Sicher, er sei erstaunt gewesen, sagt Dieter Hallervorden, über den „Hass im Netz großer Zeitungshäuser“ gegen seine freie Meinung als Künstler. Andererseits hätten – neben Millionen Zugriffen auf das Gedicht „Gaza, Gaza“ – zigtausende Mails seine Mitarbeiter und ihn „ungeheuer ermutigt“. Die bewegendste Mail aber habe ihn in der vergangenen Nacht erreicht. Und zwar aus dem direkten Umfeld des UN-Generalsekretärs vom langjährigen UNO-Sonderbotschafter Prof. Dr. Jean Ziegler (90).

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Lieber Dieter Hallervorden, 

ich habe von den schmerzhaften Attacken gelesen, die Sie gerade für Ihr Gaza-Gedicht medial ertragen müssen. Den Text habe ich mir darum noch einmal zuschicken lassen. 

Mit Antisemitismus hat Ihr Auftreten nun wirklich nicht das Geringste zu tun!

Ihr Gedicht ist vielmehr auf Basis der Einschätzungen und Beschlüsse der Vereinten Nationen und unseres Generalsekretärs Antonio Guterres.

Seien Sie meiner Solidarität versichert und meines tiefen Respekts – auch des meines Freundes Antonio. 

Herzlichst 
Ihr Jean Ziegler*

* auf Vorschlag von Kofi Annan wurde Prof. Dr. Jean Ziegler UNO-Sonderbotschafter für das „Recht auf Nahrung“; war später auch im „Beratenden Ausschuss des UNO-Menschenrechtsrats“.

Gaza Gaza

Ein Mann drückt zerfetzte Fingerchen
An sein‘ Bart beim Flüstern fest ran:
Was haben denn die zarten Dingerchen
den Herrn Generälen getan?“

Dann hebt er den Rumpf seiner Kleinen
Zu Allah in die Sonne – zum Mond
Und wieder ham wir da einen
Der nichts und niemand mehr schont

Soll ich diesem Vater empfehlen
So cool wie ein Talkgast zu sein?
Sich bloß in kei‘m Wort zu verfehlen
Das antisemitisch erscheint?

Sie geloben Apartheid die Treue
Von Ampel bis AfD
Sie liefern Granaten aufs Neue
Bittend, zart damit umzugehn

beim Menschen-wie-Viecher-Vertreiben
Mit Hunger und mit Drohnen
Dieser Kinderfriedhof wird bleiben
Als Albtraum für Generationen

Die aus Ohnmacht brodelnde Kraft
Hat sich nie jemand selbst ausgesucht!
Doch die Macht, die die Bestien schafft
aus kaltem Kalkül! Sei verflucht!

Gaza Gaza
Ich schlag meine Augen nieder
Vor der Ohnmächt‘gen Geschrei
Vor dein‘n zerfetzten Gliedern
Und ich frag‘ mich da immer wieder:
und das soll kein Völkermord sein?

Titelbild: © Penguin Books



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Von Veritatis

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