Wie sehen die Corona-Maßnahmen im Herbst und Winter aus? Das entscheidet der Bundesrat.

Wie sehen die Corona-Maßnahmen im Herbst und Winter aus?Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Auch in diesem Winter gibt es in Deutschland Corona-Maßnahmen. Fachleute fordern die Rückkehr zur Normalität.

Der Winter steht vor der Tür – der dritte seit Beginn der Corona-Pandemie. Die Bundesregierung hat ein weiteres Maßnahmenpaket beschlossen, welches von Oktober bis April 2023 als neuer Rechtsrahmen für die Corona-Maßnahmen gilt.

International gesehen haben praktisch alle Länder ihre Maßnahmen komplett oder fast komplett zurückgefahren und bis dato keine größeren Einschränkungen für den Winter vorgesehen.

Virologen fordern Rückkehr zur Normalität

Vor dem Sozialausschuss des schleswig-holsteinischen Landtags äußerten sich am 3. November im Kieler Landestag eine Reihe von Virologen. Prof. Jan Rupp, Direktor der Klinik für Infektiologie am Universitätsklinikum in Lübeck, hinterfragte die Regelungen:

Die Fokussierung auf SARS gefährdet mehr, als sie nützt“, sagte Rupp.

Das Hauptproblem im Gesundheitssystem sei nicht mehr COVID-19, sondern medizinische Unterversorgung in anderen Bereichen. COVID-19 sei laut Rupp lediglich noch eine Infektion neben anderen. Er sprach sich dafür aus, anstelle einer Isolationspflicht verantwortungsvolle Regeln in den Vordergrund zu rücken.

Ebenso kritisch sieht die Direktorin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum in Kiel, Prof. Kamila Jauch-Chara, die Maßnahmen der Bundesregierung. Sie forderte eine Rückkehr zur Normalität für alle.

„Wir müssen hin zur Eigenverantwortung“, sagte sie. Jauch-Chara verwies zudem auf negative Auswirkungen, die im Zuge der Maßnahmen entstanden sind. So habe es eine starke Zunahme stressbedingter Erkrankungen gegeben. In der Pandemie habe sich die Zahl der Suizidversuche von Kindern und Jugendlichen während der Lockdown-Zeit und danach verdreifacht.

Mit Berücksichtigung der Expertenaussagen ist die Landesregierung derzeit dabei zu entscheiden, mit welchen Maßnahmen die Menschen in Schleswig-Holstein durch den Winter gehen sollen.

Der Rechtsrahmen von Oktober bis Ostern

Vom 1. Oktober 2022 bis 7. April 2023 gelten laut dem vom Bund aktualisierten Infektionsschutzgesetz bundesweit spezifische Maßnahmen:

  • Im öffentlichen Personenfernverkehr gilt weiterhin die FFP2-Maskenpflicht. Dabei dürfen Kinder und Jugendliche von sechs bis einschließlich 13 Jahren sowie das Personal auch medizinische Masken (OP-Masken) tragen.
  • Für den Zutritt zu Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen gilt ebenfalls weiterhin eine FFP2-Maskenpflicht und eine Testnachweispflicht. Dies gilt auch für Beschäftigte in ambulanten Pflegediensten und vergleichbaren Dienstleistern.
  • Auch Patienten sowie Besucher in Arztpraxen, Dialyseeinrichtungen und weiteren Einrichtungen des Gesundheitswesens müssen nach dem IfSG einer FFP2-Maske tragen.
  • Darüber hinaus können die einzelnen Bundesländer weitergehende Regelungen erlassen. Das beinhalte beispielsweise eine Maskenpflicht im öffentlichen Personennahverkehr oder in öffentlich zugänglichen Innenräumen.
  • Ebenfalls optional ist eine Testpflicht in Schulen, Kindertagesstätten (Kita) und anderen Einrichtungen wie Asylbewerberunterkünften, Obdachlosenunterkünften oder Hafteinrichtungen.

KiTa-Studie: Mehr Schaden als Nutzen durch Schließungen

Auch die Corona-KiTa-Studie deckte negative Auswirkungen der politisch geforderten Corona-Maßnahmen auf. Aus ihr geht etwa hervor, dass durch die Schließungen die sprachliche, motorische sowie die sozio-emotionale Entwicklung der Kinder gelitten hat.

Der Förderbedarf wuchs in diesen Bereichen zwischen Oktober 2020 und Juni 2021 kontinuierlich an. Während im Oktober 2020 35 Prozent der Kita-Leitungen einen Anstieg an Kindern mit Förderbedarf in der sprachlichen Entwicklung sahen, waren es im Zeitraum April bis Juni 2021 bereits 43 Prozent der Leitungen. Einrichtungen, die einen hohen Anteil an Kindern mit niedrigem sozioökonomischen Status betreuen, schätzten die Zunahme an Kindern mit entsprechenden Förderbedarfen gar noch höher ein.

Die Qualität der Interaktionen zwischen den Kindern hat im Vergleich zur Situation vor der Pandemie ebenso eine Verschlechterung erfahren. Für Kitas mit einem höheren Anteil sozioökonomisch benachteiligter Familien fiel diese Verschlechterung der Interaktionen zwischen den Kindern besonders stark aus. Das galt ebenso für Kitas mit einer geringen Auslastung während der Lockdowns.

Im Weiteren scheint sich laut der Studie auch die Kooperationen zwischen Eltern und Fachkräften in Kitas verschlechtert zu haben. Im ersten Lockdown ging die aus Sicht der Einrichtungseinleitung eingeschätzte Qualität der Kooperation zunächst deutlich zurück. Nach der ersten Öffnung nahm diese wieder zu, fiel dann aber im weiteren Pandemieverlauf mit Verschärfung der Maßnahmen bis zum Frühsommer 2021 wieder stark ab.

Während der Corona-Maßnahmen litt zudem das Stimmungsbild der Kita-Betreuer. So erreichte der Unmut in der KW 6 (07. Februar bis 13. Februar 2022) einen nie dagewesenen Höchstwert von 3,4.

Zudem gaben laut Bundesregierung Eltern für ihre Kinder, die zeitweise ihren Betreuungsplatz aufgrund von Folgen durch die Pandemie-Maßnahmen nicht nutzten, niedrigere Wohlbefindenswerte an.

Lauterbach: Schließung war „nicht notwendig“

Aufgrund der neuen KiTa-Studie hat auch kürzlich Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) eingeräumt, dass die Bundesregierung auf die Schließung von Kitas durchaus hätte verzichten können. Diese seien während der Lockdowns in der Pandemie „aus heutiger Sicht nicht notwendig“ gewesen, die Kitas „waren keine Infektionsherde“. Das sagte der Minister bei der Präsentation der neuen Corona-KiTa-Studie in Berlin und bezog sich dabei auf „neue wissenschaftliche Erkenntnisse“.

Lauterbach gab jedoch keine Entwarnung. Es gebe „allenfalls eine Atempause“. Die Krankenhäuser würden am Limit arbeiten und „die neuen Varianten bauen sich auf“.

Inzidenz auf dem Prüfstand

Während sich in Deutschland ein Rückgang der Herbstwelle zeigt, ist zu hinterfragen, welche Relevanz die Maßnahmen und zugleich die Inzidenz an sich haben.

Die Herbstwelle begann laut den Daten des Pandemieradars etwa Mitte September. Am 12. Oktober erreichte sie mit einer 7-Tage-Inzidenz von 887,6 neuen Fällen je 100.000 Einwohner ihren Höhepunkt. Das Robert-Koch-Institut hat am 5. November vorläufig 38.859 Corona-Neuinfektionen gemeldet – 18,6 Prozent oder 8.859 Fälle weniger als in der Vorwoche zur gleichen Zeit. Die Inzidenz sank laut RKI-Angaben somit auf 281,7.

Das Institut geht laut den vorläufigen Zahlen derzeit von rund 1.300.400 aktiven Corona-Fällen mit Nachweis aus. Das sind etwa 315.300 weniger als eine Woche zuvor. Außerdem meldete das RKI 207 Tote binnen 24 Stunden in Zusammenhang mit dem Virus oder einem positiven Testergebnis. Innerhalb der letzten sieben Tage waren es 991 Todesfälle, entsprechend durchschnittlich 142 Todesfällen pro Tag (Vortag: 136).

Anzahl der Tests ist relevant

Entscheidend für die Zusammenstellung der 7-Tage-Inzidenz war erneut die Anzahl der durchgeführten PCR-Tests. Vor dem Anstieg der Herbstwelle, also Anfang September, wurden knapp über 500.000 Tests durchgeführt. Mitte September, als die Inzidenzkurve zu steigen begann, gab es über 531.000 Tests.

Bis zu der Woche, in der die Inzidenz ihren Höhepunkt erreicht hatte, betrug die Anzahl der Tests über 906.000. In der darauffolgenden Woche sank nicht nur die Testzahl auf etwa 811.000, gleichzeitig ging auch die bundesweite Inzidenz wieder zurück. In der letzten Oktoberwoche (KW 43) verzeichnete das RKI nur noch 637.000 Tests.

(Mit Material von dts)



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Von Veritatis

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