Was können U-Bahnfahrer in Deutschland von den Benutzern der Metro in Hongkong lernen? Im ersten Moment mag diese Frage sehr irritierend wirken. Sie verweist allerdings auf zwei wesentliche Aspekte unserer modernen Welt: die Verknüpfung von bargeldloser Bezahlung und steigender Kontrolle.

Von den Menschen in Hongkong wissen die Deutschen, dass sich diese immer wieder gegen die Gängelung aus Beijing auflehnen und gegen diese demonstrieren. Wie es bei diesen Demonstrationen zugeht, das zeigen uns die Bilder in den westlichen Medien allerdings nicht – oder zumindest nicht in all ihren wichtigen Aspekten.

Die Ablehnung der staatlichen Kontrolle beginnt bei den Demonstranten in Hongkong nämlich nicht erst auf der Straße, wenn sich am vereinbarten Ort der Protestzug formiert und in Bewegung setzt, sondern viel, viel früher: schon auf dem Weg zur Demonstration.

Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste

Dann bilden sich in der Hongkonger U-Bahn mit schöner Regelmäßigkeit lange Schlangen vor den Kassenautomaten. Vor allem vor jenen, an denen man noch mit Münzen und Scheinen und nicht nur mit Karte bezahlen kann. Dieses Verhalten, das nicht nur für einzelne, sondern für die Masse der Hongkonger charakteristisch ist, lässt aufhorchen.

An und für sich ist die Bevölkerung in China und auch die in Hongkong ausgesprochen technikbegeistert. Die Rückkehr zum „altmodischen“ Bargeld verwundert daher im ersten Moment. Sie wird aber vollkommen verständlich, wenn man das ausgefeilte Überwachungssystem in China kennt. Hier haben die Menschen längst erkannt, dass die chinesische Polizei Ticketbuchungen zu Ermittlungszwecken verwendet.

Wer also seinen Beitrag zur Erhaltung der letzten Reste seiner verbliebenen Freiheit in Hongkong leisten will, der bezahlt seine Fahrten am besten bar. In Deutschland wäre dies in vielen Städten gar nicht mehr möglich. Alle, die ihre persönlichen Freiheiten verteidigen wollen, fangen deshalb am besten bei den kleinen und vermeintlich nur unscheinbaren Dingen an.





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Von Veritatis

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