Wir fangen hinten an, weil es so schön ist:

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“Insgesamt positionierten sich die neun hier untersuchten öffentlich-rechtlichen Nachrichtenformate folglich relativ gleichmäßig in einem durch Außenpluralismus, aber auch eine leichte Linksschiefe gekennzeichneten Mediensystem. Sie fielen durch einen gegenüber den Vergleichsmedien weniger kritischen Umgang mit den aktuellen Regierungsparteien auf, gehörten aber ansonsten nicht zu den Medien, die sich am stärksten positionierten.

Allerdings berichteten sie im Schnitt auch nicht unbedingt vielfältiger und ausgewogener als die Vergleichsmedien, obwohl die Ansprüche an den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in dieser Hinsicht durchaus höher sind.

Die Behauptung, die Nachrichten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks seien besonders einseitig, trifft folglich in dieser Form nicht zu.”

Ausgewogene Berichtersattung bei öffentlich-rechtlichen Medien ist zwar mehr oder minder ein Auftrag, der Eingang in den Medienstaatsvertrag gefunden hat, sie ist – nichtsdestotrotz – eine Chimäre, eine Floskel ohne Wert, denn um Ausgewogenheit in Berichterstattung zu erreichen, müssten Redaktionen z.B. im Hinblick auf die jeweils vertretene politische Orientierung ausgewogen besetzt sein, was sie indes nicht sind.

§ 26 des Medienstaatsvertrags, in dem der Auftrag öffentlich-rechtlicher Medien umschrieben wird, ist in seinem zweiten Absatz reine verbale Augenwischerei, um zu rechtfertigen, dass Bürger für öffentlich-rechtliche Medien aufkommen, für deren Unterhalt ausgenommen werden:

“(2) Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten sind bei der Erfüllung ihres Auftrags der verfassungsmäßigen Ordnung und in besonderem Maße der Einhaltung journalistischer Standards, insbesondere zur Gewährleistung einer unabhängigen, sachlichen, wahrheitsgemäßen und umfassenden Information und Berichterstattung wie auch zur Achtung von Persönlichkeitsrechten verpflichtet. Ferner sollen sie die einem öffentlich-rechtlichen Profil entsprechen den die Grundsätze der Objektivität und Unparteilichkeit achten und in ihren Angeboten eine möglichst breite Themen- und Meinungsvielfalt ausgewogen darstellen.

Die Autoren der Studie, die wir in diesem Post besprechen, kommen also zu dem Ergebnis, dass öffentlich-rechtliche Angebote nicht vielfältiger, nicht ausgewogener und noch linkslastiger sind als das Angebot von privaten Vergleichsmedien und dass deshalb, wie sie schreiben, festgestellt werden kann, dass “[d]ie Behauptung, die Nachrichten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks seien besonders einseitig, … in dieser Form nicht zu[treffe].”

Eine erstaunliche Schlussfolgerung, die Marcus Maurer, Simon Kruschinski und Pablo Jost ans Ende ihrer Analyse stellen, einer Analyse der Selbstbeschränkung und Vorab-Sicherstellung eines Ergebnisses, das niemandem wehtut. Maurer, Kruschinski und Jost treffen eine Feststellung, die äquivalent zu der Feststellung ist, dass die Sehfähigkeit von Einäugigen, wenn man sie mit der anderer Einäugiger vergleicht, nicht zu beanstanden ist. Oder, wie wir es in der Überschrift formuliert haben, sie stellen zu ihrer Zufriedenheit fest, dass es ihnen nicht gelungen ist, unter Ayatollahs Ungläubige zu finden.

Was haben die Helden von der Universität Mainz in ihrer Studie, die zu etwa “gleichen Teilen von der
Stiftung Mercator und aus Mitteln der Johannes Gutenberg-Universität Mainz finanziert” wurde, gemacht? Nun, eine “qualitative Inhaltsanalyse” haben sie nach eigenen Angaben gemacht. Indes, nicht wirklich, eher eine Form sehr verkürzter qualitativer Inhaltsanalyse, die in weiten Teilen eine quantative Auszählung darstellt und nicht zuvergessen, sie haben Äpfel mit Birnen verglichen.

Von April bis Juni 2023 haben die drei Autoren Beiträge von neun öffentlich-rechtlichen Formaten mit Beiträgen aus 38 privaten Medienformaten verglichen, wobei sie sichergestellt haben, dass unter den privaten Medienformaten KEIN Medium zu finden ist, das wie etwa Tichy’s Einblick nicht zur Front der linken Einheitsberichterstatter und Mantelbezieher vom Redaktionsnetzwerk Deutschland gehört. Medien wie Tichy’s Einblick, das Neue Deutschland, die Junge Welt und die Junge Freiheit gelten Maurer, Kruschinski und Jost als “Extremmedien”, mit denen sie lediglich die “Ränder des Mediensystems” ausloten wollen. Und natürlich führt der Ausschluss nicht nur dieser, sondern aller sonstigen alternativen Medien dazu, dass die Analyse auf dpa- und RND-Verwertung, wie sie in den Systemmedien täglich stattfindet, beschränkt bleibt. Kein Wunder also, dass dann, wenn man das Angebot von ARD/ZDF und Deutschlandfunk mit privaten Anbietern vergleicht, kaum Unterschiede aufzufinden sind. Die bestehenden Unterschiede im Angebot wurden durch den Ausschluss alternativer Medien bereits im Vorfeld ausgeschlossen.

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Gehen wir etwas genauer in die Methoden:
Untersucht haben die Autoren jeweils 240 Beiträge pro Medium für den Zeitraum von April bis Juni 2023 und diese 240 Beiträge, die sich indes nur auf 9.389 Beiträge insgesamt addieren, weil Hörfunkformate, die mit Fernsehnachrichten und Tages- und Wochenzeitungen verglichen wurden, eben nicht wirklich mit denselben verglichen werden können, stellen eine Stichprobe aus dem gesamten Angebot der jeweiligen Medien über den Zeitraum von drei Monaten dar. Erstaunlich, dass die Autoren offenkundig der Ansicht sind, mit kleinen Stichproben über einen beschränkten Zeitraum einen Eindruck über die Berichterstattung insgesamt gewinnen zu können.

Aber was soll’s, wir haben schon Schlimmeres gesehen.

Interessiert hat die Autoren die Frage, ob der öffentlich-rechtliche Rundfunk inhaltlich vielfältiger und ausgewogener berichtet als private Medien, handverlesen nach Reichweite und nicht-Abweichung von dem, was die Autoren für medialen Mainstream halten, ein Mainstream, den sie mit ihrer eigenen Analyse als ideologischen Extremismus ausweisen, aber dazu gleich.

Untersucht wurden: (1) ARD-Tagesschau, (2) heute-Jorunal, (3) tagesschau.de, (4) ZDFheute.de, (5) lokale Nachrichten von (6) BR, RBB, WDR und MDR sowie (7) Deutschlandfunk. Sie wurden verglichen mit den Angeboten von (8) Welt, (9) Frankfurter Allgemeine Zeitung, (10) Süddeutscher Zeitung, (11) tageszeitung (taz), (12) Handelsblatt, (13) Bild, (14) Hamburger Morgenpost, (15) Westdeutscher Allgemeiner Zeitung (WAZ), (16) Thüringer Allgemeine, (17) Mitteldeutscher Zeitung, (18) Hannoverscher Allgemeine Zeitung, (19) Frankfurter Rundschau, (20) General Anzeiger Bonn, (21) Münchner Merkur, (22) Allgemeiner Zeitung Mainz, (23) Augsburger Allgemeine, (24) Tagesspiegel, (25) Berliner Zeitung, (26) Rheinischer Post, (27) Kölner Stadt-Anzeiger, (28) Stuttgarter Zeitung, (29) Nürnberger Nachrichten, (30) Kieler Nachrichten, (31) Saarbrücker Zeitung, (32) Sächsischer Zeitung, (33) Spiegel, (34) Focus, (35) Zeit (36) spiegel.de, (37) ntv.de, (38) t-online.de und (39) web.de. Vor einem Vergleich mit Tichy’s Einblick, Neuem Deutschland, Junge Welt und Junge Freiheit sind die Autoren, wie bereits erwähnt, weitgehend zurückgeschreckt. Die beiden Male, die sie die vier “Extremmedien”, die sie nutzen wollen, um die “Ränder des Mediensystems abzustecken” tatsächlich mit einbezogen haben, kommen dann Ergebnisse wie das folgende zustande:

Quelle: Maurer, Kruschinski & Jost (2024).

Dargestellt sind in dieser Abbildung die Ergebnisse von Kodierungen, mit denen die Beiträge aus den genannten Medien, u.a. auf der Achse, die Kapitalismus von Sozialismus trennt, verortet werden. Weil man Sozialismus in Deutschland gutreden muss, ist hier die Rede von Sozialstaatsorientierung und weil man Marktwirtschaft zum Feind erklären muss, von Marktliberalität, und Marktliberalität beschreibt natürlich das Recht des Stärkeren für linke Gemüter. Wie sie sehen, finden sich WDR, MDR, heute oder der RBB viel näher beim “Extremmedium” Neues Deutschland als bei der Mitte, die man als Punkt einer ausgewogenen Berichterstattung bezeichnen würde. Aber, wie uns die Autoren erklären, macht das ja alles nichts, denn die anderen Medien, die sie sorgsam ausgewählt haben, um die öffentlich-rechtlichen nicht als die ideologischen Extrem-Linksausleger ausgeben zu müssen, die sie nun einmal sind, sind auch nicht marktwirtschaftlicher orientiert. Die einzigen Medien, die Kapitalismus in ihren Berichten nicht verteufeln, sind Tichy’s Einblick und die Junge Freiheit.

Falls Sie sich an der vertikalen Achse festgelesen haben, dort findet man ein Relikt aus politikwissenschaftlicher Forschung, das schon bei seiner Einführung eine Totgeburt war, die Unterscheidung zwischen liberal-progressiv und konservativ-autoritär, die auf die seltsame Ansicht von Linken zurückzuführen ist, sie seien “progressiv” und nicht nur das, sie seien zudem dem Individuum verpflichtet. Nichts könnte weiter von der Realität entfernt sein, wie man derzeit live erleben kann, in einer Zeit, in der Linke, die sich für progressiv und dem Individuum verpflichtet halten, alle Hebel in Bewegung setzen, um autoritäre Maßnahmen, Zensurmaßnahmen, Überwachungsmaßnahmen von Individuen durchzusetzen, die sie wiederum mit dem Verweis auf ein größeres Ganzes rechtfertigen: Anti-Individualistismus in Reinkultur. Dessen ungeachtet glauben unsere Autoren diesen Bullshit. Sie sind eben nicht unbedingt unabhängige Denker.

Wie auch immer.
Wir lassen Sie nun mit der Ausgewogenheit der Berichterstattung der deutschen Medien kurz allein:

Quelle: Maurer, Kruschinski & Jost (2024).
Quelle: Maurer, Kruschinski & Jost (2024).

Vertreter der in Umfragen zweitstärksten Partei in Deutschland finden in Systemmedien und ihren privaten Counterparts seltener Gehör als Vertreter einer Regierungspartei, die einmal mehr die fünf Prozenthürde liebkost. Positive Berichterstattung über die AfD kommt im untersuchten Zeitraum offenkundig nicht vor, 3% öffentlich-rechliche und 2% private angeblich positive Berichterstattung über die AfD gehören wohl in den Berich der Kodierfehler. Offenkundig ist das Bemühen in öffentlich-rechtlichen Medienformaten, Regierungsparteien, vor allem SPD und Grüne gut zu bewerten …

Indes, all diese Ergebnisse sind bedingte Ergebnisse, die man eigentlich in einen Rahmen stellen muss, denn negative Berichterstattung über SPD und Grüne kann – wie die ideologischen Dinge nun einmal stehen – zwei Gründe haben: Maßnahmen der beiden Regierungsparteien können den Ideologen in Systemmedien nicht weit genug gehen oder sie können generell eine Ablehnung von Maßnahmen oder Aussagen von Regierungsvertretern vornehmen. Indes, eine solche einordnende Untersuchung nehmen die Autoren in ihrer Analyse nicht vor, jedenfalls nicht bewusst. Unbewusst liefern sie indes das deutlichste Zeichen dafür, wie ideologisch schief die öffentlich-rechtliche Welt, in der gut ein Fünftel der Wähler, die in Umfragen Angaben machen, damit leben müssen, als Rassisten/Faschisten oder Rechtsextreme beschimpft zu werden, nachdem viele von ihnen zuvor als Covidioten bezeichnet wurden, tatsächlich ist:

Quelle: Maurer, Kruschinski & Jost (2024).

Wir müssen an dieser Stelle einmal ganz radikal die Bedeutung des Wortes “ausgewogen” in die Datenrealität übersetzen: Ausgewogen wäre die Berichterstattung von öffentlich-rechtlichen Medien, wenn der rote und der blaue Balken eine gleich Länge aufweisen würden. Man kann die Tatsache, dass öffentlich-rechtliche Medien eher dem Sozialismus als dem Kapitalismus zugeneigt sind und dass ihre Vertreter daraus keinerlei Hehl machen, nicht anders formulieren als eben so: öffentlich-rechtliche Medien berichten weder ausgewogen noch objektiv noch neutral und dass die Autoren dieser Analyse meinen, dieses Ergebnis dadurch schönschreiben zu müssen, dass sei einwenden, öffentlich-rechtliche Medien würden auch nicht unausgewogener berichten als private Medien, die sie handverlesen haben, um die Differenz zu neutraler Berichterstattung nicht zu offenkundig und groß werden zu lassen, spricht eigentlich Bände.

Und damit sind wir bei der grundlegenden Kritik an der Vorgehensweise, die die Autoren gewählt haben: Diese Vorgehensweise ist grundsätzlich ungeeignet um die Frage, ob eine Berichterstattung ausgewogen ist oder nicht, zu beantworten. Ausgewogenheit ist ohnehin ein problematisches Konzept, das man qualitativ und quantitativ umsetzen kann, bei dessen Analyse man zudem in Rechnung stellen muss, dass Themen auch unterdrückt und somit nicht ausgewogen, weil gar nicht berichtet werden. Indes, derartige Überlegungen sind den Autoren offenkundig fremd, so fremd wie ihnen eine methodisch saubere Herangehensweise ist, die natürlich BEI KONTROVERSEN THEMEN beginnt und deren Darstellung in Medien untersucht.

Berichterstattung über die Ukraine: Werden Vor- und Nachteile von Waffenlieferungen erörtert oder ist die Berichterstattung eine Trommelveranstaltung für Krieg?

Berichterstattung über COVID-19 “Impf”stoffe: Werden Vor- und Nachteile von COVID-Shots berichtet? Werden Nebenwirkungen thematisiert?

Generell und unabhängig vom Thema: Kommen Kritiker und Personen zu Wort, die Zweifel an der amtlichen Vorgabe äußern oder definieren öffentlich-rechtliche Medien ihre Aufgabe dahingehend, dass man das Wort der politischen Herren unverfälscht und als Wahrheit an die empfangenden Massen durchreichen muss. Kurz: Bevor man damit beginnen kann, die Frage, ob eine Berichterstattung plural und ausgewogen ist, überhaupt zu untersuchen, muss man beide Konzepte bestimmen, und das ist eigentlich ganz einfach: Plural oder divers, wie die Autoren schreiben, ist eine Berichterstattung, wenn auch Themen abgedeckt werden, die außerhalb des Mainstreams angesiedelt sind, und ausgewogen ist eine Berichterstattung, wenn demjenigen, der sie betrachtet, nicht eine bestimmte ideologische Sichtweise aufgezwungen werden soll.

Insofern die drei Autoren aus Mainz keine dieser Frage auch nur ansatzweise berühren, muss man sich wiederum fragen, warum sie forschen, was sie forschen…


 

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Von Veritatis

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