In diesem Beitrag kommentiert Jens Berger die zurzeit sehr populäre „Methode der Verdrehung“. Anhand der veröffentlichten „Taurus Leaks“ und „RKI-Files“ wird sie erläutert. Beklagt werde die fortschreitende Spaltung der Gesellschaft durch Kritik an der Position, die Teile der Politik und die Mehrheit der Leitartikler vertreten. Schuld daran sei Putin. Der manipulative Trick dabei sei, es so darzustellen, dass die eigene Position die einzig vernünftige und auf das Gemeinwohl gerichtet sei. Wir danken für die interessanten Leserbriefe. Hier nun eine Auswahl, die Christian Reimann für Sie zusammengestellt hat.

1. Leserbrief

Sehr geehrte Nachdenkseiten,

sehr guter Artikel von Jens Berger.

Es stellt sich die Frage, warum unsere Macht-/Geld-Elite die Spaltung der Gesellschaft nicht nur billigend in Kauf nimmt, sondern proaktiv betreibt? Die Anschlussfrage ist, wie gehen die Eliten mit einer gespaltenen Gesellschaft um? Nach der herausragenden Arbeit von R. Mausfeld (Buchbesprechung) gibt es eine Kosten/Nutzenrechung für Revolutionsprophylaxe. Nach dieser können die Eliten (mehr) Demokratie zulassen, wenn die Kosten für (totalitäre) Unterdrückung zu hoch werden. Ich bin davon leider nicht ganz überzeugt sondern sehe uns eher stramm auf dem Marsch ins Jahr 1984.

Übrigens, die Schlussbemerkung in Herrn Bergers Artikel zeigt sehr schön den ideologischen Missbrauch des Demokratiebegriffs auf. Demokratie, so wie sie unsere Herrscher definieren, ist eine dreiste orwell’sche Verdrehung der originären Definition von Demokratie.

Freundliche Grüße, Wolfgang Blendinger

2. Leserbrief

Sehr geschätzter Jens Berger,

öffentlichkeitswirksam das Gegenteil von dem zu behaupten was ist, ist der von der Wahrheit bzw. von der nüchternen Sachlichkeit am weitesten entfernte “Ort”. Das schafft die tiefsten Gräben, stiftet die maximale Verwirrung und markiert den schwierigsten Weg zurück zur Wahrheit bzw. zur nüchternen Sachlichkeit. Öffentlichkeitswirksam das Gegenteil von dem zu behaupten was ist, ist demnach aus meiner Sicht eines der geeignetsten Mittel genannte Ziele zu erreichen – sollte dies beabsichtigt sein.

Herzliche Grüße
Andreas Rommel

3. Leserbrief

Lieber Herr Berger!

Bei einer Spaltung entstehen ja immer zwei Teile. Der eigentliche Teil der Spaltungsverursachung setzt sich aus bestimmten Parteien, den Medien und zahlreichen unterstützenden Prominenten zusammen. Zu diesen spaltenden Parteien gehören vor allem die derzeitigen Regierungsparteien und die CDU. Sie nehmen keine Rücksicht auf die Wünsche der Mehrheit der Bevölkerung, sondern wollen ihre Wünsche wie Privatisierung, Digitalisierung und Globalisierung mit allen Mitteln durchsetzen. Wie schwer es ist sich an der Schule gegen eine überzogene Digitalisierung zu wehren, zeigt ja gerade der Beitrag des Lehrers Bernd Schoepe. Regierung und Medien könnten natürlich sagen, dass ihre Politik von der Mehrheit der Bevölkerung nicht erwünscht ist. Damit würde eine gewisse Wertigkeit ausgesprochen werden. Redet man allerdings von einer Spaltung, dann stehen zwei gleichwertige, aber unterschiedliche Standpunkte gegenüber. Dann heißt es immer, dass die Regierung besser erklären muss, denn solche Dinge wie Kriegstreiberei oder Klimahysterie muss von den Menschen endlich akzeptiert werden. Dann gibt es keinen Riss mehr in der Gesellschaft und alle folgen brav den Vorgaben der Elite. So funktioniert Demokratie.

Mit freundlichen Grüßen
Harald Pfleger

4. Leserbrief

Jens Berger for Bundeskanzler! Es wäre so schön, in Deutschland mal wieder einen Politiker mit Gehirn UND Gewissen zu haben.

Mit den besten Grüßen aus dem Exil in Neuseeland

Dennis Döcker

5. Leserbrief

Liebe NDS-Redaktion,

eine gleichgeschaltete Gesellschaft würde mir mehr Sorgen machen als eine gespaltene. In einer wirklichen Demokratie geht die Volkssouveränität der Verfassung voraus (Ingeborg Maus). Souverän ist nicht der Staat, sondern das Volk, allerdings nicht als Ethnos, sondern als Demos, nicht als Volks-, sondern als Rechtsgemeinschaft, sprich: als prinzipiell heterogenes Kollektiv von Staatsbürgern, die sich selbst das Gesetz geben, unter dem sie leben wollen. Demokratische Verfassungen setzen den Willen des Volkes immer schon voraus. Sie binden den einfachen Gesetzgeber, nicht aber das verfassungsgebende Volk. Vor allem binden sie die restlichen Staatsapparate: Regierung, Verwaltung und Gerichte. Wesentliche Entscheidungskompetenzen seien an die gesellschaftliche Basis zurück zu verlagern, staatliche Kompetenzen entsprechend zurückzuschneiden. Hüter der Verfassung sei letztlich nicht das Gericht, sondern das Volk: „Nicht die Mächtigen, sondern die Machtlosen befinden über die Art ihre Freiheitsgebrauchs!“ Insofern ist jeder Bürger Bedeutungsgeber in Sachen Demokratie. Dazu ist die Meinungsfreiheit unentbehrlich, sie einzuschränken oder gar aufzuheben ist niemandem gestattet, selbst dann, wenn die Äußerungen einen schädlichen bzw. gedanklich «gefährlichen» Inhalt aufweisen. Wer die Meinungsäußerung behindert oder gar gravierend unterbindet, hat Hand angelegt an die demokratische Verfasstheit unseres Staates und zerstört dieselbe.

Viele Grüße
Michael Wrazidlo

6. Leserbrief

Also, wenn jemand weiß, was Putin will, dann ist er ja wohl ein Putin-Versteher. Und das geht ja nun mal gar nicht. . Putin verfügt schließlich über einen gewissen Intellekt und man sollte ihn nicht unnötig beleidigen. Falls ihn überhaupt NOCH interessiert, was man hierzulande denkt, dann würde er vermutlich wollen, daß man sich mit seinen Argumenten unvoreingenommen auseinandersetzt, die russischen  Sicherheitsbelange respektiert und in der Politik (Achtung Fremdwörter) so etwas wie Aufrichtigkeit und Verläßlichkeit praktiziert, nicht ständig mit zweierlei Maß mißt und sich, vor allem,  im Ukraine-Kieg  neutral verhält, statt Rußland ruinieren und einen dritten Anlauf unternehmen zu wollen, „den Krieg nach Rußland zu tragen“.

Diejenigen, die immer wieder behaupten zu wissen, was Putin will und was er denkt, sind entweder zu oft in die Kirche gegangen oder haben zu viel Tagesschau gesehen oder beides. All ihr Gerede diesbezgl basiert, soweit es überhaupt von Substanz ist, auf der Unterstellung, daß Rußland schlicht böse ist und dem guten, anständigen Westen an den Kragen will. Vermutlich deswegen, weil die Russen an unsere Rohstoffe wollen und zuhause zu wenig Bewegungsfreiheit haben in diesem mickrigen kleinen Land – anstatt, wie Jahrzehnte praktiziert, von gegenseitigem Handel und Austausch zu profitieren.

Man sollte in solchen Fällen kein großes Aufheben machen und schlicht fragen: Haben Sie auch irgendwas mit Logik oder wenigstens mit Substanz?

MfG
G. Hantke

7. Leserbrief

Lieber Herr Berger,

das “wir” und “uns” beschwört der narzisstische Psychopath (und solche dominieren Politik und Medien, siehe z.B. “Die narzisstische Gesellschaft” von H. J. Maaz), um die Schäfchenherde seiner Bewunderer einzuhegen. Und das braucht er dringend, nur ein Abweichler kann sein rosarotes Lügengebäude zum Einsturz bringen. Schaut man sich die Gesellschaft vernünftig an, kann man nur sagen Gott sei dank ist sie gespalten. Es gibt noch Menschen, die den Wahnsinn nicht mitmachen, die darauf bestehen selber zu denken und zu urteilen. Je kräftiger der Hetzer auf die Pauke haut, um so weiter entfernt er sich von den Vernünftigen, um so größer wird die Spaltung der Gesellschaft.

Ein anderes Merkmal dieser Störung ist Projektion. Der Narzisst braucht ein  Bild von sich, das großartig, glorreich und unfehlbar gut ist. Die dunkle Seite wird auf denjenigen projiziert, den er für seinen Feind hält, den er dazu macht. Wie das in der Praxis aussieht, haben Sie beschrieben.

Relativ neu – vielleicht postpostmodern? – ist die infantile Personalisierung des “Bösen”. “Putin will uns spalten”, “Putin macht dies und Putin macht das”. Da wird der “Böse Butzemann” beschworen, der “kommt wenn du nicht brav bist”. Das ist der geistige Horizont von Vierjährigen. Passt allerdings zum “woken”, “gender”-gestylten Weltbild. Das sich auf Spielzeug beschränkt, wie rosa Trikots der Fußballnationalmannschaft und die Realität nicht mehr wahrnimmt. Besonders eindrucksvoll wird dieses infantile Theater von der Außenministerin oder dem Vizekanzler vorgeführt. Kindisch, wie Erstere auf Stöckelschuhen durch Trümmer in Kiew stakst. Die Panzer, die sie dorthin schickt sind allerdings kein Spielzeug. Und da hört der “Spaß” auf. Allerdings auch Empathie und Einsicht der handelnden Personen.

Noch was Ernsthaftes zum Krieg in der Ukraine. Egal wie man das sieht, ob als Mosaiksteinchen des Anglo-Amerikanischen Imperialismus oder als “Putins Angriffskrieg”, Deutschland müsste sich auf jeden Fall auf Diplomatie für eine friedliche Lösung beschränken, nach 27 Millionen  Sowjetischen Opfern, die meisten davon Russen, die es im 2. Weltkrieg zu verantworten  hat.

Viele Grüße,

Rolf Henze

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Von Veritatis

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