Von Kai Rebmann

Vor wenigen Tagen berichteten wir auf dieser Seite über die in vielerlei Hinsicht bizarr wirkende ARD-Show zum Bühnenabschied von Schlager-Legende Jürgen Drews. Für besonders viel Wirbel hat dabei der Auftritt von Moderator Florian Silbereisen und Sängerin Beatrice Egli gesorgt. Das Duo interpretierte den Kult-Hit „1000 und 1 Nacht“, mit dem die Klaus Lage Band im Jahr 1984 22 Wochen lang in den deutschen Charts gelistet war. Das Wort „Indianer“ fiel dabei jedoch der ARD-Zensur zum Opfer. Anstatt „Erinnerst du dich, wir ham‘ Indianer gespielt.“ hieß es plötzlich „wir haben zusammen gespielt.“

Jetzt hat sich Diether Dehm, Autor und Verleger des Klassikers, zu Wort gemeldet und Strafanzeige gegen das Duo gestellt. Über seinen Facebook-Account teilte der ehemalige Bundestagsabgeordnete der Linken dazu mit: „Wenn die Verschandelung eines geschützten künstlerischen Werks nicht schon eine Urheberrechtsverletzung, also eine Straftat wäre, so müssten Florian Silbereisen und Beatrice Egli allein wegen groben Unsinns in eine geschlossene Einrichtung.“ Der ARD-Moderator habe weder eine Genehmigung für die Textänderung gehabt, „noch die mindeste geschmackliche Kompetenz“, so Dehm. Am Ende seines Posts wendet sich der Liedermacher gegen eine ausufernde Verbotskultur: „Ich bestehe aber nicht nur auf Texttreue, sondern auch darauf, dass meine Kinder, Enkel und Ur-Enkel wo und wann immer sie wollen ‚Indianer spielen dürfen‘; so wie hoffentlich auch junge Indigene ewig und überall auf der Welt ‚alte weiße Männer‘ spielen dürfen sollen.“

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Politisch motivierte Zensur

Im Gespräch mit reitschuster.de erläuterte Diether Dehm, was ihn zu der Strafanzeige veranlasst hat. Er kritisiert den übermäßigen Drang zum Gratismut, insbesondere wenn dieser von Menschen ausgeht, die diesen eigentlich am allerwenigsten nötig haben. Die Zensur des Wortes „Indianer“ aus einem Liedtext führe am eigentlichen Problem vorbei und diene in diesem Fall allein der politischen Instrumentalisierung. Seine Kritik an diesem Zeitgeist-Phänomen bringt der Musikproduzent wie folgt auf den Punkt: „Ob bei Impf- oder Gender-Pflicht, ob bei Wortverboten wie Indianer: Wenn sich sogar ein Superstar beugt, nährt er Sprachpolizei und deutschen Untertanen-Geist!“

Mit der Lebensrealität der Menschen, die die selbsternannten „Woken“ vor vermeintlichem Rassismus oder kultureller Aneignung schützen wollen, hat das alles freilich wenig zu tun. Jeder Indianer bezeichnet sich selbst so und das durchaus sogar mit Stolz. Nicht minder absurd ist es, wenn der Ravensburger Verlag deshalb zur medial inszenierten Bücherverbrennung schreitet oder deutsche Spracherzieher einem aus Nigeria stammenden Wirt verbieten wollen, sein Lokal „Zum Mohrenkopf“ zu nennen. Der Kieler Gastronom Andrew Onuegbu erteilt solchen Forderungen eine klare Absage und hält den „Bessermenschen“ den Spiegel vor: „Ich möchte als Schwarzer nicht erklärt bekommen, wann meine Gefühle verletzt werden. Das ist auch eine Form von Rassismus.“ Onuegbu pocht also nicht nur auf sein Selbstbestimmungsrecht in Bezug auf die Namensgebung seines Lokals, sondern bezeichnet sich auch noch selbst als „Schwarzer“ – das geht ja wohl gar nicht!

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Kai Rebmann ist Publizist und Verleger. Er leitet einen Verlag und betreibt einen eigenen Blog.

Bild: DIE LINKE, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

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