Die Lockerung der Covid-Beschränkungen in der letzten Woche erfolgte fast genauso schnell wie die abrupten Maßnahmen zur Abriegelung der Städte zu Beginn der Pandemie.

Zunächst war ich skeptisch und dachte, die Situation würde sich nur wieder so entwickeln wie in der zweiten Jahreshälfte 2020, als China weitgehend infektionsfrei blieb und es nur leichte Einschränkungen gab, obwohl der Rest der Welt von dem Virus überwältigt wurde.

Aber es kippte beinahe sofort: Wir müssen nicht mehr unsere Gesundheitskarte und negative Covid-Ergebnisse vorzeigen, wenn wir öffentliche Einrichtungen betreten; das Gesundheitspersonal prüft nicht mehr unsere Reisevorgeschichte oder fragt nach unseren Reisezielen, wenn wir in eine andere Stadt fahren; es gibt keine routinemäßigen obligatorischen Massentests mehr, und die Schulen haben den Präsenzunterricht wieder aufgenommen.

Das Wichtigste ist, dass die Isolierung zu Hause inzwischen möglich ist, wodurch die Angst, bei einer Infektion in eine zentrale Quarantäne-Einrichtung gebracht zu werden, endlich ein Ende hat. Als Einwohner Shanghais habe ich die zweieinhalbmonatige Abriegelung von Ende März bis Juni dieses Jahr miterlebt. Waren die zweieinhalb Jahre zuvor für mich noch glimpflich verlaufen, so war die Erfahrung des Lockdowns der Beginn einer extremen psychischen Belastung.

Das Leben unter Null-Covid

In diesen Tagen machten mir zwei Dinge große Sorgen: ausreichend Nahrung zu bekommen und in ein Quarantänezentrum gebracht zu werden. Ich weiß noch, wie ich mir den Wecker auf 5:50 Uhr gestellt habe, um für den Verkauf von Lebensmitteln gerüstet zu sein, der um 6 Uhr morgens per Apps begann. Manchmal hatte ich am Ende trotzdem nichts. Ich erinnere mich auch an die Panik, die jeder in unserem Haus verspürte, wenn einer unserer Nachbarn positiv auf Covid getestet wurde – nicht aus Angst vor einer Ansteckung, sondern aus Angst, in die zentrale Quarantäne geschickt und von unserer Familie getrennt zu werden.

Vorgeschriebene Massentests wurden zur Routine und blieben auch nach den Lockdowns bestehen, während Ausbrüche in anderen Teilen Chinas unsere Reisepläne seit Juli dreimal durchkreuzten. Das Leben wurde immer unsicherer, da die Beschränkungen zur Bewältigung der hochansteckenden Omikron-Variante in ganz China weiter verschärft wurden.

Diese plötzliche Umstellung von Null-Covid auf ein Leben mit Covid hat mich also sehr überrascht. Auch wenn sich dadurch andere Risiken ergeben können, wenn die Infektionen zunehmen, spüre ich doch eine gewisse Erleichterung, weil ich weiß, dass es keine strengen Eindämmungsmaßnahmen mehr gibt.

Die chinesische Null-Covid-Strategie hat sich im Guten wie im Schlechten bewährt und den größten Teil der Bevölkerung in Sicherheit gebracht, auch wenn dies mit hohen wirtschaftlichen Kosten verbunden war. Bis vor kurzem hatte sich niemand, den ich kannte und der in China lebte, mit Covid infiziert. In den letzten Tagen posten jedoch immer mehr meiner Freund:innen in den sozialen Medien, dass sie sich mit dem Virus angesteckt haben, was sich fast wie ein neuer Trend anfühlt, so als ob man, je früher man sich infiziert, desto schneller die Auswirkungen abschütteln kann.

Ungewisser Weg nach vorne

Meine engste Begegnung mit Covid war diese Woche, als ein Freund meiner Partnerin positiv getestet wurde. Wäre dies vor einem Monat passiert, wäre meine Partnerin als enger Kontakt eingestuft und für fünf Tage in ein Quarantänezentrum geschickt worden, mit weiteren drei Tagen zu Hause. Aber jetzt wird sie keine Anrufe oder Besuche von Gesundheitspersonal erhalten, genau wie ihr Freund, der sich nur um seine Genesung zu Hause kümmern muss. Wäre dies vor zwei Monaten geschehen, hätte man mich als Sekundärkontakt eingestuft und mich gezwungen, sieben Tage lang zu Hause zu isolieren.

Doch die Lockerung der Beschränkungen bringt neue Probleme mit sich. Den Menschen fällt es schwer, mit den politischen Veränderungen mental Schritt zu halten. In den letzten drei Jahren haben Gesundheitsexpert:innen in China die Idee verbreitet, dass eine Covid-Infektion zu langfristigen Auswirkungen führen könnte. Jetzt haben sie eine Kehrtwende vollzogen, indem sie erklärten, dass keine Beweise gefunden wurden, die darauf hindeuten, dass dies der Fall sei.

Was soll ich glauben? Sollte ich anfangen, medizinische Vorräte zu horten, um mich auf eine drohende Infektion vorzubereiten, wie es viele andere Menschen tun? Wie ernst wird die Situation werden, wenn die Infektionen ihren Höhepunkt erreichen? Das sind die Dinge, die ich mich ständig frage.

Ich fühle mich auch noch weniger wohl, wenn ich ausgehe, weil ich weiß, dass jede Person, mit der ich in Kontakt komme, ein:e mögliche:r Corona-Träger:in sein könnte. Doch die andere Stimme in meinem Kopf sagt auch: „Geh raus und lass dich anstecken, denn wenn du dich davon erholt hast, musst du dir keine Sorgen mehr machen.“ Letztendlich mag Chinas Null-Covid-Ära vorbei sein, aber der wahre Ausbruch hat erst begonnen. Wie wird man sich an die letzten drei Jahre erinnern? Und wie werden die nächsten drei Jahre aussehen?

Stadt fahren; es gibt keine routinemäßigen obligatorischen Massentests mehr, und die Schulen haben den Präsenzunterricht wieder aufgenommen.Das Wichtigste ist, dass die Isolierung zu Hause inzwischen möglich ist, wodurch die Angst, bei einer Infektion in eine zentrale Quarantäne-Einrichtung gebracht zu werden, endlich ein Ende hat. Als Einwohner Shanghais habe ich die zweieinhalbmonatige Abriegelung von Ende März bis Juni dieses Jahr miterlebt. Waren die zweieinhalb Jahre zuvor für mich noch glimpflich verlaufen, so war die Erfahrung des Lockdowns der Beginn einer extremen psychischen Belastung.Das Leben unter Null-CovidIn diesen Tagen machten mir zwei Dinge große Sorgen: ausreichend Nahrung zu bekommen und in ein Quarantänezentrum gebracht zu werden. Ich weiß noch, wie ich mir den Wecker auf 5:50 Uhr gestellt habe, um für den Verkauf von Lebensmitteln gerüstet zu sein, der um 6 Uhr morgens per Apps begann. Manchmal hatte ich am Ende trotzdem nichts. Ich erinnere mich auch an die Panik, die jeder in unserem Haus verspürte, wenn einer unserer Nachbarn positiv auf Covid getestet wurde – nicht aus Angst vor einer Ansteckung, sondern aus Angst, in die zentrale Quarantäne geschickt und von unserer Familie getrennt zu werden.Vorgeschriebene Massentests wurden zur Routine und blieben auch nach den Lockdowns bestehen, während Ausbrüche in anderen Teilen Chinas unsere Reisepläne seit Juli dreimal durchkreuzten. Das Leben wurde immer unsicherer, da die Beschränkungen zur Bewältigung der hochansteckenden Omikron-Variante in ganz China weiter verschärft wurden.Diese plötzliche Umstellung von Null-Covid auf ein Leben mit Covid hat mich also sehr überrascht. Auch wenn sich dadurch andere Risiken ergeben können, wenn die Infektionen zunehmen, spüre ich doch eine gewisse Erleichterung, weil ich weiß, dass es keine strengen Eindämmungsmaßnahmen mehr gibt.Die chinesische Null-Covid-Strategie hat sich im Guten wie im Schlechten bewährt und den größten Teil der Bevölkerung in Sicherheit gebracht, auch wenn dies mit hohen wirtschaftlichen Kosten verbunden war. Bis vor kurzem hatte sich niemand, den ich kannte und der in China lebte, mit Covid infiziert. In den letzten Tagen posten jedoch immer mehr meiner Freund:innen in den sozialen Medien, dass sie sich mit dem Virus angesteckt haben, was sich fast wie ein neuer Trend anfühlt, so als ob man, je früher man sich infiziert, desto schneller die Auswirkungen abschütteln kann.Ungewisser Weg nach vorneMeine engste Begegnung mit Covid war diese Woche, als ein Freund meiner Partnerin positiv getestet wurde. Wäre dies vor einem Monat passiert, wäre meine Partnerin als enger Kontakt eingestuft und für fünf Tage in ein Quarantänezentrum geschickt worden, mit weiteren drei Tagen zu Hause. Aber jetzt wird sie keine Anrufe oder Besuche von Gesundheitspersonal erhalten, genau wie ihr Freund, der sich nur um seine Genesung zu Hause kümmern muss. Wäre dies vor zwei Monaten geschehen, hätte man mich als Sekundärkontakt eingestuft und mich gezwungen, sieben Tage lang zu Hause zu isolieren.Doch die Lockerung der Beschränkungen bringt neue Probleme mit sich. Den Menschen fällt es schwer, mit den politischen Veränderungen mental Schritt zu halten. In den letzten drei Jahren haben Gesundheitsexpert:innen in China die Idee verbreitet, dass eine Covid-Infektion zu langfristigen Auswirkungen führen könnte. Jetzt haben sie eine Kehrtwende vollzogen, indem sie erklärten, dass keine Beweise gefunden wurden, die darauf hindeuten, dass dies der Fall sei.Was soll ich glauben? Sollte ich anfangen, medizinische Vorräte zu horten, um mich auf eine drohende Infektion vorzubereiten, wie es viele andere Menschen tun? Wie ernst wird die Situation werden, wenn die Infektionen ihren Höhepunkt erreichen? Das sind die Dinge, die ich mich ständig frage.Ich fühle mich auch noch weniger wohl, wenn ich ausgehe, weil ich weiß, dass jede Person, mit der ich in Kontakt komme, ein:e mögliche:r Corona-Träger:in sein könnte. Doch die andere Stimme in meinem Kopf sagt auch: „Geh raus und lass dich anstecken, denn wenn du dich davon erholt hast, musst du dir keine Sorgen mehr machen.“ Letztendlich mag Chinas Null-Covid-Ära vorbei sein, aber der wahre Ausbruch hat erst begonnen. Wie wird man sich an die letzten drei Jahre erinnern? Und wie werden die nächsten drei Jahre aussehen?



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Von Veritatis

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