„Schaut man sich aber das tatsächliche Potenzial der Solarenergie einmal unvoreingenommen an, so müsste unsere Gesellschaft über die sich bietenden Chancen atemlos sein.“ — Frank Farenski, 2012

Noch immer gleicht das Ringen der Erneuerbaren Energien (EE) mit dem globalen Ölkartell dem Kampf von David gegen Goliath. Lange waren die Akteure eine Handvoll idealistischer, intelligenter Menschen mit Sinn für die Zukunft. Für das Fossilkartell gerät es, wie wir sehen, zunehmend zum Rückzugsgefecht. Da ist erst mal jedes Mittel recht. Man bekommt zusehends den Eindruck, dass die gesetzlichen Regelungen, angefangen von der EEG-Umlage bis hin zu den Bauvorgaben für Windräder, absichtlich und böswillig so getroffen wurden und werden, dass sie die Ewigen Energien in Misskredit bringen. Die einseitige Förderung der umweltschädlichen und zudem auch noch unpraktischen Batterieautos spielt da in derselben Liga.

Zur Untermauerung dieser These möchte ich über meine Erfahrungen berichten, die ich machen musste, als in unmittelbarer Nähe am Rande unseres Siebengebirges ein Megawindpark geplant wurde. Achtzehn zweihundert Meter hohe Türme sollten mitten hinein in eine der schönsten Landschaften Deutschlands gepflanzt werden. Die rot-grüne Landesregierung von Rheinland-Pfalz hatte bestimmt, dass zwei Prozent der Landesfläche für die EE zur Verfügung gestellt werden sollten. Vor allem Wälder werden seitdem zunehmend für die Windkraft in arge Mitleidenschaft gezogen. Die Auswirkungen auf den Artenschutz sind verheerend.

Bei uns am Asberg lief die Tragikomödie folgendermaßen ab. Der Gemeinderat der Verbandsgemeinde Unkel war aufgefordert, Gebiete für die EE auszuweisen. Unkel liegt aber im engen Rheintal, einer Schlucht, wo kein Wind weht. Sie ist umgeben von naturnahen, wunderschönen Buchen-, Eichen- und Esskastanienwäldern, die die Höhenzüge des Naturparks Rhein-Westerwald schmücken. Für einige Mitglieder des Gemeinderats war es kein Problem, die Initiative UWE (unsere Windenergie) zu gründen, in der dieselben Entscheidungsträger, die über die Änderung des Teilflächennutzungsplanes zu bestimmen hatten, sich Anteile an diesem Windpark kaufen konnten. Bevor der warme Subventionsregen aus der EEG-Umlage auf diese Leute herabregnen konnte, gab es allerdings noch ein kleines Problem aus dem Weg zu räumen.

Die Wurzel dieses Problems lag ebenfalls in der bereits im Zusammenhang mit der Atombombe erwähnten Ludendorff-Brücke bei Remagen. Nachdem die Amis den Rhein überschritten hatten, kam es in den Wäldern dort oben zu Kampfhandlungen, bei denen Tausende Soldaten auf beiden Seiten ihr Leben ließen. Unter anderem galt es, einige Abschussrampen für die V-2, deren Reste noch bewundert werden können, zu erobern. Es wurde also geschossen und gebombt, was das Zeug hält. Die Bäume, vor allem Buchen, waren voller Bleigeschosse und Schrapnellsplitter. Über die Jahre wuchs all dieses Metall in die Stämme ein und hatte zur Folge, dass kein Sägewerk die Bäume haben wollte. Die Sägen wären an dem Metall kaputtgegangen.

Über die Jahrzehnte wuchs also ein Bestand an majestätischen Altbäumen heran, der beispielsweise Lebensraum für den bedrohten Schwarzspecht war. Schwarzspechte bauen große Höhlen, die wiederum von Fledermäusen, Hohltauben und einer Vielzahl von Insekten als Wohnraum genutzt werden. Schwarzspechte brauchen Altbäume. Aus genau diesem Grunde sind alte Buchenbestände auch ein Ausschlussgrund für Windparks, genau wie die Vorkommen von Greifvögeln, Schwarzstörchen und sonstigen bedrohten Arten, die sich alle in dem tollen Altbaumbestand tummelten. Tummelten? Genau: tummelten! Man löste dieses Problem ganz einfach, indem man die Waldriesen rigoros abholzte. Die aufgereihten Stämme des für die wirtschaftliche Verwertung unbrauchbaren Holzes erinnerten in ihrer Herzlosigkeit an Bilder aus Brasilien oder Indonesien. Naturschützer des NABU, mit denen ich damals zu tun hatte, berichteten mir zudem von Kronenholz, in denen sich große Reiserhaufen befanden. Allem Anschein nach waren gezielt die Bäume mit Horsten von Großvögeln abgesägt worden. Das beeindruckend laute Trommeln, mit dem die Schwarzspechte auf einem toten Ast klangvoll ihre Balz unternehmen, ist seitdem nur noch selten zu hören.

Nach dem Gemetzel ließ man eine kurze Schamfrist vergehen und verkündete offiziell den Beginn der Windparkplanung. Auf den Karnevalszügen lief eine Gruppe von Mitmenschen, die sich mithilfe von Pappmaschee als Windturbinen verkleidet hatte. Projektierer war die Energieversorgung Mittelrhein (EVM) mit Sitz in Koblenz. Der parteilose Ortsbürgermeister Carsten Fehr war sich nicht zu blöde dafür, sich für die Presse einen grünen Schlips umzubinden, als er die Vorverträge mit den Stromanbietern unterzeichnete.

Was folgte, möchte ich mit dem Krankheitsverlauf der Tollwut vergleichen. Dieser verläuft in drei Phasen: der Beißphase, der melancholischen Phase und — vor dem Exitus — der Lähmungsphase. Das Aus-dem-Weg-Räumen der Baumriesen rechne ich bereits der ersten Phase zu. Danach kamen die Gefälligkeitsgutachten. Ich beschränke mich auf das Schwarzstorchengutachten. Wenn die scheuen, waldbewohnenden Störche morgens zu ihren Futtergründen in die Rheinauen hinabsegeln, darf verständlicherweise in ihrer Flugbahn kein Megawindpark stehen, der die seltenen Vögel und letzten Vertreter ihrer Art früher oder später zu Hackfleisch schreddert. Ein Planungsbüro aus Aachen, spezialisiert auf diese Art Jobs, stellte einen Experten ein, der die Flugbewegungen der Störche kartografieren sollte. Nach getaner Erkundung malte er rote Pfeile auf ein Satellitenbild, welche den Storchenflug symbolisieren sollte. Wundersamerweise bewegten sich die roten Pfeile kreisförmig um das angestammte, wenn auch frisch von Horsten gereinigte Brutgebiet, den Asberg, herum. Fertig war das Gutachten, das den mit der Hoffnung auf persönlichen Profit korrumpierten Ratsmitgliedern vorgelegt werden sollte.

Angesichts solcher Zustände fand ich mich auf einmal in der Phalanx der Windparkgegner, obwohl ich von Sinn und Nutzen der EE natürlich dennoch überzeugt bin. Die Alternativen heißen Atom oder Fossil und sind wesentlich schädlicher. Es kommt nun einmal auf das „Wie“ an. Entlang der Autobahnen ist die Landschaft ohnehin bereits geschädigt. Hier gibt es viele sinnvolle Orte für Windkraft. In den letzten Rückzugsgebieten der Natur haben die Industrieanlagen jedoch nichts verloren. Man halte sich bloß einmal vor Augen: Für ein einziges Fundament der Megawindräder werden rund tausend Lkw-Ladungen Beton gegossen. Die Empörung unter den Anwohnern war groß. Für viele ging es um den Wert ihrer Häuser und Grundstücke. Eine Bürgerinitiative wurde gegründet. Es setzte ein großes Hauen und Stechen ein mit Gegengutachten, Leserbriefen und Versammlungen. Die tollwütige Beißphase, in der alle aufeinander losgingen, gipfelte in der Errichtung eines Windmessmastes, mit dem über einen gewissen Zeitraum hinweg ermittelt werden sollte, wie viel Wind dort oben überhaupt weht. Es ist nämlich ein offenes Geheimnis, dass unser schönes Rheintal als Schwachwindgegend gilt.

Nun setzte die melancholische Phase ein. Es wehte kein Wind, und die Gegner des Projektes kamen mit einer seltenen Tierart nach der anderen nach vorne, die am Asberg vorkommen und sämtlich als Ausschlussgrund zu behandeln waren. Als jemand, der mit offenen Augen durch die Natur geht, konnte ich helfen mit Beobachtungen von Wildkatzen, Haselhühnern und Waldschnepfen — allesamt wind-kraftsensibel.

Es gab noch viele andere Einwände. Infraschall etwa ist ein Problem, das bei Anwohnern der Windparks im Ruf steht gesundheitliche Schäden hervorrufen zu können. Man hört ihn nicht, dennoch sind nicht wenige der Meinung, er mache krank (1).

Die Studienlage ist hier zugegebenermaßen ziemlich dünn, wofür unter anderem der mangelnde Aufklärungswille derjenigen Regierungen ausschlaggebend sein dürfte, die sich den massiven Ausbau der Windkraft auf die Fahnen geschrieben haben. Das Umweltbundesamt jedenfalls schließt gesundheitliche Beeinträchtigungen durch kurz- und langfristige Exposition gegenüber Infraschall nicht aus. In Berlin diskutierte man derweil die EEG-Reform. Von vornherein unrentable Anlagen sollten nicht mehr gefördert werden. Nach und nach gingen die Planungen weg von den achtzehn Windrädern hin zu fünf. Um den Gesichtsverlust zu verringern, entdeckte man brütende Uhus. Anders als die Buchen wurden die adlergroßen Eulen nicht aus dem Weg geräumt. Vielmehr boten sie mit ihrem scheckigen Gefieder das Deckmäntelchen, unter dem man sich aus der Affäre zu ziehen trachtete.

Es folgte die Lähmungsphase, mit der auf die Gesetzesänderung in Berlin gewartet wurde und in der eigentlich nicht mehr viel passierte. Offiziell existierten die Planungen noch, aber mehr als banges Hoffen war nicht drin. Als am 7. Juni 2016 Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel in einem vermeintlichen Anfall von staatsmännischem Verantwortungsbewusstsein das Gesetz unterzeichnete, mit welchem dem schlimmsten Wildwuchs ein Ende gesetzt wurde, tat er dies mutmaßlich nicht, um der Natur zu helfen, sondern um seinen Freunden aus der Fossillobby zu Diensten zu sein. Man hatte erreicht, dass Umweltschützer aufatmen, weil keine EE errichtet werden. Am selben Tag traf sich der Rat der Verbandsgemeinde Unkel und entschied, aus dem Projekt auszuscheiden. — Exitus. Die Messergebnisse des Messmastes stufte man als geheim ein und hält sie bis zum heutigen Tag unter Verschluss.

Denken wir bei solchen Zuständen an die Tausende von Windrädern, die vielerorts unter extremer Biegung der Rechtslage, ohne wirkliche Rücksicht auf Natur, Landschaftsbild und Mitmenschen errichtet wurden und werden. Diese Anlagen wurden lange, obwohl genug Wind wehte, systematisch abgeregelt, weil die Speicherung ihrer Energie in Form von Wasserstoff durch eine absurde Preispolitik seitens der Politik unwirtschaftlich gemacht wurde. Hier wartet noch viel Arbeit auf die Gesetzgeber! Wer jemals auf der Autobahn unterwegs war, kennt das Bild: Einige Rotoren stehen seltsam still, während andere sich munter drehen in der frischen Brise. Nun wissen wir, warum das so ist. Windkraft eignet sich prima, um für Stunk zu sorgen. Genau deshalb scheint sie bei den Scheinheiligen aus dem Energiesektor so beliebt zu sein. Mit Solar sieht die Sache ganz anders aus — vor allem dort, wo sie sie auf bereits bestehende Baustrukturen aufgesattelt wird.

Wäre es all den Klimarettern in der Politik und der Wirtschaft ernst mit ihrem Gerede von der Energiewende, hätten wir längst auf jedem Dach, auf jeder Hochhausfassade, auf jeder Brücke Solarpanelen.

Sicherlich, die Sonne hat den Nachteil, dass sie nachts nicht scheint und bei Bewölkung weniger Energie liefert als bei Kaiserwetter. Hier ist der Wind sicherlich überlegen. Aber diese Nachteile lassen sich durch Wasserstoffspeicherung ­abfedern. Experten haben errechnet, dass eine Solar-Überdachung unserer Autobahnen — immerhin rund 13 000 Straßen-Kilometer — etwa ein Drittel des Strombedarfs Deutschlands decken könnte. Was erst einmal ziemlich teuer klingt, birgt straßenbaulich aber auch gewaltiges Einsparpotenzial. Durch den Wegfall von Sonneneinstrahlung, von Regen, Schnee und Eis wäre der Straßenbelag von wesentlichen Erosionsfaktoren befreit. Autofahren wäre viel sicherer, ohne Schneeglätte, Aquaplaning und Glatteis. Auf Räumfahrzeuge könnte verzichtet werden. Entsprechende Pilotprojekte sind vom Fraunhofer Institut längst angedacht. Im Nachbarland Schweiz gibt es bereits konkrete Planungen (2).

Wieso zögert Deutschland mit der Umsetzung dieser genialen Idee? In Form von Wasserstoff veredelt könnte der Sonnenstrom direkt dort vertankt werden, wo er sowohl produziert als auch verbraucht wird. Als es in der Vergangenheit anfing ernst zu werden mit der Solarenergie in Deutschland, hatte die Regierung unter ihrem damaligen CDU-Wirtschaftsminister Peter Altmaier nichts Eiligeres zu tun, als sie zu erwürgen. Dabei gingen seit 2012 nicht nur Zigtausende von Arbeitsplätzen verloren. Deutschland verlor in diesem Drama auch seine globale Führungsposition in dieser Industrie, die im Anschluss dankend von China übernommen wurde. Diese offensichtliche Sabotagepolitik führt sich wie ein roter Faden durch die angebliche Energiewende. Bis heute hat sich, allen Lippenbekenntnissen zum Trotz, nicht viel an ihr geändert. Der Energiekrieg mit Russland zeigt, wie dringend schnelle Veränderungen erforderlich sind.


Dieser Text ist ein Auszug aus dem Buch „Das Feuer des Wassers. Wasserstoff jetzt — Die Lösung unseres Energieproblems“ von Timm Koch. 240 Seiten, Westend Verlag, 19.9.2022


Quellen und Anmerkungen:

Die Quellen zu diesem Artikel entnehmen Sie bitte dem Buch: Timm Koch, „Das Feuer des Wassers. Wasserstoff jetzt! Die Lösung unseres Energieproblems“.



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Von Veritatis

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