Viele Konsumenten überlegen sich, ein Elektroauto anzuschaffen. Allerdings schreckt viele der hohe Kaufpreis für ein neues Modell ab. Eine Option wäre ein gebrauchtes E-Auto. Doch Käufer sollten einige Punkte bedenken.

Wie gut sich die Stromer für den Gebrauchtwagenmarkt eignen, hat kürzlich das britische Wirtschaftsportal „Money Mail“ untersucht. Dabei stellten die Prüfer fest, dass viele der E-Autos auf dem Markt fast unmöglich weiterzuverkaufen sein könnten.

Zeitbombe Batterie

Der Grund liegt in ihrer begrenzten Batterielebensdauer. Ähnlich wie bei einem Mobiltelefon nimmt auch die Speicherkapazität der Batterie eines E-Fahrzeugs mit den Jahren ab. Laut Fachleuten beträgt die Garantie für die Batterie eines Elektroautos im Schnitt acht Jahre. Danach kann die Batterie schneller an Leistung verlieren. Als Folge davon verringert sich die Reichweite, also die Kilometerleistung zwischen den Ladevorgängen.

Laut der Untersuchung reduziert sich bei vielen E-Autos die Ladekapazität bereits nach sechs Jahren deutlich. Das entspricht einer Erstzulassung aus dem Jahr 2018. Der Rückgang beträgt teils zwölf Prozent, einige wenige Modelle verzeichnen noch größere Verluste.

Nun könnte der Halter die schwächelnde Batterie ersetzen und hätte wieder einen fast neuwertigen Stromer. Allerdings gibt es hier einen entscheidenden Haken: der Preis. Denn die Kosten für den Austausch einer E-Auto-Batterie sind erstaunlich hoch, wie die Untersuchung ergab.

Die Prüfer von „Money Mail“ testeten einen fünf Jahre alten Renault Zoe, der 9.100 britische Pfund (circa 10.600 Euro) kostet. Würde der Halter diesen Wagen mit einer neuen Batterie ausstatten, wären 24.124 Pfund (über 28.000 Euro) fällig. Somit übersteigen die Kosten für eine neue Batterie den Restwert des gesamten Autos um fast das Zweieinhalbfache.

Bei vielen Modellen sieht es ähnlich aus. Teilweise belaufen sich hier die Kosten für eine Ersatzbatterie auf umgerechnet bis zu 46.600 Euro, wie die Prüfer feststellten. Bei bestimmten E-Fahrzeugen übersteigen die Kosten eines Batterietausches den Fahrzeugwert auf dem Gebrauchtwagenmarkt um das Zehnfache.

Gebrauchte E-Autos: Warum sie eine unverkäufliche Zeitbombe sein können

Die Batterien eines E-Autos befinden sich in der Regel am Unterboden des Fahrzeugs. Foto: iStock

Zäher E-Absatz

Gebrauchte Elektroautos verkaufen sich nur sehr schwer, wie eine Analyse der Unternehmensberatung Berylls kürzlich ermittelte. Oftmals führen erst hohe Preisabschläge zum Verkauf. Ein durchschnittliches Batterieauto (BEV) zum Neupreis von 43.600 Euro koste nach drei Jahren mit 60.000 Kilometer Laufleistung aktuell 18.800 Euro und habe somit 57 Prozent seines anfänglichen Wertes verloren.

Eine Änderung dieses Trends sei nicht in Sicht: „Junge gebrauchte BEVs stehen im Handel wie Blei, die Standzeiten steigen und Restwerte sind im freien Fall“, so Berylls.

Das liegt einerseits an der allgemein stagnierenden Nachfrage nach E-Autos. Zum anderen kämen neue Modelle mit mehr Reichweite und zu günstigeren Preisen auf den Markt. Das mache einen Weiterverkauf gebrauchter E-Autos kaum möglich – nicht nur in Deutschland.

Auto wird zum Luxusgegenstand

Angesichts der hohen Batteriepreise warnte auch ein Autofachmann die E-Autokunden davor, sich einen Stromer nach Ablauf der Garantiezeit zuzulegen. Es sei in diesem Alter schwer festzustellen, wie hoch die Restkapazität der Batterie wirklich ist. Ist sie schon zu niedrig, kann kurz nach dem Erwerb auch der Kauf einer weitaus teureren neuen Batterie anstehen.

Der britische Fahrzeugexperte und YouTuber Shahzad Sheikh teilte „Money Mail“ mit: „Mit einer schwächelnden Batterie ist die Reichweite gering. Und es kann immer schwieriger werden, das Fahrzeug nach acht Jahren weiterzuverkaufen.“ Weiter warnte er: „Die Käufer wissen, dass [die E-Autos] nur noch eine geringe Lebensdauer haben werden. Daher werden sie, wenn überhaupt, nur eine kleine Summe dafür bezahlen.“

Dieses Problem könnte sich dadurch verschärfen, dass nach aktueller EU-Gesetzeslage alle neuen Autos, die ab 2035 auf den Markt kommen, Elektroautos sein sollen. In diesem Fall müssten sich Autofahrer in der EU künftig daran gewöhnen, deutlich mehr für einen Gebrauchtwagen zu investieren, als derzeit noch für ein gebrauchten Verbrenner.

Insgesamt könnte sich dann ein Auto vom Alltagsgegenstand zum Luxusgegenstand entwickeln. So hat ein neuer benzinbetriebener Renault Clio derzeit einen Einstiegspreis von rund 18.500 Euro, während sein rein elektrisches Gegenstück, der Renault Zoe, ab gut 36.800 Euro zu haben ist.

Auch ein Benzin- oder Dieselmotor kann kaputtgehen und – falls es sich noch lohnt – durch einen neuen ersetzt werden müssen. Dann müssen die Autofahrer mit Kosten von um die 5.000 Euro rechnen – je nach Modell und Werkstattkosten mehr oder weniger. Laut der Untersuchung von „Money Mail“ liegen die Kosten bei E-Autos für einen Batterietausch außerhalb der Garantiezeit bei umgerechnet zwischen 15.100 Euro und 46.600 Euro.

Die hohen Kosten für die Batterien von E-Autos ergeben sich aus der schwierigen Beschaffung von Metallen wie Nickel, Kobalt, Lithium und Mangan, die in Lithium-Ionen-Batterien verwendet werden.

Was passiert mit der alten Batterie?

Kommt es trotz des hohen Preises zu einem Batterietausch, stellt sich die Frage, was mit der alten Batterie passiert. Diese ist nicht ganz wertlos und sollte daher nicht der Werkstatt überlassen werden. Ihr Restwert liegt in der Regel noch bei umgerechnet rund 1.750 Euro, so „Daily Mail“. Sie können meist noch gut als Energiespeicher für Solarzellen verwendet werden. Viele befürchten jedoch, dass sie eher auf der Mülldeponie landen.

Hier scheint sich eine unternehmerische Nische aufzutun. Denn viele neue Start-ups versuchen nun im Wettlauf mit der Zeit einen Weg zu finden, Autobatterien zu recyceln, die ihre beste Zeit hinter sich haben. Die alten Batterien haben wegen ihrer wertvollen Metalle noch einen gewissen Schrottwert – selbst wenn sie nicht mehr als Stromspeicher geeignet sind.




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Von Veritatis

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