Geplant ist der Transport mit einem speziellen Lastkahn und Netzsystem, das Wasseraustausch ermöglicht und eine schnelle Freilassung im Notfall erlaubt; Experten sehen das Tier inzwischen als transportfähig und haben der Aktion zugestimmt.
Die Einschätzung steht im Gegensatz zu früheren Gutachten, die von einem sterbenden Tier ausgingen, während der aktuelle Einsatz unter großem öffentlichen Interesse und intensiver medizinischer Versorgung fortgesetzt wird.
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Die aktuellen Entwicklungen am 27. April:
Einsatz mit Lastkahn soll am Dienstag starten
Am Dienstag soll die groß angelegte Rettungsaktion für Timmy beginnen. Ein Lastkahn wird eingesetzt, um das Tier sicher aus seiner aktuellen Lage zu befreien und in tiefere Gewässer zu bringen. Einsatzkräfte bereiten sich bereits auf den komplexen Transport vor.
Rettungsaktion für gestrandeten Wal: Vom Gutachtenstreit bis zum geplanten Transport mit Lastkahn
Update der letzten Tage: Die Rettungsaktion für den Wal entwickelte sich nach mehreren Gesprächen und Telefonaten zwischen Beteiligten und dem Umweltministerium in eine positive Richtung. Letztlich wurde ein eingereichtes Konzept befürwortet und eine Duldung für die Bergung erteilt, woraufhin ein Rettungsteam aufgebaut wurde. Damit begann vor etwa zwölf Tagen die aktive Phase der Aktion.
Der Wal selbst war bereits seit Anfang März an der deutschen Ostseeküste unterwegs und mehrfach gestrandet. Erste Rettungsversuche gab es in Timmendorf, wo er sich zeitweise wieder ins Wasser befreien konnte, später aber erneut strandete. Ende März wurde er in der Wismarer Bucht gesichtet und setzte sich schließlich Anfang April in der Kirchsee endgültig fest.
Nach einem früheren Gutachten, das den Zustand des Tieres als kritisch und einen Sterbeprozess beschreibend einstufte, hatte das Ministerium zunächst beschlossen, keine Bergung durchzuführen und eine Sperrzone einzurichten. Erst eine spätere Initiative führte dazu, dass ein neues Rettungskonzept entwickelt und schließlich genehmigt wurde.
Vor der letzten Strandung wurden bereits Maßnahmen zur Rettung vorbereitet, darunter das Ausbaggern einer Rinne mit Saugbaggern, um dem Tier einen möglichen Weg zurück ins tiefere Wasser zu schaffen. Tatsächlich nutzte der Wal einen erhöhten Wasserstand, um sich kurzfristig selbst zu befreien. Allerdings verlief die Orientierungshilfe für den Wal dabei nicht optimal, sodass das Tier nicht in die sichere Schifffahrtsrinne gelangte, sondern in eine Untiefe geriet und dort erneut strandete.
Für den nächsten Schritt ist nun der Einsatz eines Lastkahns geplant, mit dem der Wal geborgen und transportiert werden soll. Der genaue Ablauf ist für morgen geplant, steht aber noch aus. Weitere Abstimmungen und Informationen werden in Kürze erwartet.
Rettungskonzept hat Zustimmung erhalten
Das Rettungskonzept mit dem Lastkahn erhielt inzwischen Zustimmung, nachdem die beteiligten Experten vor Ort den Zustand des Tieres als stabil genug und transportfähig eingeschätzt haben. Der Wal zeigt demnach noch Reaktionen, etwa auf die Annäherung von Menschen, und seine Vitalfunktionen wie Atemfrequenz wurden als ausreichend beurteilt. Dadurch wurde für die Rettungsaktion faktisch „grünes Licht“ gegeben.
Das steht im deutlichen Kontrast zu einer früheren Einschätzung durch ein vom Ministerium beauftragtes Gutachten (unter anderem durch das ITAV und das Deutsche Meeresmuseum). Dort war man von einem schwer kranken Tier ausgegangen, das sich in einem Sterbeprozess befinde. Deshalb wurde ursprünglich von einer Bergung abgeraten und eine Sperrzone eingerichtet, da ein Eingriff als potenziell tödlich eingeschätzt wurde.
Die aktuelle Rettungsinitiative kam später durch den Unternehmer Walter G. zustande, der eine erneute Bergung anregte und dafür auch öffentlich Unterstützung mobilisierte. Viele eingereichte Vorschläge führten schließlich dazu, dass ein neues Konzept geprüft und umgesetzt wurde. Trotz anfänglicher Ablehnung durch das Umweltministerium wurde das Vorhaben nach weiteren Entwicklungen und Einschätzungen der Experten vor Ort wieder aufgenommen.

Die Helfer hatten wieder einen intensiven Einsatztag.
Foto: Matthias Kehrein/Epoch Times
Rettungseinsatz beim Wal: Pflege, medizinische Untersuchungen und Expertenbewertung laufen weiter
Ein Überblick zum gestrigen Einsatz: Eine geplante Blutabnahme konnte nicht erfolgreich durchgeführt werden. Ein erster Versuch, Blut an der Finne zu entnehmen, um die Organfunktionen wie Leber und Nieren sowie mögliche Entzündungen zu überprüfen, blieb ohne Ergebnis. Ein erneuter Versuch ist für heute vorgesehen.
Weiterhin wurde der Wal regelmäßig mit Wasser benetzt, um die Haut feucht zu halten. Bei starker Sonneneinstrahlung legte man zusätzlich Tücher auf den Rücken, da die Haut sehr empfindlich ist und noch einige offene, aber heilende Wunden vorhanden sind. Zum Schutz dieser Bereiche wird zudem Zinksalbe verwendet, von der insgesamt etwa neun Kilogramm angefertigt wurden und die schrittweise aufgetragen wird, um die Haut vor Sonne zu schützen.
Mehrere Walexperten äußerten sich positiv über den Zustand und die Rettungsaktion. Insgesamt sind fünf Fachleute beteiligt, darunter drei amerikanische Spezialisten aus Island mit Erfahrung in einem Meerestier-Reservat. Jeff Foster hob seine jahrzehntelange Erfahrung hervor und betonte den starken Überlebenswillen des Tieres. Auch der mexikanische Meeresbiologe Pedro Verenda zeigte sich beeindruckt und engagiert. Beide sehen die Rettungsaktion positiv. Zudem äußerte sich auch die Tierärztin Kristin Tönnis im Rahmen des Teams.

Einer von vielen Menschen direkt am Wal: Minister Backhaus fasste das geschwächte Tier am Sonntag an.
Geplanter Spezialtransport von Timmy dem Wal: Herausforderungen und Maßnahmen
Im Fall von Timmy steht nun ein komplexer und sorgfältig geplanter Transport bevor. Für den Transport des Wals wird ein spezieller Lastkahn mit einem Netzsystem eingesetzt. Das Netz soll verhindern, dass der Wal entkommt, gleichzeitig aber den Wasseraustausch ermöglichen, damit er nicht dauerhaft im selben Wasser verbleibt. Ein weiterer Vorteil ist, dass das Netz im Notfall schnell entfernt werden kann, um das Tier wieder freizulassen.
Der Lastkahn ist etwa 50 Meter lang und 13 Meter breit, bietet also zwar Platz, bleibt für ein wildes Tier aber dennoch ein beengter Raum. Unklar ist noch, wie der Wal auf diese Situation reagieren wird und ob das Verladen problemlos gelingt.
Zur Unterstützung wurde dem Tier bereits eine Mischung aus Wasser, Salz und Glukose gegeben, um den Elektrolythaushalt und die Energieversorgung zu stabilisieren, da es nicht selbst Nahrung aufnehmen kann.

Umweltminister Till Backhaus (im gelben Anzug) macht sich vor Ort ein Bild.
Foto: Matthias Kehrein/Epoch Times
Wal vor Poel – diese Woche Abtransport per Lastkahn?
Vor fast einem Monat ist der Buckelwal vor der Insel Poel bei Wismar gestrandet. Diese Woche soll Schiffstechnik den Abtransport des lebendigen Tiers ermöglichen. Ein Lastkahn, der den großen Meeressäuger samt Wasser aufnehmen soll, erreichte auf seinem Weg in die Wismarbucht bis zum späten Sonntagnachmittag aus der Elbe kommend den Nord-Ostsee-Kanal. Vom Schubboot „Hans“ geschoben kam die sogenannte Barge in der Nacht zu Montag in Kiel an.
Nach einigen weiteren technischen Vorbereitungen an dem Lastkahn, einer sogenannten Barge, die in Wismar erfolgen sollen, war der eigentliche Abtransport des Wals zuletzt frühestens für Dienstag geplant.
Seit dem Start der Rettungsbemühungen der privaten Initiative Mitte April kam es wiederholt zu Verzögerungen und Planänderungen – unter anderem, weil der Wal sich vor einer Woche nach einem Ansteigen des Pegels selbst in Bewegung gesetzt hatte, später aber wieder festsaß.
Seitdem hat das Team der privaten Initiative dafür gesorgt, dass das Tier auch bei niedrigeren Wasserständen tiefer im Wasser liegt, und eine Rinne bis zur tieferen Fahrrinne gebaggert, gesaugt und gespült.
Durch die mehr als 100 Meter lange Rinne soll der Wal in den absenkbaren Kahn gelotst werden. Das stählerne Becken soll dann von einem Schlepper gezogen in die mehr als 400 Kilometer entfernte Nordsee starten.
Am Sonntag wurde erneut an der Rinne gearbeitet und der Zustand des Wals kontrolliert. Dabei war auch Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) ins Wasser und auf Tuchfühlung gegangen. „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, sagte er am Sonntag. „Ich hoffe, dass diese Mission dann irgendwann, möglichst bald, zu Ende ist, und zwar mit Erfolg.“
Der laut Backhaus rund vier bis sechs Jahre alte Walbulle war Anfang März erstmals in der Ostsee gesehen worden: Am 3. März tauchte er im Hafen von Wismar auf; später saß er weiter westlich vor Timmendorfer Strand (Schleswig-Holstein) fest. In den mehr als 50 Tagen seither lag er zu deutlich mehr als der Hälfte der Zeit in Flachwasserzonen. Experten vermuten, dass er sie gezielt immer wieder aufgesucht haben könnte, weil er schwer erkrankt Ruhe suchte.
Mit Material der Nachrichtenagenturen