Was haben Sie uns aus öffentlich-rechtlichen Hallen nicht vollgeschwätzt damit, dass die Welt „komplex“ sei, Zusammenhänge divers und vielfältig und Wahrheit nicht einfach, sondern kompliziert?
Und doch, wenn es um die Themen geht, die den öffentlich-rechtlichen Schreibern am ideologischen Herzen liegen, dann wird die ganze Komplexität eingedampft, die Zusammenhänge werden simplizistisch und die Wahrheit offensichtlich:
Eine Studie, so behauptet „Anja Braun von SWR“, was sie zur Besprechung wissenschaftlicher Studien qualifiziert, ist unbekannt, eine Studie habe gezeigt, dass vor allem „jüngere Menschen“ zu Beginn ihrer wissenschaftlichen Karriere „Forschungsdurchbrüche“ erzielten. Dieselbe Studie messe zwei Formen der Kreativität, kombinatorische Kreativität und disruptive Kreativität und finde „eine Art Nostalgie-Faktor“, der darin bestehe, dass „ältere Forschende oft auf wissenschaftliche Literatur […], die sie früh in ihrer Laufbahn geprägt“ habe, zurückgreifen würden. Mit zunehmendem Alter sei man nicht mehr disruptiv, würde stattdessen das Vorhandene neu kombinieren und auf seine Erfahrung zurückgreifen. Indes würden in jungen Wissenschaftsgemeinschaften wie China oder Indien mehr durchbrechende Erfindungen gemacht als in wissenschaftlichen Gemeinschaften wie der Deutschen, in der alle Macht bei den Alten sei, auf Erfahrung, nicht auf Disruption gesetzt werde.
Au weia.
Warum schreiben Leute wie Braun solchen Unfug?
Die Studie, die hier besprochen wird, ist diese Studie:
Jeder, der auch nur einen Funken wissenschaftlichen Verstandes hat, der fragt sich natürlich, wie Cui et al. (2026) gemessen haben wollen, was Braun behauptet, dass sie gemessen hätten. Wie misst man im Verlauf eines akademischen Lebens geringer werdende „Kreativität“, den Wechsel von disruptiver Kreativität zu dem, was die Autoren „Novelty“ nennen?
Geht man im Beitrag von Cui et al. (2026) auf die Suche nach der Antwort, dann beginnen die Probleme. Cui et al. (2026) unterscheiden zwischen „Novelty“ und „Disruption“. Ersteres beschreibt MUSTER IM LITERATURVERZEICHNIS, die von den „normalen Mustern“ abweichen. Disruption beschreibt wie eine bestimmte Arbeit in der Folge zitiert wird: „We assessed disruption by how subsequent papers cite a focal paper but not its references, indicating when new ideas displace older ones“. Mit anderen Worten: Disruption liegt für die Autoren vor, wenn ein Papier, nicht aber die Literatur in dem Papier zitiert wird, Novelty ergibt sich, wenn ein Autor in seinem Literaturverzeichnis Arbeiten in Verbindung bringt, die bislang nicht in Verbindung gebracht wurden.
Das ist ein QUANTITATIVES VORGEHEN, aus dem man keinerlei Schluss auf die Qualität der Arbeiten, geschweige denn darauf, ob tatsächlich Innovationen Inhalt der entsprechenden Arbeit sind, ziehen kann. Die ganze Analyse steht und fällt damit, dass man den Autoren folgt und ebenfalls der Ansicht ist, dass jemand, der in seinem Literaturverzeichnis von seiner bisherigen Praxis zitierter Literatur abweicht, FÜR DIE FORSCHUNG neue Verbindungen hergestellt hat (vielleicht hat er einfach nur ein anderes Thema bearbeitet, in genau der langweiligen Weise wie bisher), und sie steht und fällt damit, dass man der Ansicht ist, wenn nachfolgende Arbeiten eine vorausgehende Arbeit, nicht aber die Literatur, die in der vorausgehenden Arbeit zitiert wird, zitieren, dann müsse die vorausgehende Arbeit „innovativ“ gewesen sein.
Das sind ziemlich windige Annahmen, die, selbst wenn man ihnen folgt, keinerlei Aussage über den INHALT und vor allem nicht über dessen Qualität zulassen.
Wenn man einen Verriss über eine abgrundtief schlechte Studie schreiben will, wird man sich methodisch mit dieser Studie auseinandersetzen, was letztlich die zitierte Literatur der kritisierten Studie uninteressant, die kritisierte Studie aber sicher nicht zu einer innovativen Studie macht. Wenn man in seiner akademischen Karriere voranschreitet, dann wird man zwangsläufig, denn Wissenschaft ist ein kumulativer Prozess, auf den eigenen Vorarbeiten aufbauen, was ebenso zwangsläufig dazu führen wird, dass man zitiert, was man früher schon zitiert hat und um das ergänzt, was an neuen Ideen oder neuen Beiträgen zum eigenen Thema in der Zwischenzeit hinzugekommen ist. Was Cui et al. (2026) mit „Novelty“ messen, ist nichts anderes als der normale Gang einer akademischen Karriere und was sie mit Disruption messen, ist ein Artefakt, das sich daraus ergibt, dass man zum Anfang einer akademischen Karriere nicht auf das zurückgreifen kann, was erst im Verlauf einer wissenschaftlichen Karriere anfällt. Erfahrung!
Die Helden messen statistische Artefakte, nicht mehr.
SciFi-Supt
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