Jens Berger berichtet hier über ein viereinhalbstündiges Gespräch zwischen dem Podcaster Benjamin Berndt und dem AfD-Politiker Björn Höcke vor laufender Kamera. Es sei nicht wirklich um politische Inhalte und konkrete Forderungen Höckes oder der AfD gegangen. Man müsse Höcke und noch viel mehr seine Forderungen nicht mögen. Aber man sollte dem Mann doch zumindest zuhören und versuchen, zu verstehen, was ihn antreibe. Im „zeitgenössischen Haltungsjournalismus“ sei diese Sichtweise jedoch offenbar verpönt. Abschließend wird gefordert: „Ja, wir müssen nicht nur lernen, zuzuhören, sondern auch wieder miteinander zu sprechen – auf Augenhöhe und ohne Schaum vorm Mund.“ Abgedruckte Leserbriefe geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Kürzungen aus redaktionellen Gründen bleiben vorbehalten. Wir danken für die interessanten Leserbriefe, die wir dazu von unseren Lesern bekommen haben. Die nun folgende Auswahl hat Christian Reimann für Sie zusammengestellt.
1. Leserbrief
Sehr geehrte Nachdenkseiten, lieber Herr Berger,
ausgezeichneter Artikel! Es ist exakt diese Herangehensweise, die in einer echten Demokratie gelebt werden sollte.
Im Detail ist mir aber aufgefallen, dass „wir“ Andersdenkende von unserer Position überzeugen wollen (Schlußsatz im ersten und vorletzten Absatz). Warum eigentlich? Woher wissen wir, dass „unser“ Standpunkt der Richtige ist? Sollten solche Diskurse nicht auch die Möglichkeit beinhalten, dass „wir“ von einer uns momentan abstrus erscheinenden Weltsicht überzeugt werden? Würde das nicht echte Demokratie ausmachen?
Freundliche Grüße, und weiter so, Wolfgang Blendinger
2. Leserbrief
Hallo,
Benjamin Berndt öffnet in seinem Podcast einen wichtigen Raum, der dem Zuhörer ermöglicht, sich tatsächlich zu informieren und sich daraufhin ein eigenes Bild zu machen.
Genau das ist den Mainstream-Medien völlig abhanden gekommen, schlimmer noch : Der Mainstream propagiert, das Ignoranz eine Tugend ist.
Gruß
T. Rath
3. Leserbrief
Liebe NDS, Jens Berger
Aber sicher. Ich kann Ihnen nur beipflichten in vielen Punkten. Wir müssen wieder lernen, einfach nur zuzuhören und versuchen, einander besser zu verstehen, anstatt zu verurteilen. Das Verhalten vieler Menschen diesbezüglich, besonders so mancher Jugendlicher und den Medien ist dagegen schon infantil zu nennen. Ich habe das Interview mit Höcke nur in wenigen kurzen Ausschnitten gesehen und kenne auch Auszüge von Herrn Höcke aus früheren Interviews. Ich muss sagen: In vielen Punkten hat Höcke schlicht recht – auch wenn mich das jetzt vielleicht bei vielen Lesern Punkte kostet. Ist mir sch-egal!
Ob nun Björn Höcke “deutsch-tümelnd” oder national anklingt? Was ist denn mit unserem Highland-Bundeskanzler aus dem Siegerland-Gebirge und seiner nationalistischen, schon fast faschistischen Russophobie und seinem “diesmal machen wir’s richtig mit Russland” oder seiner “Aufrüstung der Bundeswehr zur stärksten Armee der EU” oder seinem Traum, EU-Führer zu werden? Ich habe mit Björn Höcke kein Problem, aber ich habe ein Problem mit dieser devoten Bundesregierung und dem “Polit-Schmalz”, den die dauernd vom Zaun brechen.
Liebe Grüße
von unserem Leser R.O.
4. Leserbrief
Lieber Jens Berger!
Sie bringen da einen sehr wichtigen Beitrag. Ich sehe das so wie Sie. Höcke ist für mich kein Nazi, sondern einer, der sich im wesentlichen auf das Nationale besinnt. Während z.B. Thilo Sarrazin das Deutsche und Germanische überhöht und andere herabwürdigt, habe ich solche Aussagen bei Björn Höcke noch nicht gefunden. Leute aus der AfD wie Andre Poggenburg oder Alice Weidel haben sich da schon deutlich aggressiver gegenüber Fremden geäußert. Fremdenhass ist auch genug in der CDU und CSU vorhanden und selbst in meinem persönlichen Umfeld kenne ich Parteimitglieder der Grünen, die fremdenfeindlich sind und sich sogar für die Wiedereinführung der Todesstrafe aussprechen. Vielleicht sind solche Gedanken eher bei anderen als bei Herrn Höcke vorhanden. Wenn man nur auf die eigene Nation stolz ist, das ist ja auch bei jedem Gewinn eines Fußballspieles der Fall, ist man noch lange kein Faschist. Übrigens kann ich Frühlingsgedichte der Romantik wie z.B. von Eduard Mörike oder Ludwig Uhland durchaus aufsagen, aber gleichzeitig hasse ich solche Aussagen wie “Hart wie Kruppstahl”, “Zäh wie Leder” oder “Flink wie ein Wiesel”. Warum viele vom Mainstream in die radikale rechte Ecke gestellt werden, hängt auch mit deren außenpolitischer Einstellung zusammen. Menschen und Parteien, die anderen Nationen nichts vorschreiben wollen, sind nicht rechts. Das sind eher die westlichen Regierungen, die andere gefügig machen wollen. Es ist für mich nicht nachvollziehbar, dass der Iran keine Atomwaffen haben darf. Die Briten und die Franzosen haben sie und die Amerikaner haben 1945 im Falle Japan bewiesen, dass sie nicht damit umgehen können. Der Imperialismus fing in der Neuzeit an (wenn man die Kreuzzüge hinzunimmt schon früher) und wird heute immer noch fortgesetzt mit der militärischen Einmischung des Westens überall auf der Welt. Der Westen will den anderen alles vorschreiben und droht militärisch. Das ist für mich eine Erhöhung des Eigenen und Herabwürdigung oder sogar Geringschätzung anderer. Vielleicht hat so etwas eher mit Faschismus zu tun.
Mlt freundlichem Gruß
Harald Pfleger
5. Leserbrief
Lieber Herr Berger,
ihr Plädoyer, einander zuzuhören, halte ich für sehr überzeugend. Da bin ich auf Ihrer Seite.
Ausserdem ist da noch eine Komponente, wenn man sich auf diesen Weg begibt, nämlich sich über anderer Leute Überzeugungen oder Ansichten amüsieren zu können. Gemeint ist die amüsante Vorstellung, als Deutscher ein deutsches Gedicht zu können. Herr Höcke, so als Lehrer, fände das gut. Familie Berger kann es nicht und findet derartiges Vermögen albern.
Herr Berger findet auch den deutschen Wald und das Wandern einen Fetisch. Ein Drittel Deutschlands besteht aus Wald, konstant seit WKII, Tendenz zunehmend. Es ist das waldreichste Land Mitteleuropas. Aber nicht nur das, die deutsche Mythologie und Märchen sind voll von Geschichten des Waldes. Der Wald heute, da man ihn „beherrscht“, ist Wirtschaftsraum, Erholungsraum, Abenteuer, Klimaverbesserer. Aber Fetisch? Kann man den Wald nicht lieben, ohne Fetischist zu sein?
Ich liebe am Wald seinen Duft, die Waldeskühle, den federnden Boden, das Rauschen der Kronen usw. Bin ich deswegen verkopft und von vorgestern? Ich finde im Gegenteil. Verkopft ist doch eher der, der sich nicht vom Laptop oder Handy losreissen kann und die Gelegenheit nutzt, sich selbst durch das Erlebnis in der Natur wieder zu regenerieren.
Auch kann ich mir nicht vorstellen, wie jemand verkopft sein soll, der deutscher Romantik zuneigt.
Es zeugt doch eher für ein empfängliches Gemüt, und das wird ja gewöhnlich nicht im Kopf sondern eine Etage tiefer verortet, also mehr in der Gegend des Herzens.
Deutsche Romantik und deutscher Idealismus sind tief verwoben mit deutscher Identität, ob man will oder nicht. Was an Göthe, Schiller, Lessing und Novalis reaktionär sein soll, wissen die Götter.
Die Angelsachsen haben Shakespear, Charles Dickens und Mark Twain, die Russen Dostojevski, Tolstoi und Turgenjew, China bereichert die Welt mit Konfuzius, Menzius und Dao.
Ich finde, der Rückgriff auf eigene Wurzeln ist legitim, fördert das „erkenne Dich selbst“ und ermöglicht erst ein gedeihliches Zusammenleben der Kulturen und Völker der Welt. Wenn ich Höcke richtig verstehe, ist er nicht für übersteigerten Nationalismus, der in der Tat excludieren würde, sondern eher für Nationalismus auf Augenhöhe in dem Sinn der Bergpredigt, sein Licht nicht unter den Scheffel zu stellen.
Es gibt einen gewissen Prozentsatz von Mitbürgern, die finden das eine gute Idee. Andere wiederum können dem nationalen Selbstbewusstsein nichts abgewinnen und wünschten sich eher, frei von nationaler Identität zu sein. Auch verständlich nach den Katastrophen des 20. Jahrhunderts, insbesondere eben für Deutsche, deren toxischer Nationalismus verheerende Folgen hatte.
Mal sehen, wie es weitergeht, bin gespannt,
mit besten Grüßen
R. Reiß
Anmerkung Jens Berger: Lieber Herr Reiß,
schönen Dank für die Zuschrift. Nur zur Info: Ich wohne direkt am Waldrand und bin täglich mehrfach mit meinem Hund im Wald; ferner wandere ich auch mal gerne und fahre regelmäßig Mountainbike. Ich mag den Wald. Was ich aber „schrullig“ finde, ist die Mystifizierung des „deutschen Waldes“, die ja vor allem in der Romantik ein großes Thema war, aber auch von den Nazis ritualisiert wurde. Nicht falsch verstehen – da kann der Wald natürlich nichts dafür. Wenn ein Politiker aber diesen Mythos aktiv kommuniziert, sagt das zumindest etwas über sein Weltbild aus, und das meine ich völlig wertneutral als reine Beobachtung.
Beste Grüße
Jens Berger
6. Leserbrief
Sehr geehrter Herr Berger,
ich stimme Ihnen in weiten Teilen zu. Allein es fehlt mir ein deutlicher Ausblick, weshalb die AfD und Höcke u. a. m. wohl ausgegrenzt werden von der ‚Gemeinschaft der Guten‘, welche für sich beansprucht, ultimativ zu wissen, was denn „unsere Demokratie“ sei. Und damit bin ich beim Thema „Brandmauer“. Ich nenne sie Idiotie-Brandmauer. Diese weist m. E. u. a. drei Zielrichtungen auf:
- Ablenken von Fehlern / Schieflagen / Missbräuchen / Vetternwirtschaft … des Establishments, jener Parteien also, welche Deutschland seit Dezennien regieren, plündern, Deutschland also an jenen Abgrund manövriert haben, an welchem es heute steht.
- Unterdrückung von Ergebnis offenen Diskursen ( Cancel Culture / Gesinnungsterror ), welche aber wesentliche Konstituenten einer funktionierenden Demokratie sind. Dies geht einher mit Aussagen wie „Diese oder jene Diskussion sollten wir nicht führen, weil sie den Falschen in die Hände spielt“ u. ä. m. Solche K.O.-Aussagen kennt man bekanntlich aus Diktaturen. Sie verfolgen ausschließlich ein Ziel: anders Denkende zu diffamieren und sozial auszugrenzen. NGOs und „Empörungsmanagement“, verbunden mit medialen Hinrichtungen, sind an der Tagesordnung. Dies geht einher mit der ständigen Verharmlosung des Nationalsozialismus ( siehe u. a. Correctiv, „Geheimplan-Recherche“ – correctiv.org/themen/geheimplan-recherche/ — lto.de/recht/hintergruende/h/so-begruendet-das-lg-berlin-ii-die-correctiv-niederlage)
Literaturhinweise
Karl Dietrich Bracher: Die Auflösung der Weimarer Republik.
Ders.: Die deutsche Diktatur.
Ders.: Zeit der Ideologien. - Beabsichtigte Selbstparalyse der politisch-staatlichen Akteure zum Zwecke der eigenen Machtzementierung. Es geht mitnichten um Demokratie. Der Fuchs will den Hühnerstall, die Pfründe bewachen.
Wenn ich auf diesem Hintergrund das Agieren der gegenwärtigen Bundesregierung betrachte, sehe ich Schwarz.
Im gegenwärtigen Politiktheater fehlen Menschen der Zeitgeschichte wie der Visionär W. Brandt oder gebildete Analytiker wie H. Schmidt: „Berliner Lektionen“, Willy Brandt, 1988 / „Berliner Lektionen“, Helmut Schmidt, 1991.
Es fehlen im öffentlichen Diskurs darüber hinaus ‚Weltwohldenker‘ und ‚Weltwohlpraktiker‘. Aber das ist ein anderes Thema.
„Die schnellstmögliche Herbeiführung eines größtmöglichen Allgemein- / Weltwohles muss das oberste Ziel allen Denkens und Handelns in ziviler Bürgergesellschaft, Politik, Staat, Wirtschaft und Wissenschaft sein.“ ( RW ) – Davon sind wir jedoch sehr weit entfernt! Auch daran wirkte und wirkt Politik nachhaltig mit.
Beste Grüße sendet Roland Weinert.
7. Leserbrief
Sehr geehrter Herr Berger,
ja, man darf nicht nur, man sollte mit Herrn Höcke sprechen. Das allerdings fair auf Augenhöhe und nicht in einem Tribunal auf ÖRR-Niveau. Danke für den Artikel und den Link.
Ich habe mir das komplette Interview (gesplittet auf 2 Tage) angesehen und kann es nur jedem empfehlen. Dass Herr Höcke kein Nazi ist, sollte jedem nach diesem skandalösen Urteil von Halle klar sein. Wenn die schon solch harmlosen Satz (der zudem in den 20er-Jahren ein Leitthema des SPD-Rotfrontkämpferbundes war) nutzen müssen, um ihm Verbreitung von nationalsozialistischem Gedankengut vorzuwerfen, dann haben die nichts.
Ihre Einschätzung, er sei ein verkopfter reaktionärer Deutschnationaler, teile ich, allerdings ohne die Attribute „verkopft und reaktionär“. Ich kenne auch kein deutsches Frühlingsgedicht. Mir fällt da nur ein Satz aus Heinrich Heines „Deutschland. Ein Wintermärchen“ ein, der leider aktueller denn je ist. Mich persönlich stört auch seine „Deutschtümelei“. Das ist aber nicht entscheidend. Viele von ihm in diesem Interview gemachten Aussagen, besonders zur gegenwärtigen Politik, kann ich voll unterschreiben.
Das mediale Echo, dass dieses Interview hervorgerufen hat, ist für den erbärmlich Zustand des Mainstream „Journalismus“ in Deutschland bezeichnend. Sehenswert finde ich dazu das Gespräch, das Simo mit Peter Hahne führte.
Warum der ÖRR und die Mainstream Medien nicht mit Herrn Höcke reden oder warum sie generell versuchen, Andersdenkende (wie z.B. auch Frau Wagenknecht) in Talkshows am Nasenring durch die Manege zu ziehen, ist ganz einfach. Sie haben nur Ideologie aber keine Argumente. Sie sind ihnen nicht gewachsen. Das kann man auch an den vollmundigen Ankündigungen vieler Politiker des Brandmauerkartells festmachen. Sie wollten die AfD immer „inhaltlich“ stellen. Das ist ihnen nie gelungen, darum versuchen sie es seit Jahren nur mit Taschenspielertricks (rückgängig machen von Wahlen, AfD Kandidaten nicht zur Wahl zulassen, auf Grund des Wahlergebnisses zustehende Posten nicht geben sondern lieber schnell die Gesetze ändern). Ob sich das der Souverän auf die Dauer von denen bieten lässt, bezweifele ich.
Mit freundlichen Grüßen
R. Binde
8. Leserbrief
Liebes NDS-Team,
toller Artikel vom Chefredakteur!
Ziemlich neutral gehalten mit dem Schwerpunkt auf Offenheit und Zuhören. Das spricht sehr für Euch! So muss Demokratie sein. Danke und weiter so! 🙂
Ps: Gern mehr Oskar L. Beiträge!
Vielleicht auch mal seine Frau?!
Liebe Grüsse
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