Ein Gastbeitrag von Beate Steinmetz

Anfang Mai verkündete das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, kurz BiB, die neueste Statistik zur Lebenserwartung in diversen europäischen Ländern. Konkret betrug die durchschnittliche Lebenserwartung aller in Deutschland lebenden Menschen im Jahr 2022 zum Zeitpunkt der Geburt nur 80,55 Jahre. Besonders gebeutelt sind hier die Männer, deren Lebensdauer im Schnitt gerade einmal 78,17 Jahre beträgt. Frauen kommen immerhin auf 82,95 Jahre. Der zum ultrawoken „Sturmgeschütz der Demokratie“ verkommene Spiegel bemerkt hierbei: „Nicht-binäre Menschen kommen in der Datentabelle zur Studie nicht vor“ – ebenso ist keine Rede von den anderen Tausenden von Geschlechtern, die sich hierzulande auch noch tummeln sollen. Wie hoch deren Lebenserwartung wohl ist? Wie auch immer, im Vergleich zu 2020 haben sowohl Männer als auch Frauen an Lebenszeit eingebüßt.

Am höchsten ist die Lebenserwartung zurzeit in der Schweiz mit 83,53 Jahren, gefolgt von Spanien mit 83,2 Jahren und Schweden mit 83,05 Jahren. In Luxemburg, Italien, Irland sowie Frankreich können die Bürger immerhin mit durchschnittlich über 82 Jahre rechnen. Westeuropäischer Durchschnitt sind 82,25 Jahre. Darüber hinaus werden Frauen in allen untersuchten Ländern im Schnitt zwischen 3 und 5 Jahre älter als Männer.

Eine weitere negative Meldung für die Deutschen ist die Tatsache, dass sich, verglichen mit dem Jahr 2000, die Differenz zu der Lebenserwartung in ganz Westeuropa deutlich erhöht hat. Damals hinkte Deutschland den anderen Ländern im Schnitt nur um 0,7 Jahre hinterher, nun sind es bereits 1,7 Jahre. Pavel Grigoriev, Leiter der Forschungsgruppe Mortalität des BiB, sagt hierzu: „Der Beginn der 2000er Jahre markiert einen Wendepunkt in der Dynamik der Sterblichkeitsentwicklung in Deutschland.“

Todesursache Nummer 1: Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Grund für das schlechte Abschneiden der Deutschen sind zum einen Frauen ab 75 Jahren, die im Verhältnis zu gleichaltrigen Frauen in den anderen Ländern Westeuropas verstärkt das Zeitliche segnen. Zum anderen sterben auffällig viele Herren der Schöpfung zwischen 55 und 74. Besorgniserregend ist außerdem die „höhere Sterblichkeit aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen“, wie das BiB-Team in einer Analyse für das Bundesgesundheitsblatt mitteilt. Tatsächlich sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Deutschland Todesursache Nummer 1, in Frankreich, Spanien, Italien oder Luxemburg ist dies Krebs.

Hierzulande bedarf es daher einer besseren Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bspw. in Form von Weiterbildungskursen für Ärzte, aber auch mehr Vorbeugungsmaßnahmen in puncto Tabak- sowie Alkoholkonsum. Auch lässt die Ernährung der Deutschen zu wünschen übrig. Auf diese Punkte möchte ich im folgenden genauer eingehen.

Die ‘Corona-Impfungen’

Zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen, d.h. u.a. Herzinfarkte, Schlaganfälle, Thrombosen oder Bluthochdruck, tragen seit rund drei Jahren die sogenannten Corona-Impfungen bei. Wirft man jedoch einen Blick auf die Statistik zur Lebenserwartungen der verschiedenen Länder, lässt sich hier bloß ein schwacher Zusammenhang erkennen. Laut Statista lag die Quote der „mindestens einmal Geimpften“ bei den Deutschen Ende 2022 bei 77,9 Prozent und die der „voll Geimpften“ bei 76,3 Prozent. In der Schweiz, deren Bürger auffällig alt werden, waren dagegen nur 70,6 Prozent „mindestens einmal geimpft“ und 69,6 Prozent „voll geimpft“. In Spanien, deren Einwohner ebenfalls eine sehr hohe Lebenserwartung aufweisen, gab es allerdings 87,2 Prozent einmal Geimpfte und 85,9 Prozent Vollgeimpfte, im „alten“ Schweden aber nur 75,5 bzw. 73,7 Prozent. Die „Impfung“ scheint also wenig Einfluss auf das durchschnittliche Sterbealter zu haben.

Alkohol und Rauchen

Darüber begünstigt der Konsum von Alkohol Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Im Jahr 2019 konsumierte der Durchschnittsdeutsche 12,2 Liter reinen Alkohol, der Schweizer im Schnitt aber nur 10,4 Liter. In Spanien betrug der Pro-Kopf-Verbrauch 10,9, in Luxemburg 11,5 und in Schweden sogar nur 9,3 Liter. Die Italiener konsumierten noch weniger – gerade einmal 8 Liter Alkohol pro Kopf. Der Zusammenhang zwischen hohem Alkoholkonsum sowie geringer Lebenserwartung und umgekehrt ist also definitiv gegeben.

Rauchen fördert ebenfalls Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ein Blick auf die europäische Raucherquote im Jahr 2020 zeigt allerdings keinen Zusammenhang zwischen durchschnittlicher Lebensdauer und Raucheranteil der Gesamtbevölkerung. Die Schweiz wies nämlich einen Raucheranteil von 27,1 Prozent der Einwohner ab 15 Jahren auf, Spanien 24 Prozent, in Luxemburg, Italien, aber auch in Deutschland waren es jeweils 23 Prozent. Das Rauchen an sich hat offenbar keinen großen Einfluss auf die mittlere Lebenserwartung.

Risikofaktoren Übergewicht und Diabetes

Ebenfalls ursächlich für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist Übergewicht. 2021 zählten 52,7 Prozent der Deutschen zu den Übergewichtigen oder gar Fettleibigen. Dies traf nur auf 51,3 Prozent der Schweden, auf 50,2 Prozent der Spanier, auf 48,4 Prozent der Luxemburger, auf 46,2 Prozent der Italiener, auf 45,3 Prozent der Franzosen und sogar nur auf 41,9 Prozent der Schweizer zu. Je beleibter man ist, desto früher stirbt man also auch. Von daher ist es nicht weiter verwunderlich, dass in Griechenland, ein Land mit ähnlich geringer Lebenserwartung wie Deutschland, sogar 57,2 Prozent aller Einwohner übergewichtig sind.

Darüber hinaus kann Diabetes zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen, was ebenfalls einen Einfluss auf die Lebenserwartung hat. In Deutschland gab es 2021 6,9 Prozent Diabetes-Patienten zwischen 20 und 79 Jahren, wogegen es in Italien nur 6,4, in Schweden bloß 5 und in der Schweiz sogar nur 4,6 Prozent waren. Übergewicht ist in Bezug auf die kürzere Lebensdauer allerdings von größerer Bedeutung, denn andererseits waren ganze 10,3 Prozent aller Spanier zwischen 20 und 79 von Diabetes betroffen.

Gute Ernährung ist wichtig

Welche weiteren Faktoren könnten noch schuld an der vergleichsweise geringen Lebenszeit der Deutschen haben? Möglicherweise eine schlechtere Ernährung. So stellt der Focus sogenannte blaue Zonen vor, wo die Menschen auffällig alt werden, etwa Okinawa in Japan, Sardinien in Italien, Nicoya in Costa Rica und Ikaria in Griechenland. Menschen in diesen Regionen sind dank ihrer guten Ernährung seltener von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und Diabetes betroffen.

Die ‘blauen Zonen’

In den blauen Zonen ist die Ernährung von zahlreichen pflanzlichen Lebensmitteln, Ballaststoffen, Vitaminen, Mineralstoffen und Antioxidanten geprägt. Dazu gehören z.B. Bohnen, die viele Ballaststoffe, Eiweiß, Vitamine und zahlreiche Mineralstoffe aufweisen und deshalb das Herzerkrankungsrisiko verringern. Sehr gesund ist zudem Olivenöl, das zahlreiche einfach ungesättigte Fettsäuren beinhaltet und somit nicht nur die Cholesterinwerte senkt, sondern auch Herzerkrankungen vorbeugt. Förderlich für ein langes Leben sind auch Nüsse, da sie viele gesunde Fette, Ballaststoffe, Eiweiß sowie Mineralstoffe aufweisen. Wer sein Herz-Kreislauf-Erkrankungsrisiko und die Gefahr an einer chronischen Krankheit zu erkranken, verringern möchte, sollte zudem viele Mandeln, Walnüsse und Pistazien zu sich nehmen.

Ebenfalls sehr gesund ist Gemüse, insbesondere Brokkoli, Blumenkohl und Kohl, da sie reich an Ballaststoffen, Vitaminen und Mineralstoffen sind. Auch sollte man viel Wasser trinken, sodass eine gute Hydratation und Verdauung gewährleistet sind. Empfohlen sind zwischen 1,5 bis 2 Liter pro Tag. Rotwein gilt ebenfalls als gesundheitsförderlich, allerdings nur in Maßen. Die vielen Antioxidanten der Traubenschalen besitzen eine entzündungshemmende Wirkung und senken das Herz-Kreislauf-Erkrankungsrisiko.

Einsamkeit in Deutschland weit verbreitet

Auch ist die Quote an Alleinlebenden in Deutschland recht hoch. Studien haben ergeben, dass Singles meist kürzer leben. 2022 wohnten rund 20 Prozent aller Deutschen allein, wogegen es im EU-Durchschnitt bloß 15,8 Prozent waren. In Frankreich waren es 17,7 Prozent, in Luxemburg und der Schweiz jeweils 17 Prozent, in Italien 16,1 Prozent, in Irland 11,1 Prozent und in Spanien sogar nur 10,9 Prozent. Lediglich in Dänemark, Schweden und Finnland, wo die Menschen im Schnitt älter als in Deutschland werden, gab es noch etwas mehr Ein-Personen-Haushalte.

Deutsche sind ärmer

Ausschlaggebend für die Lebenserwartung könnte auch das relative geringe Vermögen der Deutschen sein, denn deren durchschnittliches Pro-Kopf-Geldvermögen betrug im Jahr 2022 nur 63.540 Euro. Der Schweizer besitzt im Schnitt satte 238.780 Euro, der Schwede immerhin 116.060 Euro, in Irland sind es noch 71.360, in Italien 69.340 und in Frankreich 67.500 Euro. Spanier verfügen zwar im Schnitt nur über gut 40.000 Euro, doch immerhin ist dort das Klima wesentlich besser. Zwar warnen die Medien hierzulande ohne Unterlass vor dem Hitzetod, doch Wunsch (aus Sicht der Mainstreammedien und Politiker) und Wirklichkeit sind bekanntermaßen zwei paar Schuhe. Doch nicht nur das Vermögen, auch die Renten sind in jenen Ländern mit längerer Lebenserwartung deutlich höher als in Deutschland.

Hoher Medikamentenkonsum

Möglicherweise haben auch die relativ häufigen Arztbesuche der Deutschen einen Einfluss auf deren kurze Lebenszeit. Ja, Sie haben richtig gelesen, denn die Götter in Weiß, die eigentlich für unser Wohlbefinden da sein sollen, sind meist nicht gerade sparsam, wenn es um die Verschreibung von allerhand Arzneimitteln geht. Bereits zu Corona-Zeiten war es für nicht wenige Ärzte Usus, sich durch das Verabreichen von Corona-Impfungen im Minutentakt ein goldenes Näschen zu verdienen.

Im vergangenen November interviewte der MDR den Apotheker Friedemann Schmidt, der auf die Gefahren von Wechselwirkungen bei der Einnahme zu vieler Medikamente gleichzeitig hinwies: „Ab drei bis fünf Arzneimitteln sollte man genauer hinschauen. Das ist der Schwellenwert, bei dem man festlegt: Hier braucht ein Mensch in der Regel dauerhaft Beratung bei der Anwendung. Je mehr Medikamente man nimmt, desto größer ist die Gefahr von Wechselwirkungen. Das kann beispielsweise bedeuten, dass Wirkstoffe sich gegenseitig neutralisieren. Es kann aber auch passieren, dass eine Wirkung verstärkt wird.“

Von dieser Problematik seien vor allem alte Menschen mit vier oder mehr Grunderkrankungen gleichzeitig betroffen, da sie oft über zehn Medikamente auf einmal einnähmen. Bei einem solch exzessiven Medikamentenkonsum sei die Konsultation eines Arztes ratsam, denn 3 bis 7 Prozent aller Krankenhausaufenthalte seien auf unerwünschte Nebenwirkungen von Arzneimitteln zurückzuführen.

Fazit

Es gibt nicht die eine Ursache für die niedrige Lebenserwartung der Deutschen, sondern es ist eine Kombination vieler Faktoren, d.h. eine falsche Ernährung, die zu Übergewicht, Diabetes und infolgedessen Herz-Kreislauf-Erkrankungen führt, viele unter Einsamkeit leidende Menschen, ein unterdurchschnittlich geringes Vermögen und vor allem eine niedrige Rente im Alter sowie die Einnahme zu vieler Medikamente sind sehr wahrscheinlich für ein früheres Sterben der Deutschen verantwortlich.

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Beate Steinmetz ist studierte Politikwissenschaftlerin und Amerikanistin sowie Mutter zweier kleiner Kinder. Aufgrund ihres großen politischen Interesses ist sie seit über zwei Jahren als freiberufliche Politikjournalistin tätig. Neben reitschuster.de schreibt sie auch für die „Achse des Guten“ und das „Freilich-Magazin“.

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