Von Kai Rebmann

Weihnachten und Geburtstage könnten für Kinder in einer nicht allzu fernen Zukunft ein noch größerer Grund zur Freude werden. Die Geschenke werden sich dann bis unter die Decke stapeln. Einziger Nachteil: Für Feste dieser Art wird künftig die örtliche Sporthalle angemietet werden müssen. Grund: Die Familie soll schon bald erstens nicht mehr so heißen und zweitens aus Kind(ern) und bis zu vier Elternteilen bestehen. Damit potenziert sich auch die Zahl der Großeltern(teile), Onkel, Tanten, Cousins und so weiter und so fort.

Anders als mit einer gewissen Portion Sarkasmus und leicht überspitzten Darstellungen kann man sich den im Koalitionsvertrag der Ampel versteckten Plänen inzwischen wohl kaum noch annähern. „Wir werden das Institut der Verantwortungsgemeinschaft einführen und damit jenseits von Liebesbeziehungen oder der Ehe zwei oder mehr volljährigen Personen ermöglichen, rechtlich füreinander Verantwortung zu übernehmen“, heißt es dort unter anderem. SPD, Grüne und FDP verkaufen das als Modernisierung des Familienrechts und wollen künftig auch „soziale Eltern“ in das „kleine Sorgerecht“ einbeziehen, das bisher zum Beispiel auf Stiefeltern anwendbar ist. Dieses will die Bundesregierung zu einem „eigenen Rechtsinstitut weiterentwickeln, das im Einvernehmen mit den rechtlichen Eltern auf bis zu zwei weitere Erwachsene übertragen werden kann.“

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Auf Kriegsfuß mit der Realität

Fast schon symbolisch für die Widersinnigkeit des Vorhabens der Ampel steht dieser Satz des Koalitionsvertrags: „Wenn ein Kind in die Ehe zweier Frauen geboren wird, sind automatisch beide rechtliche Mütter des Kindes, sofern nichts anderes vereinbart ist.“ Nun ist es zunächst völlig unerheblich, ob man die Entstehung der Welt in ihrer heute bekannten Form einem Schöpfer oder Mutter Natur und ihrer Evolution zuschreibt. Der- oder diejenige wird sich schon etwas dabei gedacht haben, dass ein Kind nicht „in die Ehe zweier Frauen (oder Männer)“ hineingeboren werden kann – zumindest nicht auf dem üblichen Weg. Und immer da, wo der Mensch sich zum Herren aller Dinge erheben will, wird es früher oder später gefährlich.

Mit Widerstand muss die Bundesregierung bei ihrer geplanten Transformation der biologischen Realitäten kaum mehr rechnen. Wer es im „besten Deutschland aller Zeiten“ noch wagt, für das klassische Familienbild aus Mann, Frau und Kind einzutreten, wird zum religiösen Spinner erklärt und macht sich damit selbst zum gesellschaftlichen Märtyrer. Und so überrascht es inzwischen kaum noch, dass das Vorhaben der Ampel offenbar selbst bei der CDU auf Gegenliebe stößt. Die den Christdemokraten nahestehende Konrad-Adenauer-Stiftung hat dazu ein Positionspapier mit dem Titel „Ein Kind, viele Eltern“ entwickelt und es den Kollegen der „Welt“ vorab zur Verfügung gestellt. Elisabeth Hoffmann, Referentin für Familie und Jugend, schreibt dazu: „Ein Fokus liegt dabei weniger auf Wohngemeinschaften Alleinerziehender oder Lebensälterer, sondern auf der rechtlichen Ausgestaltung der Verantwortungsgemeinschaft für Mehreltern-Familien im Regenbogenkontext.“

Da staunt der Laie, der Fachmann wundert sich und die LGBTQ-Blase jubiliert: Mehreltern-Familien im Regenbogenkontext. Wenn schon die Vertreter der ehemals so konservativen Konrad-Adenauer-Stiftung derartige Wortkonstellationen ersinnen, dann hat man es weit gebracht. Die Organisation aus dem Umfeld der CDU übt also den offenen Schulterschluss mit dem sogenannten „queeren Netzwerk NRW“, das zu dieser Thematik ebenfalls ein Positionspapier entworfen hat, in dem es heißt: „Mehreltern-Familien verspricht die Verantwortungsgemeinschaft eine Möglichkeit, ihre über die gemeinsame Erziehungsverantwortung hinausgehenden Verantwortlichkeiten füreinander rechtlich zu regeln.“

Es wird aber noch bunter: Zur angedachten Ausweitung des „kleinen Sorgerechts“ schreibt das Netzwerk, dieses biete „eine Perspektive für Familien, die beispielsweise aus zwei gleichgeschlechtlichen Paaren oder einem Frauenpaar und einem alleinstehenden Vater“ bestehen. Dadurch würde die soziale Elternschaft abgesichert und bestehende Ungleichheiten und Diskriminierungen beseitigt, glaubt das queere Netzwerk.

Reform des Familienrechts nur eine Zwischenstufe?

Im Zusammenhang mit den Plänen zur Transformation der Familie und der Erweiterung des „kleinen Sorgerechts“ klingt es fast wie eine Drohung, wenn die FDP-Politikerin Katrin Helling-Plahr sagt: „Der Eltern-Kind-Beziehung im Speziellen widmen wir uns dann mit einer Reform für Regenbogenfamilien.“ Auch wenn es die Familienrechtsexpertin der Liberalen nicht gerne hören wird: Die „Eltern-Kind-Beziehung“ ist etwas so Wunderbares und Einzigartiges, dass sie sich weder „reformieren“ noch politisch-ideologisch verwässern lässt. Entgegen dieser biologischen und nicht zuletzt auch emotionalen Tatsache beharrt Helling-Plahr: „Im Sinne der Kinder müssen auch längst reale mehrelternschaftliche Konstellationen endlich Rechtssicherheit bekommen.“ Es sei allerhöchste Zeit, tatsächlich gelebte Realitäten endlich auch in unserem Recht abzubilden, so die FDP-Politikerin, deren Partei an der Regierung beteiligt ist.

Dabei scheint es einmal mehr keine Rolle zu spielen, wie selten diese „tatsächlich gelebten Realitäten“ in der hiesigen Gesellschaft vorkommen. Anstatt dass sich diese Minderheiten an Recht, Ordnung und die guten Sitten halten müssen, wird das Gesetz so angepasst, dass sich damit auch die skurrilsten Lebensentwürfe legitimieren lassen. Wenn schon jetzt ganz offen über Perspektiven für Familien gesprochen wird, die aus „zwei gleichgeschlechtlichen Paaren oder einem Frauenpaar und einem alleinstehenden Vater“ bestehen, dann scheint auch der Weg zur endgültigen Abschaffung der Monogamie nicht mehr weit. Insofern steht zu befürchten, dass das, was Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) als „Zeitenwende im Familienrecht“ bezeichnet, nur ein Vorgeschmack auf gesellschaftliche Zustände ist, die wir bisher nur aus gänzlich anderen Kulturkreisen kennen.

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Kai Rebmann ist Publizist und Verleger. Er leitet einen Verlag und betreibt einen eigenen Blog.

Bild: DIE LINKE, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

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