Roboter montieren Bauteile eines E-Autos. Der Halbleitermangel dürfte die Autoindustrie einer Studie zufolge bis mindestens 2024 bremsen.

Roboter montieren Bauteile eines E-Autos. Chips, wie vom Hersteller Elmos sind für die Autoindustrie entscheidend. Symbolbild.Foto: Sina Schuldt/dpa

Da der Ausbau der Ladeinfrastruktur für E-Autos lahmt, nehmen Autobauer ihn selbst in die Hand. Energiewende-Experte Georg Brasseur zweifelt am Erfolg.

Eine wenig frohe Botschaft für die Bundesregierung hat der emeritierte Professor für Elektrische Messtechnik und Sensorik an der TU Graz und Energiewende-Experte Georg Brasseur. In einem Interview mit dem „Standard“ hält er die von der Politik forcierte Verkehrswende für unrealistisch – und den E-Autos gibt er keine große Zukunft.

Auf E-Autos zu setzen, verzögere die Energiewende eher, als sie zu forcieren. Außerdem führe sie zu einer stärkeren Abhängigkeit von China, die man sich nicht wünschen könne. In Nischen werde es E-Fahrzeuge geben. Parallel dazu jedoch Verbrenner beizubehalten, sei auch aus ökologischem Blickwinkel sinnvoll, weil transportfähige Energieträger wie Diesel, Benzin oder Methan eine höhere Energiedichte hätten als Batterien.

Flächendeckender Umstieg auf E-Autos würde Stromnetze überfordern

Brasseur erklärt im Gespräch mit dem in Wien erscheinenden Blatt, es sei „unverantwortlich von der Politik, ein System durchsetzen zu wollen, von dem klar ist, dass der Vollausbau nicht funktionieren kann“.

Die Energiewende leide, weil mehr Stromverbraucher ans Netz gingen, als grüne Kraftwerke entstünden. Eine Überlastung wäre vorprogrammiert. Man könne es sich nicht leisten, eine parallele Welt für neue Energieträger aufzubauen. Durch die Errichtung neuer Energievektoren sei „viel mehr fossiles CO2 freigesetzt als im Endeffekt eingespart würde“.

Der Versorgungsbedarf der Ladeinfrastruktur für E-Autos würde schon Industrieländer vor erhebliche Probleme stellen. In Schwellen- und Entwicklungsländern mit noch geringerer Stromversorgung wäre die Herausforderung noch weniger zu bewältigen:

E-Autos werden genauso schnell verschwinden, wie sie gekommen sind. Ein unkontrollierter Zugang zu allen geplanten Ladestationen würde das Netz zusammenbrechen lassen.“

Ziel der Bundesregierung erst 2077 erreichbar?

Dabei könnte sich die Bundesregierung zumindest auf dem Papier über einen nominellen Fortschritt beim Ausbau des Ladenetzes freuen.

Die Zahl der Ladepunkte für E-Autos in Deutschland hat sich nach Angaben der Bundesnetzagentur 2022 mehr als vervierfacht. Was beim ersten Hinsehen wie ein Erfolg wirkt, ist tatsächlich aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Anfang November 2022 gab es demnach in Deutschland 72.000 Ladestationen – gegenüber 17.000 ein Jahr zuvor. Das Ziel der Bundesregierung liegt jedoch bei einer Million, und im derzeitigen Tempo wäre dies erst im Jahr 2077 erreicht.

Nur mit 300 Kilowatt können E-Autos rasch aufgeladen werden

Die Bundesregierung hat deshalb im Oktober einen „Masterplan Ladeinfrastruktur“ beschlossen. Für diesen sollen kurzfristig zusätzliche 6,3 Milliarden Euro zur Verfügung stehen. Derzeit hält der Ausbau der Ladepunkte jedoch nicht einmal mit der Nachfrage nach E-Autos Schritt.

Dem Verband der Automobilindustrie (VDA) zufolge waren Anfang 2021 noch 14 E-Autos auf einen Ladepunkt gekommen. Mittlerweile seien es 23, die sich einen teilen müssten. Nach VDA-Chefin Hildegard Müller müsste der Trend aber in die entgegengesetzte Richtung laufen:

Das Angebot müsste der Nachfrage vorauseilen, damit das Vertrauen der Menschen in die E-Mobilität weiter wachsen kann.“

Ein weiteres Problem ist, dass die bestehenden Ladestationen nicht in gleicher Weise leistungsfähig sind. Nur bei 12.000 von ihnen handelt es sich laut Bundesnetzagentur um sogenannte Schnellladepunkte mit mehr als 22 Kilowatt. In die Leistungsklasse ab 300 Kilowatt fällt nur ein Viertel von diesen. Nur diese Ladestationen könnten E-Autos jedoch in weniger als 30 Minuten aufladen.

Der Energiekonzern EnBW prognostiziert, dass die von der Bundesregierung gewünschten 15 Millionen E-Autos nur mit einer adäquaten Ladeinfrastruktur realistisch wären. Statt einer Million langsamer Ladepunkte bräuchte es dafür jedoch bis zu 150.000 Schnellladepunkte.

Autokonzerne wollen Versorgungsnetz in Kooperation ausbauen

Auch führende Autokonzerne wollen sich nicht auf die Problemlösungskapazitäten der Politik verlassen. Sie denken stattdessen daran, das Gesetz in die eigenen Hände zu nehmen. Am Donnerstag (5.1.) kündigte Mercedes-Benz ein eigenes Netz mit weltweit 10.000 Ladepunkten bis Ende des Jahrzehnts an. Einen einstelligen Milliardenbetrag wollen die Stuttgarter dafür investieren.

Tesla betreibt bereits jetzt nach eigenen Angaben weltweit 40.000 Hochleistungs-Ladestationen. Nutzen können diese jedoch nur eigene Kunden. Der VW-Konzern will wiederum bis Ende 2025 mit Partnern weltweit gut 45.000 Schnellladepunkte einrichten.

Mercedes-Benz-CEO Ola Källenius kündigt ebenfalls an, dieses Netz mit einer bevorzugten Bedienung eigener Kunden zu verknüpfen und so Käufer binden zu wollen. Zudem sei man Teil des von BMW initiierten Digital Charging Solutions-Netzes (DCS), an dem auch Ölkonzern BP mitwirke. Das DCS komme bis dato auf 400.000 eigene Ladepunkte in Europa und Japan. Weltweit stünden Mercedes-Fahrern bislang eine Million privater Ladepunkte zur Verfügung.

Außerdem betreibt der Konzern unter anderem gemeinsam mit BMW, VW, Ford und Hyundai das Konsortium Ionity, das in Deutschland bislang 480 Schnellladesäulen mit bis zu 350 Kilowatt Ladeleistung errichtet hat.

Bei „Spitzenglättung“ im Nachteil

Eine Überlebensgarantie für die Elektromobilität sind jedoch auch diese Initiativen nicht. Immerhin machte bereits die Brownout-Debatte der vergangenen Monate deutlich, dass Fahrer von E-Autos bei Nachfrageüberhang am unteren Ende der Nahrungskette stünden. Auf dem Wege der sogenannten Spitzenglättung hat die Bundesnetzagentur jüngst angekündigt, sich eine Rationierung der Versorgung von Ladesäulen vorzubehalten.

Der ADAC beklagt zudem eine Verwirrung der Nutzer mit Blick auf den Wildwuchs von Ladestationen. Der Fahrer eines E-Autos könne schnell den Überblick verlieren. Mal brauche er eine Ladekarte, mal eine App. An dieser Säule zahle er per Smartphone, an der anderen per Rechnung zum Monatsende. Einige Anbieter verlangen eine Grundgebühr, einige ab einer gewissen Standzeit an der Ladesäule einen Aufschlag pro Minute. Es bleibt also noch einiges zu tun auf dem Weg in die vollelektrische Mobilität.



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Von Veritatis

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