Ein ebenso prominenter wie abtrünniger deutscher Christdemokrat wurde vom polit-medialen Komplex einst regelrecht zerfleischt, weil er die „Neue Zürcher Zeitung“ als das neue Westfernsehen bezeichnete. Für die jüngeren Leser: So nannte man die „Feindsender“ aus der Bundesrepublik in der DDR – sie waren für viele Menschen dort die einzige Alternative zu der Propaganda-Dauerberieselung im Staatsfernsehen.

Auch heute haben sich die öffentlich-rechtlichen Medien auf Propaganda versteift, und viele große Medien sehen sich ebenfalls eher als Sprachrohr des rotgrünen Zeitgeistes und der Regierung denn als Gegengewicht. Anders als in der DDR gibt es aber zahlreiche „alternative“ Medien, auch über die „Neue Zürcher Zeitung“ hinaus. Der polit-mediale Komplex bekämpft sie nach Kräften, diffamiert sie, wie es nur geht, ja kriminalisiert sie regelrecht – konnte sie aber bislang noch nicht mundtot machen.

Diejenigen, die selbst wenig haben, bitte ich ausdrücklich darum, das Wenige zu behalten. Umso mehr freut mich Unterstützung von allen, denen sie nicht weh tut!

Das Problem mit der „Neuen Zürcher Zeitung“ für die Kulturrevolutionäre in der Regierung und in den Medien ist allerdings, dass sie als altehrwürdige Zeitung nicht so leicht zu diskreditieren und diffamieren ist wie die neueren Medien. Ihr Wort hat selbst bei vielen von denjenigen Gewicht, die in alter und früher sicher auch richtiger Tradition den sogenannten „etablierten“ Medien noch vertrauen (obwohl diese von Tag zu Tag weniger etabliert werden).

Umso schwerer wiegt und weher tut das Urteil, das jetzt Eric Gujer, der Chefredaktor, wie man den Chefredakteur auf Schweizerdeutsch nennt, des Züricher Traditionsblatts fällte: „Die bittere Bilanz von Corona: Der Staat kann den Deutschen die Freiheit nehmen, solange er sie mit Geld ruhigstellt. Politik und Medien haben in der Pandemie viele Fehler gemacht. Den Bürgern wurden mehr Freiheiten genommen als zwingend erforderlich. Ungeimpfte wurden stigmatisiert. Heute weigern sich Politik und Medien, die Irrtümer aufzuarbeiten.“

Schach und Matt. Das ist ein journalistischer K.O.-Schlag für die Corona-Jünger und ihre Anhänger in Deutschland in sage und schreibe vier Zeilen. Eigentlich braucht man den Artikel gar nicht weiterlesen, der in der Rubrik unter dem bezeichnenden Titel „Der andere Blick“ erschienen ist. Brillant seziert Gujer die deutschen „Besonderheiten“. Mit Sätzen, die treffen wie Präzisionsschläge: „Wieder ist Winter, wieder steigen die Covid-Fallzahlen, doch die vom heutigen Gesundheitsminister Karl Lauterbach prophezeite ‘Killervariante‘ lässt sich nicht blicken. Diese zur Hysterie neigende Kommunikation ist der Kardinalfehler der deutschen Pandemiepolitik.“

Oder: „Abwägende Stimmen hatten es nicht leicht, Gehör zu finden. Die bis weit in die Nacht andauernden Runden sorgten überdies für administrativen Wirrwarr. Der von Angela Merkel und ihrem Kanzleramtsminister Helge Braun ausgeheckte und rasch wieder verworfene Oster-Lockdown ist das beste Beispiel für die Mischung aus Chaos und Inkompetenz.“

Das vernichtende Fazit von Gujer: „Dass Bund und Länder nicht in der Lage waren, in der zwei Jahre dauernden heissen Phase der Seuchenbekämpfung ein rationales Entscheidungsverfahren zu etablieren, ist ein Armutszeugnis der deutschen Politik. Selbstdarstellung triumphierte über Sachkenntnis.“

Auch die Prognose des Schweizers ist bitter: „Wie das Beispiel Schweiz zeigt, konnte man schon früh zu ganz anderen Schlussfolgerungen gelangen. In Deutschland wollten dies Bund und Länder aber nicht. Sie sollten daher wenigstens Rechenschaft ablegen, was sie daraus gelernt haben. Fehler sind in einer Extremsituation unvermeidlich; die sture Weigerung, sich mit ihnen auseinanderzusetzen, legt jedoch die Grundlage für das nächste Versagen.“

Genauso vernichtend wie Gujers Urteil über unsere Politiker ist das über unsere Journalisten: „Die Politik befindet sich in schlechter Gesellschaft der Medien. Wie in der Migrationskrise 2015 neigten sie dazu, unkritisch der Regierungslinie zu folgen. Gerade die öffentlich-rechtlichen Sender verbreiteten Horrorszenarien und bettelten in Kommentaren förmlich um rigorose Maßnahmen. Wissenschafter und Politiker, die für eine weniger restriktive Vorgehensweise eintraten, mussten Hohn und Spott ertragen.“

Die Medien hätten „unkritisch als objektive Wissenschaft verbrämte Mutmassungen“ verbreitet wie etwa „die Behauptung, Geimpfte seien nicht ansteckend“, so Grujer: „Dies alles geschah unter der Parole ‘Follow the science‘. Selten war Wissenschaftsgläubigkeit naiver und zugleich militanter. Mit angeblicher Wissenschaft wurde schamlos Politik gemacht. Dies müsste eine Warnung für den Umgang mit dem Klimawandel sein, doch auch diese Lehre werden die Medien vermutlich ignorieren.“

Die damals bereits vorliegenden Fakten seien „nicht unvoreingenommen geprüft“ worden, stattdessen habe man sich zum Gehilfen der offiziellen Linie“ gemacht, „die Ungeimpfte stigmatisierte“. Was Gujer dann schreibt, darf man in Deutschland nicht äußern, ohne als „Verschwörungstheoretiker“ oder „Rechter“ (= Nazi) diffamiert zu werden: „Statt als Korrektiv zu funktionieren, agierte ein grosser Teil der Medien als Lautsprecher der Exekutive.“

Schlimmer kann ein Urteil für Journalisten nicht ausfallen: Gujer bescheinigt ihnen damit das Totalversagen bei ihrer wichtigsten Aufgabe. „Zu den überlebenswichtigen Schutzmechanismen des menschlichen Gehirns zählt, dass es vergisst und verdrängt. So haben die Deutschen bereits vergessen, welcher bürokratische Irrsinn ihnen bisweilen zugemutet wurde.“

Der Staat könne den Deutschen „offensichtlich die Freiheit nehmen, solange er sie grosszügig alimentiert“, so das Fazit des Schweizers über die Nachbarn: „In diesem Staatsverständnis liegt auch das eigentliche, über die Pandemiepolitik hinausweisende Problem. Der Staat usurpiert die Daseinsvorsorge, die eigentlich die Aufgabe jedes dazu fähigen Bürgers wäre. Selbstverantwortung und Freiheit stehen nicht hoch im Kurs. Die fürsorgliche Bevormundung der Bürger durch den Staat kann nicht nur in Corona-Zeiten mit grosser Zustimmung rechnen.“

„Auf Dauer wird die Demokratie so pervertiert“, mahnt der Chefredakteur: „Sie verkommt zum Basar, auf dem Bürger und Staat Gefolgschaft gegen Geld tauschen.“

Bravo, Eric Grujer!

Und was für eine Schande für unser Land, dass keines der großen Medien – bis auf die „Welt“, aber auch diese leider nur in Ansätzen – zu so einer schonungslosen Selbstreflexion und Selbstkritik in der Lage ist. Schlimmer noch: Dass so eine Stimme nicht nur in fast allen „etablierten“ privaten Medien, sondern noch mehr in den öffentlich-rechtlichen Sendern undenkbar ist – obwohl es ihre gesetzliche Aufgabe wäre, auch solche kritischen Meinungen zu verbreiten.

Armes Deutschland!

Und beneidenswerte Schweiz!

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Bild: Jaz_Online/Shutterstock

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Von Veritatis

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