Unilever will sich von zahlreichen Beschäftigten am Knorr-Standort Auerbach im Vogtland trennen. Mindestens 80 Stellen will das britische Unternehmen im Laufe dieses Jahres abbauen, wie die Unternehmenssprecherin Carolin Weber am 25. Januar mitteilte. Knapp eine Woche später, am Mittwoch, 31. Januar, demonstrierten die Mitarbeiter gegen den geplanten Job-Abbau.

Derzeit sind im ostdeutschen Werk 175 Menschen beschäftigt. Ein bekanntes Produkt, das dort vom Band läuft, sind unter anderem Knorr-Tütensuppen.

Unilever ist einer der größten Hersteller von Verbrauchsgütern weltweit. Die Hauptgeschäftsbereiche umfassen die Produktion von Nahrungsmitteln, Kosmetika, Körperpflege- sowie Haushalts- und Textilpflegeprodukten.

Gewerkschaft: „Brauchen Lösungen, keinen Stellenabbau“

Die Protestkundgebung der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) war eine nach draußen verlagerte Betriebsversammlung. So heißt es in einer Pressemitteilung, die der Epoch Times vorliegt. Ein Demonstrationszug, an dem sich die Mitarbeiter des Werks beteiligt hatten, führte zum Neumarkt in Auerbach, teilte Thomas Lißner, Gewerkschaftssekretär der NGG, der Redaktion mit. Dort fand am Mittwochnachmittag eine Kundgebung statt, wo lokale Politiker und Mitarbeiter zu Wort kamen. Die Beteiligten „kämpfen um jeden einzelnen Arbeitsplatz“, sagte Lißner.

Der Betriebsrat und die Gewerkschaft fordern vom Mutterkonzern ein Alternativkonzept für den Standort. Es brauche dafür neue Produkte und Ideen, statt nur einseitig auf Arbeitsplatzabbau zu setzen. An diesem Zukunftskonzept mit langfristiger Perspektive für den Standort soll in den kommenden Wochen zusammen mit Politik und Akteuren der Region gearbeitet werden.

„Die Kundgebung heute und die Betriebsversammlung heute waren ein Auftakt. Es gibt sehr viel Zusammenhalt in der Belegschaft und den Willen, gemeinsam für den gesamten Standort zu kämpfen. Uns hat auch viel Zuspruch aus der Region erreicht. Das macht Mut,“ sagt Mario Schädlich, Vorsitzender des Betriebsrates bei Knorr-Werk in Auerbach.

Lißner von der Gewerkschaft NGG: „Das war heute ein Zeichen der Belegschaft an die Konzernleitung, sich Gedanken zu machen um den Erhalt der Arbeitsplätze, statt den Rotstift ansetzen. Wir brauchen Lösungen, keinen Stellenabbau.“

Unterstützung erfuhr die Belegschaft vom Oberbürgermeister von Auerbach sowie anderen Lokalpolitikern. Vor Ort waren zudem Hermann Soggeberg, Konzernbetriebsratsvorsitzende von Unilever, sowie der Betriebsratsvorsitzende des Schwesterwerkes in Heilbronn. Der Standort kämpfte schon vor drei Jahren erfolgreich für seinen Fortbestand.

Mehrere Gründe für Stellenabbau

Die Beschäftigten hätten zuvor auf einer Mitarbeiterversammlung über die Pläne von Unilever erfahren. Unternehmenssprecherin Weber bezeichnete den Schritt als eine „bittere Pille“. Dafür werde so die seit Längerem diskutierte komplette Schließung des Standortes in Sachsen abgewendet.

In der vergangenen Zeit habe Werkleiter Heiko Röder laut Weber mehrfach Vorstände aus den Unilever-Zentralen aus Hamburg und Rotterdam durch das Werk in Auerbach geführt. Dabei kämpfte er stets darum, wenigstens den Erhalt des Standortes durchzusetzen, berichtet die „Bild“.

Als Grund für den Stellenabbau nannte Weber eine allgemein sinkende Nachfrage nach Trockenprodukten, die in Auerbach hergestellt werden. Epoch Times befragte dazu auch einen betroffenen Mitarbeiter sowie Lißner. Beide teilten unabhängig voneinander mit, dass der Rückgang der Nachfrage nicht der einzige Grund für die Stellenstreichungen sei.

Demnach gehe es um Verlagerungen der Produktionskapazitäten zu anderen Standorten. „Es gibt drei Knorr-Suppenwerke in Europa mit unterschiedlichen Auslastungen“, erklärte Lißner. Profitieren sollen ein Werk in Rumänien und das im baden-württembergischen Heilbronn. Derzeit habe das Werk in Auerbach mit 70 Prozent die größte Auslastung der drei Standorte.

Mit der Verkleinerung „in Auerbach werden zwei der bestehenden fünf Produktionsstraßen geschlossen“, so der Mitarbeiter, der anonym bleiben will, da er einen befristeten Arbeitsvertrag hat und Bedenken hat, vorzeitig gekündigt zu werden. Bis spätestens Oktober dieses Jahres sollen die angedachten Kündigungen erfolgt sein. Diese betreffe Mitarbeiter, die erst rund ein Jahr im Werk arbeiten, aber auch solche mit deutlich über 40 Jahren Betriebszugehörigkeit.

Dabei ist die in vielen Medien genannte Anzahl von 80 Mitarbeitern nur eine Mindestzahl. Denn dabei handele es sich ausschließlich um Vollzeitmitarbeiter. Es ist also nicht ausgeschlossen, dass auch Teilzeitangestellte gehen müssen. Das bestätigte auch Lißner. Eine genaue Anzahl ist aber bisher nicht bekannt.

Ein Schock für die Beschäftigten

Die Gewerkschaft bezeichnete die Stellenstreichung zuvor bereits als einen „Schock für die Beschäftigten“. Es erzeuge die Sorge vor einer Werksschließung in Auerbach auf Raten. Lißner warf dem Konzern vor, sich aus Renditegründen scheibchenweise von der Belegschaft zu trennen. „Das nehmen wir nicht hin.“ Lißner verlangte von Unilever, die Entscheidung nochmals zu prüfen und Alternativen für den Standort zu entwickeln.

Lißner verwies im Gespräch mit der Epoch Times auch auf die hohen Gewinne, die Unilever einfährt. Der Konzern erwirtschaftete im Jahr 2022 einen Nettogewinn von rund 8,3 Milliarden Euro. Er fragte sich, wieso Unilever die Überschüsse nicht „in die Entwicklung von marktgerechteren Produkten investiert“. So könnten für das Werk in Auerbach zukunftsgerechte Bedingungen geschaffen werden. Zudem müsse Unilever dem Werk und den Beschäftigten eine schriftliche Standortsicherheit geben, forderte Lißner.

Kurz nach Bekanntwerden des Stellenabbaus meldete sich der Oberbürgermeister von Auerbach Jens Scharff (parteilos). Er zeigte sich am 26. Januar fassungslos darüber. „Anderseits bleiben 95 Arbeitsplätze erhalten und auch der Konzern bleibt hier in Auerbach“, teilte er gegenüber dem MDR mit. Dabei orientierte er sich an der Information der 80 Vollzeitstellen, die Unilever abbauen will.

Unilever habe ihm garantiert, dass der Standort langfristig erhalten bleibt. „Mir wurde auch vom Konzern bestätigt, dass jetzt die Gespräche mit dem Personalrat laufen, dass es eine Sozialauswahl geben wird, dass viel über Vorruhestandregelungen gearbeitet werden soll, sodass es noch sozialverträglich geschehen soll“, äußerte Scharff.

Wie auch ein Nutzer des Kurzbotschaftendiensts X/Twitter feststellte, reiht sich Unilever damit in eine Vielzahl von Unternehmen ein, die am Standort Deutschland Stellen streichen.






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Von Veritatis

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