Henrike Naumann ist eine der wichtigsten deutschen Installationskünstlerinnen, ihre Ausstellungen werden weltweit gefeiert. In ihrer Kunst verarbeitet die gebürtige Zwickauerin auch ihre sächsischen “Baseballschlägerjahre”.

“Etwas Kultur muss sein”.

Sage mir, worauf du sitzt, und sie sagt dir, wie du tickst! Mehr noch: Henrike Naumann seziert ganze Gesellschaften, indem sie im Sperrmüll wühlt. Oder auf Ebay zum Shoppen unterwegs ist. Und dann baut sie einen Stuhlkreis, baut ganze Wohnungen und schaut zu, was die Besucherinnen und Besucher ihrer Ausstellungen damit anfangen.

Als Installationskünstlerin ist die 1984 geborene Naumann, die in den 90ern in Zwickau ihr Abitur machte, mittlerweile sehr gefragt. Auch, weil sie immer wieder in die “Baseballschlägerjahre” hineinleuchtet – jene Nachwende-Zeit, die im Osten und damit in die ganzen Bundesrepublik so tiefe Spuren grub. Ihre Heimat, der sie schon früh ein Neonaziproblem attestierte, verließ Naumann erst gen Dresden – später studierte sie an der Hochschule für Film und Fernsehen Potsdam-Babelsberg. In Berlin baute sie sich nach ihrem Studium eine Reputation als Bildende Künstlerin und als Filmschaffende auf.Henrike

Naumann hat viel zu erzählen in der neuen Folge des Podcasts “Etwas Kultur muss sein”. Wie Möbel ihr dabei helfen, Menschen einen Spiegel vorzuhalten. Oder wie die Zeichentrickserie “Familie Feuerstein” sie auf die Idee gebracht hat, sich mit dem Kapitalismus auseinanderzusetzen. Es ist auch ein politisches Gespräch, Donald Trump als politischer Einheizer ist ebenso ein Thema wie die berüchtigte Hufeisen-Theorie, die Naumann nachgebaut hat – mit abgelegten Stühlen.

Derzeit taucht die Künstlerin an vielen Orten auf. Gerade hat ihr der Deutschlandfunk eine Folge seines Interviewformats “Zwischentöne” gewidmet. Am Freitag wird im Museum für moderne Kunst in Frankfurt (Main) eine Schau eröffnet, an der sie ihren Anteil hat. Noch in Erinnerung ist ihre erste große Einzelausstellung in New York, die im Februar zu Ende gegangen ist, und die sie “Re-Education” genannt hat: “Umerziehung”. Nichts Leichtverdauliches fürs US-Publikum, aber das war wohl gewünscht mit der Einladung zur Installation im Sculpture-Center ausgerechnet an sie.

Nationalismus, Kapitalismus, aber auch Auseinandersetzung mit dem Ableben der DDR und dem Anpassen an den Westen – das sind ihre Themen, die längst nicht durchgespielt sind. Sie liegen mitunter schwer im Magen, deswegen streut Naumann immer wieder auch Humor ein. Und hin und wieder verleitet sie ihr Publikum dazu, in Nostalgie zu versinken: Denn manch ein Möbel in ihrer Kunst mag im eigenen Jugendzimmer gestanden haben. Irgendwann hat man sich davon gelöst. Aber es bleibt Teil der eigenen Geschichte.

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Von Veritatis

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