Mit dem Ausbruch des Irankrieges im Frühjahr 2026 kollabierte das Kartenhaus der chinesischen Energieplanung. Die Schließung der Straße von Hormus, durch die fast ein Drittel des weltweiten Seehandels mit Öl fließt, durch den Iran war ein Ereignis, das Beijings Strategen einen dicken Strich durch die Rechnung machte.

Sie traf China härter als jede westliche Sanktion es hätte tun können, denn plötzlich war nicht nur der „Iran-Rabatt“ über Nacht hinfällig, sondern auch die physische Verfügbarkeit des Rohstoffs selbst steht seitdem massiv infrage. Während die USA zwar ebenfalls unter höheren Ölpreisen leiden, aber sich immer noch selbst versorgen können, steht China gleich an zwei Stellen massiv unter Druck: die Preise steigen und die Lieferkettenproblematik ist mit aller Gewalt zurück.

Die unmittelbare Folge war ein massiver Kostendruck, der sich wie eine Schockwelle durch die gesamte chinesische Wirtschaftsstruktur fraß. Wenn die Energiekosten eines Industriebetriebs von heute auf morgen um 150 Prozent steigen, bricht das Geschäftsmodell sofort in sich zusammen.

China, das sich jahrelang auf billige Importe verlassen hatte, musste seine strategischen Reserven anzapfen, um die Situation für seine Unternehmen ein wenig zu entspannen. Doch Reserven sind endlich, und der Zwang, Öl auf dem Weltmarkt zu astronomischen Preisen nachzukaufen – diesmal ohne Rabatt und oft gegen knappe Devisen –, setzte den Yuan sofort massiv unter Druck.

Die Folgen für die chinesische Wirtschaft sind dramatisch

Die Folgen für die Industrie sind verheerend. Kleine und mittelständische Unternehmen, die oft mit minimalen Margen arbeiteten, sahen sich gezwungen, die Produktion einzustellen. Die staatseigenen Betriebe (SOEs) konnten zwar durch Subventionen gestützt werden, doch dies belastete den Staatshaushalt in einem Maße, das andere wichtige Projekte der Regierung, wie beispielsweise den Ausbau der Halbleiterindustrie oder das soziale Sicherungsnetz, gefährdete.

Darüber hinaus lösten die hohen Energiepreise eine interne Inflationsspirale aus. Die Transportkosten innerhalb Chinas stiegen rapide an, was die Preise für Lebensmittel und die Güter des täglichen Bedarfs in die Höhe trieb. Die Führung in Peking steht nun vor einem Dilemma: Entweder sie lässt die Preise steigen und riskiert soziale Unruhen, oder sie subventioniert die Energie weiter und riskiert damit den Staatsbankrott.

Der Krieg im Iran hat gezeigt, dass die Festungswirtschaft eine Achillesferse hat: Sie ist nur so stark wie die Lieferwege, die sie versorgen. Die Transformation von Energie als billigem Massengut hin zu einem teuren Luxusgut markiert den Wendepunkt der chinesischen Wachstumsgeschichte.

 





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