Seit einem Jahr knackt jeder Monat die 1,5-Grad-Marke: Nach Erhebungen von Copenicus, dem Erdüberwachungsdienst der EU, lag die Temperatur beispielsweise im Juni dieses Jahres 1,57 Grad über jener Durchschnittstemperatur, die in der vorindustriellen Referenzperiode gemessen wurde. Besonders heiß war es im Mittelmeerraum, in Indien und Saudi-Arabien, wo Temperaturen über 50 Grad gemessen wurden – mindestens 1.300 Menschen starben den Hitzetod. Jeder einzelne der vergangenen 13 Monate lieferte einen neuen Temperaturrekord: Insgesamt lag die globale Temperatur seit Juli 2023 den Copernicus-Daten zufolge 1,64 Grad über dem Durchschnitt der Jahre 1850 bis 1900.

Die Weltklimadiplomatie hatte auf ihrem Gipfel 2015 in Paris beschlossen, „den Temperaturanstieg auf 1,5 °C über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen“. Die Klimadiplomaten begründeten dies als Notwendigkeit, „da erkannt wurde, dass dies die Risiken und Auswirkungen der Klimaänderungen erheblich verringern würde“, wie es im Paragrafen 2 des Paris-Abkommen heißt.

Es geht dabei um die sogenannten Kippelemente: Systeme im Weltklima, die oberhalb von zwei Grad instabil werden und den Klimawandel weiter anheizen. Beispielsweise lagern im permanent gefrorenen Boden – ein Viertel der Nordhalbkugel ist von diesem Permafrost bedeckt – doppelt so viele Treibhausgase, wie sich derzeit in der Atmosphäre befinden. Taut der Boden auf, verselbständigt sich die Aufheizung der Atmosphäre. Die Wissenschaft kann aber nur zu 70 Prozent garantieren, dass diese Kippsysteme bis zwei Grad zusätzlich stabil bleiben, weshalb vor allem die kleinen Inselstaaten in den Verhandlungen auf dieses 1,5-Grad-Ziel drängten.

Deutsche Bank unter Top 30

Es wäre also sinnvoll, aus den fossilen Geschäften auszusteigen. Doch das Gegenteil ist der Fall, wie ein Report von Klimaschützern zeigt, der an diesem Dienstag veröffentlicht wurde: Demnach haben institutionelle Anleger ihre weltweiten Investitionen zur Ausbeutung von Öl- und Gaslagerstätten seit 2021 um mehr als 30 Prozent erhöht. Für den Report werteten 18 Partnerorganisationen im Mai die Finanzdaten von mehr als 7.500 institutionellen Investoren weltweit aus. Herausgekommen ist die gewaltige Summe von 4,3 Billionen US-Dollar (3,97 Billionen Euro): So viel Geld legten die Investoren in Anleihen und Aktien von Konzernen an, die ein fossiles Geschäftsmodell verfolgen.

Es geht um Banken, Hedgefonds, Vermögensverwalter oder Pensionsfonds: Wenig überraschend kommen die meisten Mittel aus den Vereinigten Staaten. 2,8 Billionen Dollar – und damit fast zwei Drittel – investierten die US-Amerikaner. Kanada folgt mit 254 Milliarden, Japan mit 168 Milliarden, aus Großbritannien stammen 152 Milliarden. Deutsche Anleger steuerten 70 Milliarden bei – und liegen damit auf Platz zehn.

Nach Darstellung von Urgewalt, eine an der Finanzrecherche beteiligten Organisationen, befeuert in Deutschland am stärksten die Deutsche Bank die Klimakatastrophe. Über ihrer Investment-Tochter DWS kaufte sie für 22,9 Milliarden US-Dollar fossile Aktien und für 1,9 Milliarden fossile Anleihen. Damit gehört die Deutsche Bank zu den 30 größten fossilen Investoren weltweit. Wenig besser ist der Versicherungskonzern Allianz, der doch eigentlich unter dem Klimawandel immer stärker leidet: Über ihre Investment-Töchter PIMCO und Allianz Global Investors (AGI) investierte die Allianz etwas über 20 Milliarden. Auch die Deka Group und die DZ Bank tauchen mit ihrem Vermögensverwalter Union Investment im Bericht auf.

Ausstieg ist beschlossen – mit vielen Schlupflöchern

„Fossile Renditen sind offenbar attraktiver als der Reputationsgewinn, den sie durch einen schnellen Ausschluss von fossilen Konzernen erreichen könnten“, urteilt Julia Dubslaff von Urgewalt. Denn auf dem Heimatmarkt werben viele Investoren für die eigenen Anstrengungen beim Klimaschutz. „Deutsche Bank untermauert Netto-Null-Ziel mit weiteren Maßnahmen“, hieß es beispielsweise vor Jahresfrist in einer Meldung. Allerdings ist dort explizit das US-Geschäft ausgeklammert: „ohne DWS“, heißt es da. Expertin Dubslaff warnt, dass diese Investitionen hoch risikobehaftet sein könnten. „Kurzfristige fossile Renditen stehen auf tönernen Füßen, weil es nur eine Frage der Zeit ist, bis die fossile Blase platzt.“

Tatsächlich hatten die Klimadiplomaten auf der vergangenen UN-Klimakonferenz 2023 in Dubai neuerlich einen Ausstieg aus Kohle, Öl und Erdgas verhandelt. Und sich sogar darauf geeinigt. Umweltschützer prangern allerdings die vielen Schlupflöcher an, die den Ausstieg wenig glaubhaft erscheinen lassen. Auch die Industriestaaten der G7 hatten im April einen Kohleausstieg bis 2035 beschlossen. Die deutschen Konzerne wollen aber bis 2038 weiter Baggern dürfen.



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Von Veritatis

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