Yascha Mounk hat sich mir vor allem durch eine Aussage in den Tagesthemen vom 20.2.2018 eingeprägt. Da ging es um die Bekämpfung der „bösen“ Populisten und die vermeintliche Rettung der Demokratie. Wobei Mounk selbstverständlich an vorderster Front mitkämpfen wollte. Die unvermeidliche Caren Miosga fragte den Politikwissenschaftler vor der Kamera: „Warum ist das Grundvertrauen in die etablierte Politik zurückgegangen?“

Mounk nannte drei Gründe. Einer davon blieb bei mir hängen: Wir wagen hier „ein historisch einzigartiges Experiment, und zwar eine monoethnische, monokulturelle Demokratie in eine multiethnische zu verwandeln, das kann klappen, es wird glaube ich auch klappen, aber dabei kommt es natürlich auch zu vielen Verwerfungen.“ (Anzusehen hier).

Man könnte das entwaffnende Ehrlichkeit nennen. Sieht man sich allerdings den rot-grünen Mounk genauer an, kommt man eher zu dem Schluss, dass es sich um ideologische Verbohrtheit handelt, die er hier für einen kurzen, unkontrollierten Moment allzu offen aussprach. Während die meisten seiner Mitkämpfer im Kultur-Kampf ihre wahren Absichten besser tarnen und durch die Blumen sprechen.

Wurde der Deutsch-Amerikaner Mounk bei Miosga damals noch als Politikwissenschaftler bezeichnet, so ist er inzwischen in die Führung des Zentralorgans von Rot-Grün-Woke in Deutschland aufgestiegen. Sozusagen in das Olymp der Bessermenschen. Er ist einer von fünf Herausgeberen der Wochenzeitung „Die Zeit“. Wo sich nicht nur viele Mitarbeiter, sondern auch viele Leser für moralisch überlegen halten.

Und jetzt das. Yascha Mounk wird quasi Opfer der Methoden, die seine politischen Genossen sonst so gerne gegen andere anwenden: der Vorverurteilung. Die US-Journalistin Celeste Marcus, leitende Redakteurin des Kultur- und Politikmagazins „Liberties“, beschuldigt ihn der Vergewaltigung.

Zunächst beschrieb Celeste Marcus den angeblichen sexuellen Übergriff in einem Artikel für ihr eigenes Blatt, ohne einen Namen zu nennen, wie der „Spiegel“ berichtet: „Später führte sie die Anschuldigungen in E-Mails aus und nannte Mounk als mutmaßlichen Täter.“

Mounk selbst bestreitet dem „Spiegel“ zufolge eine Vergewaltigung energisch. „Ich bin mir der schrecklichen Anschuldigung gegen mich bewusst. Sie ist kategorisch unwahr“, so der Autor – der auf die Vorwürfe dabei nicht näher einging.

Mounk lässt nun seinen Posten als einer der fünf Herausgeber der „Zeit“ ruhen. Unfreiwillig „freiwillig“, wie man wohl annehmen darf. Auch das Magazin „The Atlantic“, für das Mounk bisher regelmäßig schrieb, hat die Zusammenarbeit mit ihm unterbrochen

Celeste Marcus hatte schon am 7. Januar die Chefredaktion des „Atlantics“ per Mail gewarnt: „Sie haben einen Vergewaltiger unter den Mitarbeitern Ihrer illustren Publikation.“ Und weiter: „Er vergewaltigte mich in meiner Wohnung nach Mitternacht am 25. Juni 2021. Glauben Sie mir, das ist keine wilde oder böswillige Behauptung.“

Der Chefredakteur habe ihr daraufhin sein Mitgefühl ausgesprochen und versprochen, „die Anschuldigung sehr ernst“ zu nehmen. Und nichts getan. Leider typisch für so viele, die sich für moralisch überlegen halten. Weil wochenlang Schweigen herrschte, veröffentliche Celeste Marcus am vergangenen Wochenende den Briefwechsel.

Für die „Zeit“ und ihr Selbstverständnis ist das ein Schock.

Als Mounk 2023 in den fünfköpfigen Herausgeberrat der „Zeit“ aufrückte, war Verleger Stefan von Holtzbrinck noch begeistert. Er schrieb über die Berufung des deutsch-amerikanischen Intellektuellen begeistert: Man freue sich, einen „Vordenker von internationalem Renommée“ gewonnen zu haben, so der „Spiegel“.

Besonders pikant: Mounk kam in den Herausgeberrat als Nachfolger von Josef Joffe. Der hatte schon 2022 wie jetzt Mounk sein Amt ruhend gestellt – nachdem bekannt wurde, dass er im Januar 2017 einen mit ihm befreundeten Bankier vor den Recherchen der eigenen Zeitung gewarnt hatte.

Die jetzige Causa Mounk zeigt, dass die Unschuldsvermutung in den Kreisen rot-grüner Bessermenschen nicht mehr zählt. Niemand kann sich anmaßen, zu beurteilen, ob die Vorwürfe von Celeste Marcus begründet sind oder nicht, wie etwa im Falle Kachelmann. Da handelte es sich bei den Vergewaltigungsvorwürfen um eine Erfindung, offenbar aus Rache.

Dass Mounk nun Opfer der Vorverurteilungs-Hysterie wird, die seine eigenen Gesinnungsgenossen schüren, ist geradezu tragikomisch. Und in diesem Fall hält sich mein Mitgefühl für den Fall, dass die Vorwürfe nicht zutreffen, in Grenzen. Weil er selbst einer derjenigen ist, die diese Entwicklung befördert haben.

Sollte aber Mounk tatsächlich Täter sein, wäre es nicht der erste Fall, in dem jemand, der nach außen hin als moralisch überlegen auftritt, damit nur eigene Abgründe verschleiert.

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Von Veritatis

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