Offener Vollzug.

Wir müssen die Idee totaler Institution überdenken, die Grenze zwischen Irrenhaus und Außenwelt neu ziehen.

Die Forschung zu “Irrenhäusern” fängt für viele Autoren mit dem Buch “Asylums” an, das Erving Goffman 1961 veröffentlicht hat. Es ist eines, wenn nicht das erste Buch, in dem Irrenhäuser aus Sicht der Insassen beschrieben werden, und zwar als totale Institution, in die man erstaunlich einfach gelangen kann, aus der man aber nur mit erheblichen Schwierigkeiten wieder entkommt.

Als totale Institution hat Goffman Irrenhäuser als undurchlässig beschrieben. Was in ihnen vorgeht, ist vor der Außenwelt verborgen, diejenigen, die die geschlossene Anstalt bewohnen, sind von der Außenwelt abgeschirmt, sie sind auf Gedeih und Verderb den Prozessen und Abläufen und den Personen, die sie im Irrenhaus durchsetzen, ausgeliefert.

Alan Quirk, Paul Lelliott und Clive Seale haben mit dieser Sicht auf Irrenhäuser gebrochen und die Anstalten als deutlich offener beschrieben, als sie von Goffman dargestellt wurden, denn der Außenkontakt sei Anstaltsinsassen möglich, Außenseitern sei der Zugang möglich, es gebe keine Informationsbarriere, die die Insassen der Anstalt von der Realität der Außenwelt abschirme und einige andere Eigenschaften, die Goffman noch als konstituierend für die totale Institution beschrieben hat, seien entfallen – dessen ungeachtet sei die Institution weiterhin eine Totale Institution.:

Quirk, Alan, Paul Lelliott, and Clive Seale (2006). The permeable institution: an ethnographic study of three acute psychiatric wards in London.” Social science & medicine 63(8): 2105-2117.

Richtet man den Blick auf diejenigen, die in Irrenhäusern ein Dasein fristen, dann gibt es eine Vielzahl von Studien, vornehmlich im Kontext der Ethnomethodologie durchgeführt, die zeigen, dass die Insassen oft alles andere als “irre” im alltagsveständlichen Sinne sind. Sie sind sehr wohl in der Lage, ihre Welt rational aufzubauen, ihre von der Normalität abweichenden Vorstellungen rational auf Prämissen und Annahmen zu begründen. Indes, diese Prämissen und Annahmen sind es, die die Abweichung von der Normalität darstellen. Sie sind irre. Sie resultieren zumeist aus einer Pathologie oder einer absurden Überzeugung, wie sie z.B. ein Insasse, von dem Harold Garfinkel berichtet hat, in seiner Überzeugung, vom CIA verfolgt zu werden.

An sich ist die Idee, vom CIA verfolgt zu werden, wohl nicht immer unfundiert, aber im Fall des Garfinkelschen Studienobjektes, das so überhaupt nichts hatte, was ihn für den CIA interessant machen könnte, war es so, sie war unfundiert.

Die lange Vorrede gilt der Feststellung, dass

1) die Grenzen zwischen Außenwelt und Irrenanstalt fließend sind;
2) Irre in der Lage sind, rationale Gedankengänge zu formulieren;
3) sich diese Gedankengänge nur dadurch von normalen Gedankengängen unterscheiden, dass sie auf einer abstrusen, einer absurden Prämisse basieren, ihren Ausgangspunkt im Unnormalen nehmen;

Wechseln wir die Baustelle und kommen wir zu Jürgen Hardt, CDU-Abgeordneter im Deutschen Bundestag, dem der Abschluss des WHO-Pandemieabkommens eine Herzenssache zu sein scheint:

Verbatim:

“„Es gibt ein großes Missverständnis, auch in den Köpfen mancher Skeptiker der Corona-Politik, die glauben, die Regeln hätten die Freiheit eingeschränkt.

Ich möchte feststellen: Das Virus und seine tödliche Ansteckungsgefahr hat die Freiheit eingeschränkt.
Und die Regeln, die wir gemacht haben, waren dazu da, die Einschränkungen der Freiheit durch diese Pandemie möglichst zu minimieren, geringer zu machen und die größte Einschränkung der Freiheit ist, wenn man an einem Virus stirbt und deswegen war der Gesundheitsschutz, der Schutz vor schwerwiegender Erkrankung und Tod im Vorrang…“

Es kommt selten vor, dass jemand so freimütig von sich behauptet, über keinerlei freien Willen zu verfügen und in allem, was er getan hat, von einem Virus gesteuert worden zu sein. Es erinnert sehr an unappetitliche Verteidigungen, die darin bestanden zu behaupten, man habe lediglich Befehle ausgeführt. Ein Ausweg aus der Verantwortung für kleine Lichter oder diejenigen, die sich davonstehlen wollen.

Es kommt ebenso selten vor, dass jemand ganz offen demonstriert, wie er sich selbst um die Verantwortung und vermutlich auch um den Verstand redet, weil er, gleich den oben beschriebenen Irren, in Analogie, nicht in Diagnose, noch nicht, von einer absurden und zu keinem Zeitpunkt korrekten Prämisse eines Virus ausgeht, das sich durch eine “tödliche Ansteckungsgefahr” ausgezeichnet habe [Welch’ unsinnige Formulierung: “tödliche Ansteckungsgefahr” …]. Selbst ein CDU-Abgeordneter im Deutschen Bundestag sollte schon einmal davon gehört haben, dass SARS-CoV-2 mit einer Überlebensgarantie von 99,8% kommt, nicht unbedingt das, was man von einem tödlichen Virus erwarten würde. Zudem war schon im März 2020 klar, dass SARS-CoV-2 nur bei BESTIMMTEN Personen überhaupt zu einer schweren COVID-19 Erkrankung führen wird, etwa so, wie dies ein ganz normaler Schnupfen tut.

SciFi-Support

Liebe Leser,




Was, wenn Sie eines Tages ScienceFiles aufrufen, und eine leere Seite vorfinden?

Wie wichtig ist Ihnen ScienceFiles?

Letztes Jahr sind wir in eine prekäre Finanzierungssituation geraten.

Helfen Sie uns dabei, diese Situation im laufenden Jahr zu vermeiden.


Damit Sie nicht eines Tages eine leere Seite vorfinden.


Herzlichen Dank!

Ihre ScienceFiles-Redaktion

Es gibt drei Möglichkeiten, uns zu unterstützen:

Weitere Informationen finden Sie hier:

ScienceFiles-Unterstützung

Nochmals unseren herzlichen Dank!

 

Aber natürlich bewegen wir uns nicht im Rahmen der Normalität. Es handelt sich wohl eher um eine Art “offenen Vollzug”, in dem man nicht nur behaupten kann, die Regeln der Gängelung und des Zwangs, mit dem Mitbürger gefügig gemacht werden sollten, zu deren Durchsetzung man begeistert im Bundestag den Arm gehoben hat, seien gar nicht von einem selbst zu verantworten, sondern vom Virus, das offenkundig den Arm von Herrn Hardt geführt hat und – schlimmer noch – dass die Regeln, die Menschen eingesperrt, ihnen die Lebensfreude genommen und die Biographie zerstört haben, Regeln waren, die ihnen “größtmögliche Freiheit” garantiert haben.

Wenn man Sie also zwingt, etwas zu tun, Sie einsperrt, damit Sie anderes nicht mehr tun, dann dienen diese Formen des Freiheitsentzugs nicht dem Freiheitsentzug, sondern der Garantie von Freiheit, denn eigentlich sind Sie gar nicht eingesperrt und Sie werden auch zu nichts gezwungen. Nur der Herr Hardt und die anderen, die wurden in ihrer vollumfänglichen Ahnungslosigkeit von einem Virus dazu gezwungen, Zwangsmaßnahmen und Gängelung für andere zu beschließen. Insofern müssen wir differenzieren: Es gibt einen erheblichen Unterschied zu dem von Harold Garfinkel beschriebenenen Insassen einer psychiatrischen Anstalt: Garfinkels “Irrer” war zum rationalen Denken ausgehend von einer absurden Prämisse fähig.

Freie, souveräne Menschen nach Hardt, die Maßnahmen zur Bewahrung ihrer Freiheit und Souveränität unterzogen wurden.

Hardt geht von einer absurden These (tödliches Virus) aus, weist diesem Virus Gewalt über seine, Hardts Entscheidungen zu und behauptet zudem etwas, sei es selbst und sein Gegenteil.

Wie man diesen Zustand nennt?
Wir wissen es nicht.
In jedem Fall muss jedoch die Grenze zwischen Irrenhaus und Außenwelt neu definiert werden.

Sie sind nicht überzeugt?

Nun, der oben aufgezeigte Mangel an Denkfähigkeit, der den Beeinträchtigten denken lässt, etwas sei etwas und sein Gegenteil, ist kein Einzelfall. Er hat System, so dass man davon ausgehen muss, dass diese Art, die Welt verzerrt, wenn überhaupt wahrzunehmen, die Normalität in den Zirkeln ist, in denen sich Jürgen Hardt aufhält:

„Aber wir erleben doch in dieser Welt, dass nationale Souveränität an vielen Punkten gar nicht mehr das wert ist, was wir den Bürgern vorgaukeln, dass sie wäre. Wenn wir nationale Souveränität gegen ein solches Virus betreiben und sagen, wir machen nur unser Ding, wir verzichten darauf, Daten und Erfahrungen auszutauschen, und wir verzichten darauf, uns abzustimmen, dann würden wir unsere Bürger deutlich schlechter schützen können, … also die Übertragung von Souveränität … ist nicht per se antidemokratisch und antifreiheitlich, sondern sie kann ein kluges Instrument sein, die Souveränität Deutschlands in dieser Welt zu bewahren.   “

Es gibt einiges, was man an diesem Absatz auseinander nehmen könnte. Und natürlich drängt sich der Vergleich mit dem schwedischen Sonderweg, der den Schweden das Leid, das Leute wie Hardt im Einklang mit der WHO für Deutsche bestimmt haben, erspart hat, auf. Beschränken wir uns darauf, festzustellen, dass Hardt offen zugibt, dass er und seine Clique die Bürger, die sie vorgeben, zu vertreten, BELÜGEN, ihnen “Souveränität vorgaukeln”, wo es keine gibt und auf den Hinweis, dass man dann, wenn man Souveränität abgegeben hat, ergo nicht mehr eigenständig und aus eigenem Willen heraus handeln kann, sondern dem Willen und der Handlungsentscheidung anderer unterworfen ist, keine Souveränität mehr hat, keine Souveränität, die man bewahren könnte, denn man hat sich dem Willen anderer unterworfen.

Damit Jürgen Hardt dies begreift, schlagen wir vor, wir erzählen ihm, er erhalte eine qualitative Gehaltsaufwertung dadurch, dass sein Gehalt ihm nun entzogen und von uns verwaltet wird. Das ist ware Freiheit vom Konsumzwang. Wir geben ihm vor, was er wie mit seinem Geld tun kann, kaufen kann, und vor allem: was er nicht kaufen kann. Es gibt natürlich ein Vorbild für das, was wir hier vorschlagen: Die gerichtlich angeordnete Betreuung, eine Entmündigung dessen, der ihr unterstellt wird. Aber für Leute wie Hardt stellt diese Form der Entmündigung natürlich einen Zugewinn an Selbstbestimmung und die Bewahrung von Autonomie, Handlungsautonomie dar.

Wir sagen ja: wir müssen die Grenze zwischen Irrenhaus und Außenwelt neu definieren.


Featured Image:

via GIPHY

Folgen Sie uns auf Telegram.


Anregungen, Hinweise, Kontakt? -> Redaktion @ Sciencefiles.org


Wenn Ihnen gefällt, was Sie bei uns lesen, dann bitten wir Sie, uns zu unterstützen.
ScienceFiles lebt weitgehend von Spenden.
Helfen Sie uns, ScienceFiles auf eine solide finanzielle Basis zu stellen.


Wir haben drei sichere Spendenmöglichkeiten:

Donorbox

Unterstützen Sie ScienceFiles


Unsere eigene ScienceFiles-Spendenfunktion

Zum Spenden einfach klicken

Unser Spendenkonto bei Halifax:


ScienceFiles Spendenkonto:
HALIFAX (Konto-Inhaber: Michael Klein):

  • IBAN: GB15 HLFX 1100 3311 0902 67
  • BIC: HLFXGB21B24

Print Friendly, PDF & Email






Source link

Von Veritatis

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert