Die Ukraine soll westliche Panzer für den Kampf gegen die russischen Truppen erhalten. Doch ohne langwieriges Training der Besatzung und eine funktionierende Servicekette ist das wie Perlen vor die Säue geworfen.

In wenigen Wochen ist der erste Jahrestag der russischen Invasion in die Ukraine. Ohne den steten Zustrom von Waffen – vor allem Artillerie und Luftabwehrsysteme – aus den NATO-Staaten und die Unterstützung der westlichen Geheimdienste bei der Informationsbeschaffung über die russischen Truppen wäre die Sache wohl längst schon zugunsten Moskaus entschieden. Doch trotz all der westlichen Bemühungen und taktischer Fehler der russischen Militärs zu Beginn des militärischen Konflikts liegt der militärische Vorteil weiterhin bei den Invasionstruppen.

Die ukrainische Führung erhöht deshalb auch den Druck auf die westlichen Regierungen, noch mehr Kriegsgerät zu schicken. Doch was nützt das ganze Material, wenn es den ukrainischen Truppen an einer entsprechenden Ausbildung zur Bedienung und zum Service des Geräts mangelt und die ganze Logistikkette voller Lücken ist? Dies zeigt sich nicht nur bei den fortschrittlichen “Patriot”-Luftabwehrsystemen, welche Washington den Ukrainern bereitstellen will (und wofür die Bedienmannschaften ein einjähriges Training brauchen…), sondern nun auch bei den Versprechen zur Lieferung von westlichen Kampfpanzern an die ukrainische Armee.

So haben die osteuropäischen NATO-Länder bereits ihre alten T-72 und T-55 sowjetischer Bauart der Ukraine übergeben. Die Bedienung dieser Panzer ist den ukrainischen Soldaten vertraut und auch an Ersatzteilen und Munition dafür dürfte es nicht mangeln. Doch nun sollen britische Challenger 2 und deutsche Leopard 2 (vielleicht sogar US-amerikanische M1 Abrams) an die Ukraine geliefert werden. Für Kiew ein propagandistisch wertvoller, doch in Bezug auf die Kampfkraft der ukrainischen Armee ein höchst fraglicher Schritt. Und nicht nur das: Jene Länder, die diese Panzer zur Verfügung stellen verbrennen dabei Unsummen, nur um dann mit schlechter Publicity konfrontiert zu werden. So wie beispielsweise die von der türkischen Armee in Syrien und im Irak eingesetzten schweren Leopard 2 gegen vergleichsweise leicht bewaffnete Milizen versagten und ein PR-Albtraum waren.

Doch im Gegensatz zu den gut ausgebildeten türkischen Panzerbesatzungen stehen die Ukrainer dann mit teurem Kriegsgerät da, welches sie ohne ausreichende Ausbildung gegen die russischen Truppen einsetzen sollen. Als kleine Information: Die Ausbildung für die Crew einfacher Panzer dauert bereits rund ein halbes Jahr (viele Grundwehrdiener der Bundeswehr und des Bundesheeres dürften dies wissen) und damit ist noch nicht einmal wirkliche Kampferfahrung auf dem Schlachtfeld verbunden. Hinzu kommt der Umstand, dass die Panzer sowjetischen Typs automatische Ladesysteme besitzen, während die westlichen Panzer neben Kommandeur, Fahrer und Schützen auch noch einen weiteren Soldaten zum Nachladen der Kanone brauchen. Oder anders ausgedrückt: Für drei westliche Panzer im ukrainischen Einsatz müssen vier ausgebildete ukrainische Panzercrews aufgewendet werden. Vom enormen Dieselverbrauch der schweren Panzer ganz zu schweigen.

Hinzu kommt, dass die westlichen Zulieferer nicht nur die passenden Ersatzteile vorrätig halten müssen, sondern auch noch genügend Munition. Während viele NATO-Kampfpanzer 120-mm-Granaten aus Glattrohr-Hauptkanonen abfeuern, verschiesst der britische Challenger 2 einzigartige Munition aus seiner 120-mm-Zug-Hauptkanone. Dies bedeutet, dass für die Panzer Challenger 2 und Leopard 2 zwei Versorgungsketten eingerichtet werden müssen. Sollten noch M1 Abrams geliefert werden, käme noch eine dritte hinzu.

Schlussendlich ist davon auszugehen, dass diese Panzer nicht einmal an die Front im Donbass gelangen, weil sie erst über tausend Kilometer auf Schienen transportiert werden müssten (und damit ein leichtes Ziel für russische Luftangriffe wären). Reparaturbedürftige westliche Panzer müssten zudem wieder bis in die Westukraine zurückgebracht werden, damit man sie dort (unter Mithilfe von westlichen Mechanikern) wieder kampffähig macht. Es sei an dieser Stelle erwähnt, dass die US-Armee beispielsweise auch in Deutschland zivile Mechanikercrews beschäftigt, die in die Westukraine und von da aus nach Polen entsandt werden könnten, um dort die entsprechenden Arbeiten durchzuführen.

Was also auf dem Papier interessant aussieht, ist in Wirklichkeit ein (für die NATO-Staaten) teures und im Endeffekt (für die Ukraine) auch komplett sinnloses Unterfangen. Diese Panzer werden weder kriegsentscheidend noch eine tatsächliche Hilfe für die ukrainischen Truppen sein, sondern lediglich ein weiteres Milliardengrab für jene Staaten darstellen, die diese Kriegsgeräte an die Ukraine liefern. Doch wen interessiert dies in Zeiten propagandistischer Narrative über den angeblich bevorstehenden ukrainischen Endsieg überhaupt noch? Nur eine Sache ist sicher: Je länger dieser militärische Konflikt anhält, desto mehr Menschen werden völlig sinnlos sterben.



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Von Veritatis

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