbereiten Gesellschaften auch ganz gezielt genutzt, um z. B. Kindersoldaten oder Märtyrer auszubilden. Und natürlich kann man psychische Prädispositionen verstârken oder abmildern. Und Gewaltdarstellungen, sei es als Berichterstattung oder aber als Unterhaltungsfilm oder Videospiel macht etwas mit den Menschen, es kann eine Sensibilisierung stattfinden, aber auch eine Abstumpfung.

Ein gutes Beispiel für eine Sensibilisierung ist meine jüngere Schwester, die 1972, im Alter von elf Jahren, die Bilder von Kim Phúc, dem Napalm Mädchen aus Vietnam, im Fernsehen gesehen hat, und die diese Bilder bis heute nicht vergessen konnte. Ich bin elf Jahre älter, war aber nicht weniger schockiert. Dies hat unter Anderem dazu geführt, dass wir, ebenso wie unser Bruder, zu ausgesprochenen Kriegsgegnern geworden sind. Ein negatives Beispiel für eine Desensibilisierung sind die Polizisten, die ich im ICE des öfteren beobachten konnte, wenn sie nach Dienstschluss von Frankfurt am Main nach Fulda gefahren sind und auf ihrem Laptop Ballermann Spiele gespielt haben. Man könnte sagen, sie haben die im Dienst unterdrückten Aggressionen schadensneutral ausgelebt, für bedenklich halten ich allerdings, dass solche Aggressionen überhaupt entstanden sind.

Eine Wirkungsvermutung kann also nicht per se ausgesprochen werden, und man kann auch nicht sagen, dass eine Vermeidung von Aggressionen generell gelingen kann. Generell kann man aber sagen, dass wir Menschen durchaus lernen können, mit unseren Aggressionen bewusst umzugehen ohne Schaden anzurichten, auch Sport kann Spannungen abbauen. Nicht umsonst sieht man ja in internationalen Sportveranstaltungen gerne einen Kriegsersatz. Leider übertragen dann die Fans oft die kriegerischen Handlungen vom Stadion auf die Straße.

Ein sehr grosses Problem sehe ich allerdings in den neuen Medien, in denen man z. B. in Videospielen massenweise Menschen fiktiv töten kann, und zwar ganz ohne reale Folgen. Und wenn man selber abgeschossen wird, startet man halt das Spiel neu! Damit wird vermittelt, dass Töten und getötet werden eigentlich nichts reales ist, die Folgen einer solchen unrealistischen Vorstellung kann man dann leider in echten Kriegen ausprobieren. Die vielen internationalen Freiwilligen in der Ukraine, die man wieder nach Hause geschickt hat, weil sie kurz vor einem Nervenzusammenbruch standen und die Truppen eher behindert haben, sprechen eine Sprache für sich. Und mit Pocoman Go findet man sich an der Front halt nicht zurecht.

Schlimm finden ich allerdings die Möchtegerne-Kämpfer hinter der Front, sei es eine Frau Strack-Zimmermann, eine Analena Baerbock oder einen Herrn Hofreiter, um nur einige Wenige zu nennen. Diese Maulhelden, die eher Sesselpfurzer als Krieger sind, schicken mit ihren rücksichtslosen und egoistischen Forderungen und ihren Kriegsverherrlichungen Zehntausende Menschen ohne Gnade und ohne Gewissen in den Tod. Natürlich nicht ihre eigenen Kinder, auch ein Hunter Biden zieht sich seine Drogen in einer sicheren Umgebung in die Nase. Diesen “Idealisten” würde ich gerne mal ein paar Wochen an der Front empfehlen, gewissermaßen als Therapie ihrer verträumten Psyche.

In diesem Sinne verbleibe ich
mit besten Grüßen
B. Schmoock


15. Leserbrief

Guten Tag Herr Müller,
 
Sie schreiben richtig, aber etwas verkürzt zum Zusammenhang von Silvester-Gewalt und der Verherrlichung militärischer Gewalt durch ARD, ZDF und Konsorten

“Die Fernsehprogramme sind heute voller Gewaltdarstellungen.”

Die milliardenschwere Kriegs-Industrie der “shooter games”, die zur aktiven Gewaltausübung animieren, hätten Sie auch noch erwähnen können.

Siehe dazu: sueddeutsche.de/digital/computerspiele-und-us-militaer-milliardenschwerer-krieg-im-wohnzimmer-1.1519435

Und weiter zur Erinnerung von vergesslichen kritischen Nachdenkern:

Nach dem 24.02.2022 wurde auf fast allen Kanälen breit und oft über das Basteln und industrielle Herstellen von “Mollis” in der Ukraine berichtet, quasi als öffentlich-rechtlich legale Bastelanleitung für jeden. Dazu 3 Beispiele in der heutigen Google-Such-Reihenfolge:

Danach kann man sich nur wundern, daß sich die Randalierer in Berlin mit Böllern und Feuerwerkraketen “begnügt” haben.
 
Zu 15. Stadtsoziologin zur Silvesternacht: „Keine Überraschung, dass es jetzt knallt“ (aus Hinweise des Tages II, 06. Januar 2023 um 15:19)

Die Aussage der “Stadtsoziologin Talja Blokland”:

“Denn Wut und Frust können entstehen, wenn ich die gleichen Ideale und Werte anstrebe wie andere Menschen, aber daran gehindert werde, sie zu realisieren. Einfaches Beispiel: große, teure Autos. Die fahren die reichsten Berliner, aber auch manche Menschen zum Beispiel in Neukölln. Dann werden doch die gleichen Werte verfolgt. Die Wut und der Frust entstehen daraus, dass Menschen keinen Zugriff auf die Ressourcen haben, die notwendig sind um ihre Idealen zu verwirklichen.”

illustriert ein Riot-Foto von mir im Anhang. [riot ist Teil von Marriott].
 
Das “Energiespar”-Foto stammt aus der Online-FAZ zu Silvester.
 
Zu Silvester und Böllerei prinzipiell

Den simplen Kalenderwechsel haben nur die zu feiern, welche von dem herrschenden System profitieren und im “Neuen Jahr” das alte System “auf ein Neues” weiterlaufen lassen, von dem sie – wie bisher – höhere Umsätze, Profite oder höheres Gehalt zu erwarten haben.

Zu feiern haben speziell jene, die an jedem anderen Tag ihr geheucheltes Mitleid mit den bekriegten Menschen aller Nationen propagieren, aber im Grunde direkt oder indirekt von Aufrüstung und Rüstungsexport in “Krisengebiete” profitieren. Die haben auch kein ethisches Problem damit, knallende Raketen und Feuerwerk abzuschiessen, während in der geographischen Nachbarschaft Menschen mit sehr zerstörerischen Raketen beballert und getötet werden.

Silvesterfeier ist nichts anderes, als ein zyklisches Feuerwerk des alltäglichen Zynismus.

Je blendender und farbenprächtiger das Feuerwerk, desto mehr prahlen die Herrschenden b.z.w. ihre gefühlt “gut bezahlten” servilen “Unteroffiziere des Kapitals” (Karl Marx) mit ihrer Fähigkeit, viel Geld für diesen gesundheitsschädlichen Unsinn verschwenden zu können, das sie buchstäblich von den Balkonen herab “aus dem Fenster” werfen, nicht nur “symbolisch”.

Es feiern die “Herrscher der Welt”, die eine Nacht lang legal ihre Mitmenschen mit Lärm und Dreck terrorisieren (ähnlich wie mit den an den Vietnamkrieg erinnernden Hubschrauber-Tiefflügen an Tagen mit den legal ganztägig verkehrsblockierenden (!) “sportlichen” Werbe-Rundläufen für solche kapitalistischen Gangster wie “J. P. Morgan” und Konsorten hier in Bankfurt).

Es gibt aber auch jene Feiernden, die sich das ganze Jahr über meist widerstandslos “einmachen” lassen und am Jahresende (Karneval nicht zu vergessen) mal “aus sich herausgehen”, um ihren Frust über das System in “symbolischen” Raketen-Angriffen auf ihre Zeitgenossen herauszulassen. Daß diese Angriffe aber nicht nur symbolisch bleiben, sondern Verletzungen, Schlaflosigkeit, schädlichste Feinstaubbelastung und Brände hervorrufen, davon zeugen die zahlreichen Einsätze von Rettungsdiensten, Feuerwehren und Polizei in der “traditionellen” Silvesternacht des blöden Aberglaubens, daß im “Neuen Jahr” alles besser werde, obwohl nur Ziffern in der Jahreszahl geändert werden.
 
B. Weber


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